# taz.de -- Kommentar Rückkehr-Recht in Vollzeit: Weg vom unmenschlichen Männerbild
       
       > Teilzeitarbeit ist bisher eine Mütter-Domäne – und -Falle. Die
       > Brückenteilzeit hilft nicht nur Frauen, sie ist auch eine
       > männerpolitische Revolution.
       
 (IMG) Bild: Überfordert durch das eigene Ideal: Männer im Job
       
       Er wolle „Frauen nicht mehr in der Teilzeitfalle hängen lassen“, sagt
       SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil zu dem im Kabinett beschlossenen
       [1][Gesetzentwurf zur „Brückenteilzeit“], die vorübergehend
       Teilzeitbeschäftigten ein Recht auf Rückkehr an ihren Vollzeitarbeitsplatz
       sichern soll. Heil ist nett zu Frauen. Schön. Was er nicht sagt, ist, dass
       dies auch eine kleine männerpolitische Revolution ist.
       
       Teilzeitarbeit war bisher eine Domäne der Mütter – und in der Tat eine
       Falle. Mommy track nennt die amerikanische Soziologie das Phänomen: Mit der
       Entscheidung für einen Teilzeitjob hat eine Frau eine Weiche gestellt, sie
       fährt auf einem Gleis, das sie später kaum mehr verlassen kann. Denn
       Teilzeitarbeit gilt in vielen Firmen nicht als „richtige“ Arbeit. Personen
       in Teilzeit sind nicht jederzeit greifbar. Sie gehen mitten am Arbeitstag
       einfach nach Hause, obwohl doch noch so viel zu besprechen und zu tun ist.
       Viele Arbeitgeber*innen nehmen Teilzeitarbeitende – meist Frauen – deshalb
       nicht „für voll“ und fördern sie weniger.
       
       Ein Mann, der in Teilzeit geht, droht nun quasi zu „verweiblichen“: Die
       Chef*innen müssen es nicht mal aussprechen: Die Angestellten haben ganz
       von allein die Befürchtung, dass sie ihre weitere Karriere nach einer
       solchen Entscheidung für den mommy track vergessen können. Der Mann, der
       immer kann, der geht nicht einfach mittags nach Hause – diese
       Männlichkeitsbild steht dahinter.
       
       Die Brückenteilzeit erhöht die Chance, dass Frauen wie Männer nicht mehr
       aufs Abstellgleis geraten, wenn sie ihre Arbeitszeit vorübergehend
       reduzieren. Damit kommen wir ein kleines Stückchen weg von einer
       Arbeitswelt, die von einem unmenschlichen Männerbild ausgeht: Männer können
       immer – das macht Frauen, die auch mal nicht können, automatisch zu
       Problemfällen. Und Männer werden permanent überfordert – durch ihr eigenes
       Ideal. Hubertus Heil sagt nun: Ein Mann muss nicht immer können. Wunderbar.
       Er sagt es nur nicht laut. Das könnte ja unmännlich wirken.
       
       13 Jun 2018
       
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 (DIR) Heide Oestreich
       
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