# taz.de -- Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
       
       > Jens Spahn kurbelt die HIV-Prävention an, Trump liebäugelt mit Russland
       > und die deutsche katholische Kirche verteilt Geld in aller Welt.
       
 (IMG) Bild: Alexander Gerst startet ins Weltall – auch Badehosenheld Alexander G. wünscht mancher sich dorthin
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Trump will Russland zurück in die G7 holen.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Wenn die USA aussteigen, passt es.
       
       Die österreichische Regierung will Moscheen schließen und Imame ausweisen.
       Das Vorgehen basiert auf einem Gesetz aus dem Jahr 2015, das
       Religionsgemeinschaften verbietet, Zahlungen aus dem Ausland anzunehmen.
       Guter Move, gutes Gesetz? 
       
       Lustige Frage in einem Land, wo der Staat vom Erzbischof bis runter zum
       Domvikar die Gehälter bezahlt. Und finanziert, dass in konfessionellen
       Kindergärten über Schulen bis Unis die rohe Botschaft verbreitet wird.
       Professoren werden vom Ausland – letztlich dem Vatikan – ausgewählt. Und
       ein share der deutschen Kirchensteuer geht „in die Mission“, sprich:
       weltweit nehmen christliche Religionsgemeinschaften „Zahlungen aus dem
       Ausland“ entgegen, aus Deutschland. Kurz und sebastian: Nach den Kriterien
       des österreichischen „Islamgesetzes“ wäre der deutsche Katholizismus
       schwerstkriminell. Deutschland tut gut daran, Moscheen nach Vereins-,
       Straf- und Verfassungsrecht zu behandeln und bei Verstößen zu belangen oder
       zu schließen. Also strengste Gleichbehandlung aller Religionen. Das könnte
       Österreich auch. Sein „Islamgesetz“ zielt also nicht auf Wertegleichheit,
       sondern ist gelebter Rassismus.
       
       Vor 30 Jahren, am 5. Juni 1988, wurde die Immunschwächekrankheit Aids
       erstmals in einem wissenschaftlichen Bericht erwähnt. In Deutschland will
       nun Bundesgesundheitsminister Jens Spahn HIV-Selbsttests frei verkäuflich
       machen. Eine überfällige Idee? 
       
       Zwei sogar! Wer sich und die Seinen schützen möchte, sollte nicht an der
       eigenen Hemmschwelle im Wartezimmer scheitern müssen. Und: Die Dinger
       kosten 20 Euro im Netz, der Bezug aus dem Ausland ist straffrei. Spahn
       stärkt also hiesige Apotheken. Die dritte gute Idee wäre: Kassenleistung.
       Go, Jens!
       
       Der Parteitag der Linken in Leipzig: War das – auch medial – mehr als Sahra
       Wagenknecht gegen Katja Kipping? 
       
       Es war der Kampf, der geführt werden musste – 1880. Damals zerriss es die
       Gewerkschaftsbewegung im Kampf gegen „polackische Bauern“ und gar
       „langhaarige Gesellen“ – Frauen und Zuwanderer also, die dämonisiert
       wurden, um männliche nationalgesinnte Arbeiter zu mobilisieren. Der Erfolg
       der Sozialdemokratie kam danach – emanzipatorisch, internationalistisch.
       Wagenknecht will die dumpfen Wüteriche einsammeln, Kipping kämpft dagegen
       an – und beide umtanzen so das Feuer der Rechtspopulisten. Von einer linken
       Partei kann man sozialpolitische Vorschläge erwarten, die ohne Sündenböcke
       auskommen. Die etwas Linkes vorweisen.
       
       AfD-Co-Chef Alexander Gauland wurden wohl beim Baden die Klamotten geklaut.
       Fotos davon, wie er in Badehose von Polizisten nach Hause geleitet wird,
       kursierten nahezu überall. Darf man über solch einen Streich lachen? Und
       was ist jetzt eigentlich mit der „Vogelschiss“-Nummer? 
       
       Mao, Ebert und Putin – die großen Bademeister der Pressefotografie –
       staunen über Alex, unser verzagtes Kotkehlchen: Wenn da Polizei war, war da
       Notfalldecke. Insofern – Hut ab vor FAZ und Springer, die „das
       entwürdigende Foto“ nicht zeigen. Das ist ein echter Schlag gegen Gaulands
       Auftritt, der so gut Zufall wie Inszenierung sein mag.
       
       Astronaut Alexander Gerst schwebt nun um die Erde. Würden Sie gern mit ihm
       tauschen? 
       
       Ja, ich würde ihn gern gegen den anderen Alexander G. tauschen.
       
       Union und SPD wollen die staatlichen Zuschüsse für Parteien um 25 Millionen
       Euro anheben. Wurde auch Zeit. Oder? 
       
       Klar, ist doch Fußball-WM! Unterm „Sommermärchen“ 2006 wurde die
       Mehrwertsteuer erhöht, 2010 während der Südafrika-WM der
       Krankenkassenbeitrag angehoben. Gerade mal 26 Abgeordnete winkten 2012 das
       bedenkliche „Meldegesetz“ durch, die anderen guckten wohl die EM in Polen
       und der Ukraine. Merkt keiner, und wenn, haben sich die Parteien „ein
       Zehntel Neymar“ gegönnt. Das ist so wenig, dass die WM ein bisschen
       verschenkt wirkt.
       
       Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich irritiert über die jüngsten
       Aussagen des neuen US-Botschafters Richard Grenell gezeigt. Ist der
       Trump-Mann Grenell noch tragbar? 
       
       Laut dem Fachmagazin Bunte taugt Grenell zum „wichtigen transatlantischen
       Brückenbauer“. Eine nüchterne journalistische Einschätzung – was umso mehr
       erstaunt, als Autor Daniel Funke der eingetragene Lebenspartner von Jens
       Spahn ist und beide private Gäste bei Botschafters sind. Übermedien moniert
       hier, dass vier Buddies sich mit einer Homestory höfischer Güte
       einshamponieren, ohne die Leser über den freundschaftlichen Hintergrund zu
       informieren. Grenell toll finden, weil er schwul ist, gleicht Merkel toll
       zu finden, weil sie Frau ist.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Steigen von Einweg- auf Mehrwegbecher im Stadionausschank um. Offiziell
       irgendwas mit Öko, tatsächlich natürlich: Laufwege der Fans verbessern.
       
       Fragen: Jük, AW
       
       10 Jun 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Friedrich Küppersbusch
       
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