# taz.de -- Ermittlungen gegen Winterkorn: Mehr Tempo
       
       > Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn steht im Dieselskandal zunehmend
       > unter Druck. Nun auch von Seiten des Verkehrsministers Scheuer.
       
 (IMG) Bild: Zerknautscht? Winterkorn blickt turbulenten Zeiten entgegen
       
       Berlin taz | „Endlich aufklären“ müsse Ex-VW-Chef Martin Winterkorn,
       fordert Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Interview mit dem
       „Handelsblatt“ mit Blick auf die immer noch nicht aufgeklärte Affäre um
       Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen.Nicht nur die US-Justiz will
       Winterkorn wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen, auch
       in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen ihn.
       
       Anfang der Woche hatte Winterkorn noch mitteilen lassen, zu den Vorwürfen
       öffentlich Stellung nehmen zu wollen. Doch nun kam der teilweise
       Rückzieher: Ein Insider ließ die Deutsche Presse Agentur wissen, dass der
       VW-Manager sich frühestens dann äußern wolle, wenn seine Anwälte
       Akteneinsicht erhalten haben. Dies wird nach Angaben des Sprechers der
       Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe, voraussichtlich erst im
       Sommer passieren
       
       Die erneute Verzögerung dürfte in der Öffentlichkeit auf wenig Verständnis
       treffen. Selbst der Chef des Bundesministeriums, dem UmweltschützerInnen
       einen Kuschelkurs gegenüber der Autoindustrie vorwerfen, drückt auf die
       Tube. „Da würde ich mir wie viele Bürger mehr Tempo wünschen“, kritisiert
       Andreas Scheuer die schleppende Aufarbeitung des Dieselskandals im
       „Handelsblatt“.
       
       Der Dieselskandal zieht seit seiner Aufdeckung im Jahr 2015 immer weitere
       Kreise. Trotz Millionen Geschädigter wurde in Deutschland bisher noch kein
       einziger Verantwortlicher vor Gericht gestellt. Die Ermittlungen laufen
       schon seit zweieinhalb Jahren. Doch es handele sich um ein Verfahren einer
       Dimension, die es in Deutschland nicht oft gibt, heißt es bei der
       Braunschweiger Staatsanwaltschaft. Man wolle sich nicht in einem
       Schnellschussverfahren vorführen lassen.
       
       ## Stand der Ermittlungen
       
       An der Ermittlungslage habe sich aktuell jedoch nichts geändert, so die
       Staatsanwaltschaft. Die Behörde geht einem Betrugsverdacht gegenüber
       Winterkorn nach. Zudem wird gegen ihn wie auch gegen den neuen
       VW-Konzernchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wegen
       möglicher Marktmanipulation ermittelt.
       
       Die Behörde hat inzwischen insgesamt 49 mutmaßlich Beteiligte im Visier –
       bei 39 geht es um Software-Manipulationen zum Stickstoffdioxid-Ausstoß, bei
       6 um falsche CO2- und Verbrauchsangaben. In drei Fällen geht es um
       Marktmanipulation, in einem Fall um einen Mitarbeiter, der zum Löschen von
       Daten aufgerufen haben soll. Für neue Verfahren könnte auch die jüngst auf
       den Weg gebrachte Musterfeststellungsklage sorgen. Sie erlaubt es
       Verbänden, in Vertretung geschädigter Verbraucher*innen eine Art
       Sammelklage gegen Unternehmen anzustrengen.
       
       „Wir haben ein Ermittlungskonzept, das wir abarbeiten, und wir werden über
       die Frage von Anklageerhebungen nicht heute oder morgen entscheiden“,
       betonte Ziehe unlängst. Zwar nehme die Anklagebehörde die US-Ergebnisse
       „interessiert zur Kenntnis“ – die eigene Ermittlungsarbeit ändere dies aber
       nicht. Es ergäben sich zudem immer wieder neue Ansätze. Daher sei es nicht
       ausgeschlossen, dass auch noch weitere Beschuldigte hinzukommen könnten.
       Für Winterkorn, der jüngst betonte „im Büßergewand“ sehe er sich nicht,
       wird es also zunehmend eng. (mit dpa)
       
       11 May 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frederik Richthofen
       
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