# taz.de -- Tarifstreit an Berliner Hochschulen: Audimax der TU besetzt
       
       > Hochschulen betreiben Lohndumping mit studentischen Beschäftigten. Die
       > wehren sich in Berlin mit Streiks und Besetzungen.
       
 (IMG) Bild: Das Audimax der TU am Mittwochabend
       
       Berlin taz | Besetzungsnächte sind kurz. Im Plenum müssen sich die
       Arbeitsgruppen finden, es wird diskutiert, geplant und auch gefeiert – erst
       weit nach Mitternacht werden die Schlafsäcke auf unbequemen Bänken
       ausgerollt. So tun es derzeit streikende studentische Beschäftigte der
       Berliner Hochschulen an der Technischen Universität. Am Mittwochabend, im
       Anschluss an [1][ihre zentrale Streikdemo], besetzten einige kurzerhand das
       Audimax der Universität.
       
       Am historischen Ort, der seit dem Vietnamkongress 1968 schon so manche
       Revolte hat kommen und gehen sehen, quartieren sich die Studierenden
       derzeit ein. Schon am ersten Abend gibt es „Chili con Streik“ (vegan,
       natürlich), für Getränkenachschub ist auch gesorgt. Gut hundert Menschen
       bereiten sich auf einen längeren Verbleib vor. Ihr seit Monaten schwelender
       Tarifkonflikt war bereits ein hinreichendes Training in Geduld.
       
       Da ihr Verhandlungsgegner, der Kommunale Arbeitgeberverband, sich nicht
       bereit zeigt, die Gehälter der studentischen Beschäftigten an den
       Tarifvertrag der Länder zu koppeln und einen angemessenen Ausgleich für 17
       Jahre ohne Lohnerhöhung zu zahlen, stehen die Arbeitnehmer erneut seit
       knapp zwei Wochen im Streik. Eine dritte Woche ist bereits beschlossen. Wie
       es danach weitergeht, ist offen.
       
       Und nun also die Streikzentrale im Audimax der TU. Die Plenardiskussionen
       sind genretypisch ermüdend lang, aber durchaus zielführend. Die AGs nehmen
       noch in der Nacht die Arbeit auf. In einer ersten Erklärung wird die
       bundesweite Relevanz des Streiks betont. Lohndumping mithilfe
       außertariflicher Beschäftigungsverhältnisse, gerne unter Benutzung
       studentischer Hilfskräfte, ist schließlich Standard an deutschen
       Hochschulen.
       
       Die TU verlegt derweil stillschweigend Veranstaltungen aus dem Audimax in
       andere Räume und vermeidet auch sonst jede Konfrontation. Am Freitag findet
       ein informelles Treffen der Tarifparteien auf Einladung des
       Wissenschaftsstaatssekretärs Steffen Krach statt. Eine weitere Eskalation
       soll offenbar bis dahin vermieden werden.
       
       So müssen die BesetzerInnen am Morgen keine verirrten Kommilitonen vor dem
       Raum über den Grund der Störung aufklären. Früh wach sind sie dennoch: Ab 6
       Uhr lärmt eine Baustelle vor dem Audimax. Manche Besetzungsnächte sind eben
       kürzer.
       
       14 Jun 2018
       
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