# taz.de -- Bisexual Visibility Day: Bisexualität existiert
       
       > Zum 20. Mal wird der Bisexual Visibility Day begangen. Weltweit machen
       > AktivistInnen auf die Stigmatisierung von Bisexualität aufmerksam.
       
 (IMG) Bild: Bisexuelle werden oftmals marginalisiert. Hier zeigt sich eine Gruppe auf der San Francisco Pride
       
       Oft wird Bisexualität geleugnet, unsichtbar gemacht oder stigmatisiert.
       Damit das aufhört, wird am Sonntag bereits zum 20. Mal der von
       BisexuellenaktivistInnen ins Leben gerufene Bisexual Visibilty Day
       begangen. Bislang ist der Tag, der auch auf den Namen Celebrate Bisexuality
       Day hört, weitestgehend unbekannt: Während beispielsweise am
       Internationalen Tag gegen Homophobie viele Politikerinnen und Politiker
       entsprechende Statements in den Sozialen Medien posten und große
       Medienhäuser über das Thema berichten, findet der Bisexual Visibility Day
       meist nur kleinen Szenemedien statt.
       
       Nur langsam kommt Wind in die Räder: Als am Samstag vor dem
       schleswig-holsteinischen Sozialministerium [1][die Flagge der Bisexuellen
       gehisst wurde,] war das erst das zweite Mal, dass diese Flagge an einem
       deutschen Ministerium wehte. Und als die australische Senatorin Janet Rice
       (Grüne) am vergangenen Dienstag im Parlament eine neunminütige Rede über
       Bisexualität und Bisexuellenfeindlichkeit hielt, war das wohl das erste
       Mal, dass in einem Parlament so ausführlich über die Anliegen von
       Bisexuellen gesprochen wurde.
       
       Rice schrieb damit bisexuelle Geschichte. Mit der Bi-Flagge als Schal um
       den Hals [2][erzählte sie sehr persönlich] von ihrer Lebenssituation als
       bisexuelle Frau – und thematisierte prominent, wie Bisexuellenfeindlichkeit
       aussehen kann. „Die Leugnung und Unsichtbarmachung von Bisexualität ist
       weit verbreitet. Ständig müssen wir Behauptungen zurückweisen, dass unsere
       Identität und Sexualität eine Phase sei oder wir unentschlossen seien.
       Bisexualität ist etwas eigenständiges und vollständiges“, machte sie
       deutlich. Sie widerspricht damit öffentlich gängigen Mythen, die sowohl
       unter Heterosexuellen, als auch unter Schwulen und Lesben weit verbreitet
       sind.
       
       Diese besagen beispielsweise, dass Bisexuelle bezüglich ihrer Sexualität
       verwirrt seien. Dass sie untreu, unvertrauenswürdig, unreif und
       verantwortungslos seien. Dass bisexuelle Männer eigentlich schwul seien und
       ihre wahre Sexualität verleugnen würden. Dass bisexuelle Frauen eigentlich
       heterosexuell seien [3][und nur Aufmerksamkeit wollen würden.]
       
       ## Eine realistische Darstellung in den Medien fehlt
       
       Unter Schwulen und Lesben ist die Ansicht verbreitet, dass Bisexuelle
       andersgeschlechtliche PartnerInnen über gleichgeschlechtliche PartnerInnen
       priorisieren würden. Dass andersgeschlechtliche PartnerInnen weniger wert
       seien als gleichgeschlechtliche. Dass Bisexuelle unpolitisch und nicht an
       schwul-lesbischen Kämpfen interessiert seien. Auch vermeintlich positive
       Zuschreibungen wie die der Bisexualität als „trendy“ oder „chic“ [4][können
       eine Stigmatisierung und Exotisierung verstärken] – und schon alleine
       dadurch entkräftet werden, dass sie spätestens ab Anfang der 1970er-Jahre
       verwendet werden.
       
       Am [5][Bisexual Visibility Day] finden mittlerweile in vielen Teilen der
       Welt Aktionen, Vorträge, Lesungen und Filmvorführungen von bisexuellen
       Gruppen statt. 2018 gibt es um den 23. September weltweit entsprechende
       Veranstaltungen, beispielsweise in Australien, Bolivien, China, Guatemala,
       Irland, Kirgisistan, Polen, Singapur, Südafrika, Taiwan, der Türkei und in
       den USA. Dabei geht es noch immer oft um nicht viel mehr, als deutlich zu
       machen: Bisexualität existiert! Bisexuellenfeindlichkeit existiert!
       
       Gerade für junge Bisexuelle kann diese Biphobie massive Auswirkungen auf
       das psychische Wohlbefinden haben. Studien haben immer wieder gezeigt, dass
       sich Bisexuelle deutlich seltener in der Familie, in der Schule und am
       Arbeitsplatz outen als Schwule und Lesben. Dass Bisexuellenfeindlichkeit zu
       hohem Maße zu Depressionen, Angststörungen und Suizidalität führt. Und dass
       häufig eine realistische Darstellung in den Medien ebenso fehlt wie
       Vorbilder für Jugendliche und unterstützende Subkulturen. Das Thema ist
       ernst – und sollte nicht nur am 23. September auf die Tagesordnung.
       
       23 Sep 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.queer.de/bild-des-tages.php?einzel=2395
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=F1vArYWZdwU
 (DIR) [3] /Darstellung-von-Bisexuellen/!5393421
 (DIR) [4] /Kolumne-Wichtig/!5012318
 (DIR) [5] http://www.bivisibilityday.com/year2018/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frederik Schindler
       
       ## TAGS
       
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