# taz.de -- Kolumne Nachbarn: Früher Trauben, heute Krieg
       
       > Im syrischen Darayya demonstrierten die Menschen 2011 friedlich gegen die
       > Diktatur. Doch das Regime wehrte sich und es kam zum Krieg.
       
 (IMG) Bild: Einst gab es viele Trauben in Darayya
       
       Darayya ist eine Stadt im Gouvernement Rif Dimaschq in Syrien und kann auf
       eine lange, glorreiche Geschichte zurückblicken. Es liegt rund acht
       Kilometer von Damaskus entfernt und gilt als Vorort der viel älteren, in
       der Zivilisation tief verankerten Hauptstadt, mit der es eng verbunden ist.
       Der Name Darayya stammt ursprünglich aus dem Assyrischen und bedeutet
       „viele Häuser“.
       
       Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner von Darayya sind islamischen
       Glaubens. Aber es leben dort auch Christen. Die Gebetshäuser sind über die
       ganze Stadt verteilt. Die meisten Menschen sind entweder in der
       Landwirtschaft oder im Handwerk tätig. Darayya ist für seine prächtigen
       Trauben bekannt.
       
       Im März 2011 [1][erhoben sich die Menschen in Darayya gegen die Diktatur].
       Ihre Demonstrationen waren friedlich. Sie gingen mit Rosen in der Hand auf
       die Straße und riefen: „Wir halten zusammen, wir sind ein Volk.“ Ich selbst
       nahm auch an einigen dieser Märsche teil. Wir versuchten stets, die Armee
       für uns zu gewinnen, damit sie uns vor den Sicherheitsdiensten schützt.
       
       Doch die Diktatur war stärker und kontrollierte alles. Jedes Mal endeten
       die Demonstrationen mit Toten, Verletzten, vielen Verhaftungen und noch
       mehr gebrochenen Seelen.
       
       ## Gewalt und Gegengewalt
       
       Nach weniger als zehn Monaten schnellte die Zahl der Verhafteten empor.
       Unter ihnen befand sich der friedliebende politische Aktivist Ghiath Matar.
       Er war als Anführer der zivilen Bewegung bekannt, die für Demokratie und
       Gerechtigkeit eintrat. Vier Tage nach seiner Festnahme wurde sein
       entstellter Leichnam seinen Angehörigen übergeben.
       
       Die durch das Regime entfachte Gewalt erzeugte Gegengewalt. Die jungen
       Menschen in Darayya begannen sich verzweifelt mit Waffen zur Wehr zu
       setzen. [2][Es begann der ungleiche Krieg]: Nur leicht bewaffnete junge
       Menschen standen einer hochgerüsteten Armee gegenüber.
       
       Der Krieg um Darraya währte mehrere Jahre, bevor die Regierungstruppen
       schließlich fast die ganze Stadt zerstörten. [3][Viele Menschen fielen dem
       Krieg zum Opfer], andere wurden verhaftet, der Rest vertrieben.
       
       Wer Krieg und Verhaftung entkam, erhielt vom Regime vor ein paar Tagen eine
       Liste mit 1.000 Namen von Kindern und Angehörigen, die in der Haft ums
       Leben kamen. Eine weitere Liste wurde angekündigt. Eine Mutter reagierte
       auf die Nachricht vom Foltertod ihres Sohnes mit den Worten: „Gott sei
       Dank! Jetzt kann er nicht mehr gefoltert werden. Jetzt ist er an einem
       sichern Ort, den die Folterer nicht erreichen können.“
       
       Aus dem Arabischen von Mustafa Al-Slaiman
       
       6 Aug 2018
       
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 (DIR) Kefah Ali Deeb
       
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