# taz.de -- Kommentar Anti-Terror-Gesetze Türkei: Erdoğans Alleinherrschaft
       
       > Der letzte Schritt zu einem autoritären System ist mit dem neuen
       > Maßnahmenpaket vollzogen. Wer kann, geht ins Exil – auch innerhalb des
       > Landes.
       
 (IMG) Bild: Erdoğans neuen Gesetzen ersticken jede oppositionelle Regung im Keim
       
       Es kam wie befürchtet. Am Mittwochabend verabschiedete die
       Regierungsmehrheit im türkischen Parlament ohne Abstriche ein Paket
       Anti-Terror-Gesetze, die den Ausnahmezustand de facto zu einem Dauerzustand
       machen. Damit ist die [1][Transformation zu Recep Tayyip Erdoğans
       Alleinherrschaft] abgeschlossen: Mit den jetzt beschlossenen Gesetzen wird
       dafür gesorgt, dass jede oppositionelle Regung im Keim erstickt werden
       kann.
       
       Viele Menschen stellen sich nun die Frage, ob und wie sie in dieser neuen
       Türkei weiterleben sollen. Obwohl die Zahl der türkischen Asylsuchenden in
       Deutschland steigt und auch in Griechenland und anderen europäischen
       Ländern mehr Türken versuchen, Fuß zu fassen, sind die absoluten Zahlen
       doch immer noch gering. Den wenigen Tausenden, denen ein Absprung ins
       Ausland möglich ist, stehen vermutlich Hunderttausende gegenüber, die aus
       den verschiedensten Gründen im Land bleiben müssen, auch wenn sie lieber
       gingen.
       
       Wenn die Flucht ins Ausland nicht möglich ist, bleibt als naheliegendste
       und häufigste Form des Überlebens die innere Emigration. Die findet nun in
       den verschiedensten Formen statt. Man zieht sich zurück ins Privatleben und
       sucht sich einen Lebensraum in Gegenden, in denen man noch etwas freier
       atmen kann. Seien es bestimmte Stadtteile in Istanbul oder die Ägäis-Küste
       oder der kurdische Südosten; wer die Erdoğan-Republik ablehnt, zieht sich
       zurück.
       
       Das reicht bis in die Parteien. Die säkulare,
       sozialdemokratisch-kemalistische CHP hat den Kampf um das Land aufgegeben
       und beschränkt sich auf ihre Hochburgen in Istanbul, Ankara und an der
       Küste. Dasselbe gilt für die kurdische HDP, die wieder auf den Südosten
       zurückgeworfen ist. Der herrschende und von der AKP beherrschte Teil des
       Landes wird dagegen mehr und mehr zu einer Mischung aus Turkmenistan und
       Katar. Türkentum, Islam und oligarchischer Kapitalismus sind die Wegweiser
       in die Vergangenheit, in ein Land, das sich anschickt, geistig und
       politisch ins 19. Jahrhundert zurückzufallen.
       
       26 Jul 2018
       
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