# taz.de -- Diskussion um TV-Duell vor Bayern-Wahl: In Söders Twitteria
       
       > Eine eskalierende Twitter-Debatte: Söder sieht sich als einzigen
       > Ministerpräsidentenkandidaten. Auf Twitter bekommt er massive Gegenrede.
       
 (IMG) Bild: Auf der ausgehetzt-Demo im Juli in München: CSU-Spitze Söder vertritt wohl nicht alle Bayern
       
       Dass die Äußerungen von CSU-Politikern auch nach hinten losgehen können,
       ist [1][seit der ausgehetzt-Demo und den ungeschickten Gegenreaktionen
       ihrer Partei] sogar den Christsozialen selbst klar. Wirklich daraus gelernt
       zu haben scheinen sie aber nicht, wenn auch einige problematische Begriffe
       mittlerweile aus ihrem Sprachgebrauch verschwunden sind. Sie provozieren
       weiterhin oder verbreiten Falschmeldungen. Markus Söder macht es vor: Auf
       Twitter griff er selbstsicher politische Gegner an – und erntete dafür
       wütende bis sarkastische Entgegnungen.
       
       Söder interpretierte die Realität nämlich auf seine ganz eigene Art. [2][Am
       Dienstagmittag twitterte er]: „Kein TV-Duell vor der Landtagswahl?
       Offenkundig traut sich außer mir keiner das Amt des MP
       [Ministerpräsidenten] zu. Bayern geht es so gut wie nie. Warum also was
       ändern? Wir wollen stabile Verhältnisse in Bayern.“ Mit dem impliziten
       Vorwurf, niemand außer ihm sei zu einem Schlagabtausch bereit, verzerrte er
       aber die Tatsachen.
       
       Vor der Landtagswahl in Bayern gibt es in der Regel eine Debatte zwischen
       dem aktuellen Ministerpräsidenten und seinem stärksten Gegner. Dieses Jahr
       steht dieses TV-Event allerdings tatsächlich auf der Kippe. Denn der
       Bayerische Rundfunk, der das Duell ausstrahlt, [3][hat es nach monatelangen
       Beratungen erst einmal auf Eis gelegt], wie der Münchner Merkur berichtete.
       
       Der Grund dafür ist allerdings nicht die fehlende Bereitschaft der
       Spitzenkandidat*innen der verschiedenen Parteien zu einer Debatte, so der
       Münchner Merkur. Sondern die aktuellen Umfrageergebnisse in Bayern, die
       keinen eindeutigen Herausforderer ermitteln können. Laut der aktuellsten
       Civey-Erhebung für Spiegel Online und Augsburger Allgemeine Zeitung vom 13.
       August [4][erreichten Grüne und AfD gut 15 Prozent, die SPD bekam nur noch
       12 Prozent], es fehlt also eine eindeutige „Nummer zwei“. Und trotz
       massiver Einbußen liegt die CSU mit ihren gut 38 Prozent immer noch weit
       vorne. Damit aber wird der Ablauf des TV-Duells selbst zum Politikum: Eine
       Debatte zwischen dem Spitzenkandidaten von nur einer der drei Parteien mit
       Söder würde von den außen vor bleibenden nicht geduldet werden.
       
       ## Andere Spitzenkandidaten fordern Söder zu Duell auf
       
       Söders provokanter Tweet entbehrt also jeder realen Grundlage. Die
       Reaktionen ließen auch nicht lange auf sich warten. Im Netz wird Söder als
       überheblich und realitätsfern kritisiert. Der Kandidat der neugegründeten
       Partei mut, Matthias Matuschek, besser bekannt als Moderator „Matuschke“
       von Bayern3, war am schnellsten: „Jederzeit, der Herr! Wann passt es Ihnen?
       #mut_bayern #ichbinnichtcsu“, antwortete er. Auch andere kleine Parteien
       meldeten sich zu Wort. Kandidat*innen von Die PARTEI, der Bayernpartei, den
       Piraten und der V-Partei³ erklärten ihrerseits die Bereitschaft zum Duell.
       Widersprechen wollte auch der FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen und
       provozierte seinerseits: „Ich trau's mir zu. Schlage ein Livestream-Duell
       vor. Trauen Sie sich?“
       
       Einer, der tatsächlich als potenzieller Gegenkandidat in Frage käme,
       fordert Söder ebenfalls heraus: [5][Ludwig Hartmann, der Spitzenkandidat
       der Grünen, schreibt]: „Wann und wo? #ltw18 #ltwby“ Der BR wurde bei
       Twitter von anderen Usern dazu aufgerufen, die Begegnung zu organisieren.
       Auf die Nachfrage nach Katharina Schulze als Spitzenkandidatin und breiter
       unterstützter Grünen-Chefin erklärte Hartmann: Sie sei leider noch zu jung,
       das Mindestalter liege bei 40 Jahren. Die hat Hartmann gerade erreicht.
       Söder reagierte allerdings auf keine der Anfragen.
       
       Kritik gab es aber auch an Söders Twitter-Stil. „Dachte, ich hätte einen
       übersetzten Trump Tweet gelesen, bis dann Bayern erwähnt wurde“, schreibt
       ein Nutzer.
       
       ## TV-Debatten sollen in anderer Form stattfinden
       
       Der Bayerische Rundfunk bietet nichtsdestotrotz eine Mischung von Formaten,
       um im Fernsehen Debatten zur Landtagswahl zu senden. Am 12. September soll
       es eine große Runde mit Vertreter*innen von allen Parteien, die es
       vermutlich über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, geben; Söder selbst wird
       dort nicht erscheinen, sondern der CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer.
       Außerdem finden einzelne „Wahlarena“-Auftritte der Spitzenkandidaten der im
       Landtag vertretenen Parteien und Drehs mit FDP, AfD, Linken und allen
       „Kleinparteien“ statt. Nach neuen Umfragen Mitte September will der BR dann
       nochmal schauen, ob doch was aus dem TV-Duell werden könnte. Ausreichend
       Kandidaten, die dazu bereit wären, gibt es ja offensichtlich.
       
       22 Aug 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ausgehetzt-Demonstration-in-Muenchen/!5518633
 (DIR) [2] https://twitter.com/Markus_Soeder/status/1031837709566922752
 (DIR) [3] https://www.merkur.de/politik/kein-schlagabtausch-vor-wahl-br-legt-tv-duell-auf-eis-kein-klarer-gegenkandidat-10138449.html
 (DIR) [4] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-csu-unter-40-prozent-afd-und-gruene-kaempfen-um-platz-2-spon-umfrage-a-1222914.html
 (DIR) [5] https://twitter.com/LudwigHartmann/status/1031914264066490373
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sarah Kohler
       
       ## TAGS
       
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