# taz.de -- Odebrecht-Skandal in Lateinamerika: Perus Präsident will zurücktreten
       
       > Der Kongress sollte über ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident
       > Pedro Pablo Kuczynski entscheiden. Doch er kommt dem nun zuvor.
       
 (IMG) Bild: In einer Fernsehbotschaft erklärt PPK, seinen Rücktritt eingereicht zu haben
       
       Buenos Aires taz | Perus Präsident Pedro Pablo Kuczynski hat am Mittwoch
       seinen Rücktritt eingereicht. Kuczynski kam damit seiner Amtsenthebung
       durch den Kongress zuvor. Ihm wird vorgeworfen in seiner früheren Zeit als
       Minister und Ministerpräsident von Schmiergeldzahlungen des brasilianischen
       Baukonzerns Odebrecht profitiert zu haben. Zwar muss der Kongress den
       Rücktritt noch formal anerkennen, doch daran zweifelt niemand. Nachfolger
       im Amt soll Vizepräsident Martín Vizcarra werden.
       
       Eigentlich sollten die Kongressabgeordneten im Laufe des Donnerstags
       darüber abstimmen, ob Kuczynski wegen „ständiger moralischer Unfähigkeit“
       seines Amtes enthoben werden sollte. Doch am Dienstag waren Videos
       aufgetaucht, die zeigen, wie Anhänger Kuczynskis versuchen, Stimmen von
       Oppositionspolitikern zu kaufen, um das Amtsenthebungsverfahren scheitern
       zu lassen.
       
       In einer verzweifelten Rettungsaktion hatte Premierministerin Mercedes
       Aráoz jegliche Verwicklung der Regierung ausgeschlossen. Doch als die
       Rücktrittsforderungen nun auch aus den eigenen Reihen immer zahlreicher
       wurden, konnte sie den Rücktritt des Präsidenten nicht länger verhindern.
       „Die politische Auseinandersetzung hat ein Klima der Unregierbarkeit
       erzeugt, in dem wir nicht weiterarbeiten können“, begründete Kuczynski
       seinen Schritt.
       
       Pedro Pablo Kuczynski, den alle nach seinen Initialen nur PPK nennen, hatte
       im Juni 2016 die Stichwahl um das Präsidentenamt gegen Keiko Fujimori mit
       einem knappen Vorsprung gewonnen. Unter dem früheren Präsidenten Alejandro
       Toledo (2001-2006) war er Wirtschafts- und Finanzminister sowie
       Ministerpräsident und hatte so Einfluss auf die Vergabe von öffentlichen
       Bauaufträgen. Der 79-Jährige hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.
       
       Der Kongress leitete das Amtsenthebungsverfahren vergangene Woche ein. Die
       Abgeordneten hatten zuvor Einblick in einen Untersuchungsbericht, in dem
       bestätigt wird, dass zwei Beraterfirmen Kuczynskis in den Jahren 2004 bis
       2007 rund 3,4 Millionen Dollar von Odebrecht erhalten hatten.
       
       Ende Dezember hatte PPK ein erstes Amtsenthebungsverfahren, das
       Oppositionsführerin Keiko Fujimori angestrengt hatte, noch erfolgreich
       überstanden. Bei der Abstimmung hatten überraschend zehn Abgeordnete ihrer
       eigenen Partei, der Fuerza Popular, gegen Kuczynskis Absetzung votiert und
       so die erforderliche Mehrheit von 87 der 130 Abgeordneten verhindert.
       Federführender Überläufer war ihr Bruder Kenji Fujimori.
       
       Dass PPK nur wenige Tage später den wegen schwerer Menschenrechtsverbrechen
       verurteilten und inhaftierten ehemaligen Präsidenten und Vater Alberto
       Fujimori (1990-2000) begnadigte, gilt als Teil eines schmutzigen Deals
       zwischen Kuczynski und Kenji Fujimori. Parteiintern flogen jedoch die
       Fetzen. Anfang März kam auch Kenji Fujimori mit seinem Austritt aus der
       Fuerza Popular einem Parteiausschluss zuvor.
       
       ## Belastende Videos
       
       Am Dienstag schlug Keiko Fujimori dann entscheidend zurück, als ihre Partei
       die mit versteckter Kamera aufgenommenen Videos öffentlich machte. Eines
       der Videos zeigt Kenji Fujimori wie er dem Fuerza Popular-Abgeordneten
       Moisés Mamani großzügige Investitionen in seinem Wahlkreis in Aussicht
       stellt. „Peru ist abermals Zeuge beim Kauf von Kongressabgeordneten“,
       twitterte Keiko Fujimori und bedauerte, dass ihr Bruder darin verwickelt
       ist.
       
       Nach der Veröffentlichung der Videos war auch PPK klar, dass seine
       Absetzung durch den Kongress nicht mehr aufzuhalten war. „Angesichts dieser
       schwierigen Situation, die mich in ungerechtfertigter Weise als Schuldigen
       für Vorkommnisse erscheinen lässt, an denen ich nicht beteiligt bin, ist
       mein Rücktritt als Präsident der Republik das Beste“, sagte er in seiner
       Abschiedsrede.
       
       22 Mar 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Vogt
       
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