# taz.de -- taz🐾thema: Hefezopf und Osterlamm
> Naschen gehört zum Osterfest, auch da, wo die Religion nicht mehr so eine
> große Rolle spielt. Viele der Süßwaren und Kuchen entstammen aber der
> christlichen Tradition
(IMG) Bild: Von Ostern kann man sich eine Scheibe abschneiden
Von Michael Pöppl
Es gibt Essensdüfte aus der Kindheit, die vergisst man nicht. Und das Ende
der Fastenzeit, in der es eigentlich keine Süßigkeiten gab, duftete
besonders gut: nach dem Osterzopf meiner streng katholischen Oma. Schon vor
dem Backen roch es in ihrer warmen Küche süß und erdig zugleich. Das Süße
kam von der frisch ausgekratzten Vanille und den Rosinen, das Bittererdige
von der Hefe, die den Teig wachsen ließ. Essen durften wir den Zopf mit
Butter und Honig übrigens erst am Sonntag nach der Ostermesse, da verstand
die Oma keinen Spaß.
„Traditionelles Ostergebäck gibt es im ganzen christlichen Raum: in
Spanien, Italien, Polen oder Russland. Nach der Fastenzeit gibt es dann
überall Besonderes zu naschen“, sagt Professor Manfred Becker-Huberti. Der
Theologe aus dem Rheinland beschäftigt sich seit vielen Jahren mit
überlieferten Bräuchen und ihren heutigen Auswirkungen im Alltag. Auch wenn
das den meisten Menschen längst nicht mehr bewusst sei, enthielten fast
alle Feiertagsspeisen religiöse Symbolik. Der Osterzopf verweise zum
Beispiel durch seine Form auf die Verflochtenheit zwischen Gott und den
Menschen hin, der gebackene Osterkranz als Sonnensymbol auch auf die Rolle
Jesu als Erlöser.
Auch das Osterei stehe als starkes Symbol für Fruchtbarkeit und das Leben
an sich, nicht nur in der katholischen Kirche. Dass es an Ostern Eier in
allen Variationen gebe, sei auch der bäuerlichen Realität zu verdanken,
weiß der Brauchtumsforscher. Eier galten als „flüssiges Fleisch“ und fielen
daher unters Genussverbot der Fastenzeit: „Aber im Frühjahr haben die
Hühner ihre produktivste Phase, deshalb musste man die Eier verarbeiten.“
Das Eierkochen oder das Einlegen als Soleier waren also probate Methoden,
kostbare Lebensmittel länger haltbar zu machen.
Fasten und Fastenbrechen gibt es auch heute noch, auch in Gegenden, wo
Religion für viele Menschen keine große Rolle mehr spielt. Die meisten von
ihnen haben heute ganz andere Gründe, zum Jahresbeginn ein paar Wochen auf
„kleine Sünden“ wie Süßes, Alkohol oder aufs Rauchen zu verzichten. Manchen
geht es darum, sich die über den Winter angefressenen Speckröllchen
abzuhungern, anderen, sich zu beweisen, dass es auch das Glas Wein nach
Feierabend gibt. Umso schöner, wenn man es sich dann wieder schmecken
lassen darf, zumal in den Supermarktregalen schon seit Wochen
Schokoladenosterhasen und Trüffelpralinen lauern.
Nach traditionellem Ostergebäck muss man in Berlin aber suchen, es gibt
leider wenige Kiezbäcker, die dann Hefezopf oder Hefekranz in ihrem
Sortiment haben. Am besten ist sowieso Selberbacken. Für den Osterzopf
braucht man dazu gute Bioeier, viel Butter, frische Hefe (die getrocknete
schmeckt einfach nicht so intensiv) und vor allem das richtige Mehl. Das
findet man bei Nicole Kamrath im Schöneberger „Mehlstübchen“, die Hunderte
verschiedene Sorten im Angebot hat: vom italienischen Pastamehl über die
französische Baguette-Mischung bis zu einer großen Auswahl an glutenfreien
Sorten, die auch Allergiker vertragen. „Für den Hefezopf würde ich unseren
Eliteweizen empfehlen, denn in den Teig kommt ordentlich Butter rein.
Dieses Mehl enthält mehr Glutein, verträgt mehr Fett, hat so einen besseren
Griff und der Zopf wird erheblich lockerer“, sagt Kamrath. Sie empfiehlt
auch, sich beim Zubereiten des Hefeteigs viel Zeit zu nehmen und den schon
geformten Zopf vor dem Backen über Nacht kühl zu lagern.
Falls man wenig Lust hat aufs Selberbacken hat, empfiehlt sich vor Ostern
der rechtzeitige Besuch der Kreuzberger Markthalle neun. Am Kuchenstand von
„Frau Zeller“ findet man Süßes in seiner besten Form, vom klassischen
Apfelkuchen bis zur eleganten, mehrbödigen Torte. Die professionelle
Bäckerin verwendet zu 80 Prozent Bioprodukte und vor allem Zutaten aus der
Region, Handarbeit im besten Sinn und lange Gehzeiten beim Teig sind Teil
ihrer tollen Rezepte. Neben Hefegebäck sind gerade auch traditionelle
Osterlämmer gefragt, wie Annette Zeller erzählt: „Im Moment habe ich jede
Menge Vorbestellungen.“
Noch mehr Süßes vor Ostern gibt es beim „Naschmarkt“ in der Markthalle
neun. Im Mittelpunkt des hochwertigen Süßwarenangebots aus regionalen
Manufakturen wird diesmal vor allem die Schokolade stehen. Und das durchaus
in einem politischen Kontext: Anlässlich der „World Cocoa Conference“, die
im April in Berlin stattfinden wird, wollen die lokalen Manufakturen und
Händler ein Statement für fairen Kakaohandel setzen. Dabei ist auch Thérésa
Jahn Doyle, die ihre handgemachten französischen Pralinen und Trüffel sonst
auf den Wochenmärkten in Babelsberg und Wannsee verkauft. Zum Konzept ihrer
Schokoladenmanufaktur gehört seit Anbeginn, dass sie ihre Kakaobohnen, aus
denen sie ihre fantastischen Köstlichkeiten fertigt direkt bei den Bauern
aus Ecuador, Peru oder dem Kongo bezieht. Extra für Ostern und den
Naschmarkt hat die Chocolatière für Frankreich typische Osterhühner und
kleine Osterhasen aus weißer und zartbitterer Schokolade gemacht, die mit
Kuvertüre handbemalt wurden, jedes Tierchen ein süßes Einzelstück und ideal
zum Fastenbrechen.
17 Mar 2018
## AUTOREN
(DIR) Michael Pöppl
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