# taz.de -- Südkoreas Ex-Präsidentin vor Gericht: 30 Jahre Haft gefordert
       
       > Park Geun Hye steht wegen Bestechlichkeit vor Gericht. Die
       > Staatsanwaltschaft fordert 30 Jahre Haft und rund 90 Millionen Euro
       > Geldbuße.
       
 (IMG) Bild: Park Geun-hye streitet sämtliche der 18 Anklagepunkte ab (Archivfoto 2016)
       
       Seoul taz | Lebend wird Park Geun Hye ihre Gefängniszelle wohl nicht mehr
       verlassen – zumindest, wenn es nach dem Willen der Seouler
       Staatsanwaltschaft geht. Die fordert 30 Jahre Haft und rund 90 Millionen
       Euro Geldbuße für Südkoreas Ex-Präsidentin, die eine nationale Krise
       heraufbeschworen“ habe.
       
       Park steht wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit, Nötigung und des
       Machtmissbrauchs vor Gericht. Die 66-Jährige streitet sämtliche der 18
       Anklagepunkte ab, wertet den gesamten Prozess gar als politisch motivierte
       Verschwörung. Dem letzten Gerichtstermin am Dienstag ist Park – wie zu
       erwarten – ferngeblieben.
       
       Ihr Sturz im März letzten Jahres hatte eine schwere innenpolitische Krise
       beendet. Über Monate hinweg waren Hunderttausende Koreaner auf den Seouler
       Gwanghwamun-Platz gezogen, um mit Kerzenlichtern und Volksgesängen für
       Parks Amtsenthebung zu demonstrieren. Auslöser des Politdramas war der Fund
       eines Tablet-PCs in einer Mülltonne. Das Gerät soll Choi Soon Sil gehört
       haben, der Jugendfreundin der damaligen Präsidentin. Die beiden waren eng
       verbunden. Aus den sichergestellten Dokumenten ging laut der
       Staatsanwaltschaft hervor, dass die damalige Präsidentin „zugelassen hat,
       dass eine Person, die sich nie mit Staatsdingen befasst hat, das Land
       regiert“.
       
       Choi Soon Sil habe unter anderem bei Personalentscheidungen eigene Freunde
       und Bekannte mit politischen Ämtern versorgt und wichtige
       Regierungsbeschlüsse beeinflusst. Südkoreas politisch gespaltene Presse war
       sich ausnahmsweise einmal einig: Es habe ein geheimes Schattenkabinett
       gegeben, das sich fernab der Öffentlichkeit herausbilden konnte.
       
       Park und Choi sollen gemeinsam umgerechnet mehr als 50 Millionen Euro von
       den großen Mischkonzernen Südkoreas erpresst haben. Offiziell gingen diese
       Gelder an dubiose Sportstiftungen von Choi Soon Sil – die
       Staatsanwaltschaft hält sie für getarnte Schmiergelder.
       
       Verurteilt worden ist bereits die Ex-Präsidentinnenfreundin Choi: [1][Sie
       erhielt vor zwei Wochen 20 Jahre Haft]. Der Vorstandschef des
       Lotte-Konzerns, Shin Dong Bin, kam mit zweieinhalb Jahren davon.
       Samsung-Erbe Lee Jae Yong hingegen erhielt nach einem Jahr
       Untersuchungshaft [2][nur eine Bewährungsstrafe].
       
       ## Böse Tat einer guten Person?
       
       Wer sich bei Juristen in Seoul umhört, vernimmt durchaus Betroffenheit ob
       des geforderten Strafmaßes der Staatsanwaltschaft gegen Park: „So viel
       bekommen oft nicht mal Mörder.“ Filz zwischen Regierung und
       Wirtschaftseliten gab es schließlich auch unter den Vorgängerregierungen in
       Südkorea.
       
       Die meisten Koreaner haben jedoch wenig Mitleid mit ihrer Ex-Präsidentin.
       „Park und Choi, was die getan haben, war einfach nur böse“, sagt der
       28-jährige Schauspieler Seung Jin beim Feierabendbier im Ausgehviertel
       Itaewon.
       
       Ganz anders die Sicht unter rechtskonservativen Demonstranten in der
       Seouler Innenstadt: „Park Geun Hye ist eine gute Person, die lediglich
       Opfer ihrer vermeintlichen Freundin wurde“, sagt Ihn Ji Yeon, eine
       Endvierzigerin. Dass die Ex-Präsidentin sich persönlich bereichert habe,
       mag hier niemand glauben. Park habe ja keine Kinder, heißt es. Ihre Eltern
       waren politischen Attentaten zum Opfer gefallen. Sie habe zudem den Kontakt
       zu ihren engsten Verwandten abgebrochen – und sei einzig mit „ihrem Land
       verheiratet“.
       
       Das Gericht wird sein Urteil am 6. April bekannt geben. Das
       wahrscheinlichste Szenario: Park Geun Hye wird tatsächlich zu einer hohen
       Gefängnisstrafe verurteilt, jedoch früher oder später begnadigt werden –
       spätestens, wenn der nächste konservative Präsident im Amt ist.
       
       27 Feb 2018
       
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