# taz.de -- taz-Leser über Motorradlärm: „Eine Qual“, „Terror“, „unerträglich“
       
       > Lärm durch Motorräder und unnötig laute Autos ist weiter verbreitet als
       > bislang bekannt. Die taz-Karte der Proteste zeigt inzwischen etwa 260
       > Orte.
       
 (IMG) Bild: Auch im idyllischen Lautertal in Württemberg haben manche Motorräder satt
       
       Berlin taz | Jürgen Klozenbücher suchte Ruhe, als er vor einigen Jahren von
       der Stadt aufs Land zog. Er fand: Motorradlärm. Oft donnerten Hunderte von
       Motorrädern 150 Meter entfernt von seinem Garten im baden-württembergischen
       Dorf Althütte vorbei, sagt Klozenbücher. „Wir müssen nun feststellen, dass
       es an warmen Wochenenden auf dem Land viel lauter ist als in der Stadt. Die
       Leute fahren aufs Land, um der Natur näher zu sein und verschmutzen sie mit
       Lärm – unfassbar!“
       
       Klozenbücher ist einer von bisher rund 80 Betroffenen, die dem
       [1][taz-Aufruf] von Anfang August zur Meldung von Protesten gegen Lärm
       durch Motorräder und unnötig laute Autos gefolgt sind. Vor allem wegen
       dieser Leserhinweise und aufgrund weiterer Recherchen ist die [2][taz-Karte
       mit den betroffenen Orten] in Deutschland von 170 auf nun etwa 260 Einträge
       gewachsen. Das Problem ist also noch weiter verbreitet als bislang bekannt.
       
       Umfragen zufolge fühlt sich mehr als die [3][Hälfte der Bevölkerung] durch
       Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt, also in ihrer Lebensqualität
       eingeschränkt. Dabei können chronische Lärmbelastungen
       [4][Herz-Kreislauf-Erkrankungen] wie Schlaganfälle verursachen, warnt das
       bundeseigene Robert-Koch-Institut.
       
       Die zahlreichen E-Mails an die taz zeugen davon, wie verzweifelt viele
       Menschen wegen des Lärms vor ihrer Haustür sind. „Ganz schlimm“,
       „unerträglich“, „eine Qual“, „kaum auszuhalten“, „Lärmterror“ sind nur
       einige Zitate von Betroffenen. „Wir fallen seit fünf Jahren gerade in der
       Einschlafphase fast aus dem Bett von dem Lärm“, klagt ein Berliner.
       
       ## „Da fliegt Ihnen der Kochlöffel weg“
       
       „Wegziehen kann ich nicht, weil ich das Haus geerbt habe und ich mir
       Vergleichbares in ruhigerer Lage nicht leisten kann“, schreibt eine
       Betroffene. „Diese Lärmbelästigung ist besonders schlimm, weil sie
       natürlich hauptsächlich in der warmen Jahreszeit auftritt, wenn man
       aufgrund der Temperaturen die Fenster offen hat“, ein anderer.
       
       Ein taz-Abonnent berichtete, er habe ein Ferienhaus in einer belasteten
       Region gekauft. „Dort können Sie an Wochenenden und Feiertagen nicht im
       Garten sitzen. Da fliegt Ihnen der Kochlöffel weg“ – bei 84 Motorrädern pro
       Stunde „und alle aufgedreht – volles Rohr“. Seine Konsequenz: „Das Haus
       habe ich zum Glück wieder verkaufen können – im Winter.“
       
       Mehrere Leser weisen daraufhin, dass der Lärm oft auch mit überhöhten
       Geschwindigkeiten und Unfällen einhergehe. Ein Lärmgeplagter war sogar
       schon selbst einmal Ersthelfer bei einem Unglück: „Da hatte sich ein
       Motorradfahrer ein Bein unter der Leitplanke abgeschlagen. Davon träume ich
       regelmäßig seit zehn Jahren. So ein Traum geht nie weg.“ Die Strecke am
       Feldberg im Taunus werde ob der vielen Kreuze für Unfallopfer schon „Death
       Valley“ genannt.
       
       Die meisten Autoren der Mails fühlen sich allein gelassen von den Behörden.
       „Ein einziges Lärmereignis in der Nacht beendet für viele Leute den
       erholsamen Schlaf, kann also schon gesundheitsgefährdend sein“, schreibt
       ein Brandenburger. Das würden die Ämter aber nicht berücksichtigen, wenn
       sie die Lärmbelastung bewerten. Ein Bayer berichtete, die Einwohner der
       Dörfer im Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz „haben schon lange
       resigniert“, da ihr Protest nicht erfolgreich gewesen sei. Ein anderer:
       „Die Polizei hat zwar Unterstützung zugesagt, allerdings dauert es eine
       Weile, bis ein Streifenwagen erscheint und dann ist die Wirkung nur sehr
       kurzfristig. Die Heizer sind mit Handy eben auch gut vernetzt.“
       
       Besonders wütend sind viele, weil sie Motorradlärm anders als
       beispielsweise Belastungen durch Lastwagen für unnötig halten.
       Motorradfahren diene „nur dem egoistischen Spaß einer immer größer
       werdenden Menge von rücksichtslosen, abenteuerliebenden Menschen“, schreibt
       ein Leser aus Unterfranken. „Eine kleine Minderheit ‚terrorisiert‘ aus
       ziemlich niedrigen Gründen eine große Menge anderer Menschen“, kritisiert
       ein weiterer.
       
       ## „Der Ruf nach Ruhe kommt bei mir nicht gut an“
       
       „Wie kann der Staat solche Lärm-Maschinen zulassen, während ganze
       Forscherteams versuchten und auch erreicht haben, dass PKWs heute im
       Normalfall kaum noch zu hören sind?!“, fragt der Betroffene aus
       Unterfranken. Ein anderer Leser kritisiert, dass das Kraftfahrtbundesamt
       nicht gegen das Problem vorgehe.
       
       Die taz hat auch Kritik an der Berichterstattung erreicht. „Tendenziell
       kommt bei mir persönlich der Ruf nach Ruhe schlecht an. Jede Demo ist eine
       Ruhestörung – und das ist gut so“, mailte ein Kommunalpolitiker. Mehrere
       Motorradfahrer kritisierten, alle Biker würden in einen Topf geworfen,
       obwohl doch nicht alle Austausch-Auspuffanlagen hätten, die oft besonders
       laut sind.
       
       Allerdings konstruieren BMW und andere Konzerne sehr wohl serienmäßige
       Motorräder oder Autos so, dass sie lauter sind als zum Fahren nötig. Die
       Unternehmen hatten der taz bestätigt, dass sie in den Auspuff mehrerer
       Modelle [5][Klappen einbauen]. Diese verringern den Lärm bei den im
       amtlichen Zulassungstest geprüften Motordrehzahlen. Insbesondere bei
       höheren Geschwindigkeiten sind die Fahrzeuge aber lauter.
       
       Der Trick mit den Klappen funktioniert, weil die Geräuschemissionen bei
       der Zulassung durch die Behörden nur bei ungefähr 50 Kilometern pro Stunde
       gemessen werden. Zusätzlich müssen die Hersteller zwar erklären, dass
       Fahrzeugtypen die Grenzwerte bei Geschwindigkeiten von 20 bis 80
       Stundenkilometern einhalten; aber in [6][den Vorschriften] für die
       Motorradzulassung steht noch nicht einmal, dass die Modelle diesen Lärmtest
       auch absolvieren müssen.
       
       Das Umweltbundesamt fordert, dass die EU [7][Lärmgrenzwerte für
       Geschwindigkeiten über 80 Kilometer pro Stunde sowie für alle
       Motordrehzahlen] festlegt. Bisher hat die EU-Kommission aber keinen
       entsprechenden Verordnungsentwurf präsentiert.
       
       Kennen Sie Orte, wo es Proteste gegen unnötigen Motorrad- und Autolärm
       gibt, die auf unserer Karte fehlen? Dann schicken Sie bitte eine möglichste
       genaue Ortsangabe, Postleitzahl und Quelle (zum Beispiel den Link zu einem
       Medienartikel) an kfzlaerm@taz.de.
       
       25 Sep 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /!5518931/
 (DIR) [2] https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1Obat8KNWw94Y0mgV837weMUx25j4Tl_p&amp&ll=51.279406174011356%2C10.18238155000006&amp&z=6
 (DIR) [3] https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltbewusstsein-in-deutschland-2016
 (DIR) [4] https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/L/Laerm/Inhalt/laerm_inhalt.html
 (DIR) [5] /!5459901/
 (DIR) [6] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A42012X1114%2801%29
 (DIR) [7] /!5486617/
       
       ## AUTOREN
       
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