# taz.de -- Syrien-Treffen in Sotschi: Opposition boykottiert Konferenz
       
       > Mehr als 1.000 Teilnehmer hat Russland zum „Kongress der Völker Syriens“
       > eingeladen, der am Montag beginnt. Die größte Oppositionsgruppe bleibt
       > jedoch fern.
       
 (IMG) Bild: Teilnehmen oder besser nicht? Sondervermittler de Mistura zögerte lange, ist am Montag aber in Sotschi eingetroffen
       
       Sotschi/Wien dpa/rtr | Der von Russland einberufene „Kongress der Völker
       Syriens“ beginnt ohne das größte Oppositionsbündnis in dem Konflikt, aber
       mit dem Sondervermittler der Vereinten Nationen. Am Wochenende hatte das
       Syrische Verhandlungskomitee (HNC) seine Teilnahme an den Gesprächen im
       russischen Sotschi abgesagt und erklärt, dass es das Treffen „boykottieren“
       werde. Russland hat für Montag und Dienstag weit über 1.000 Teilnehmer
       eingeladen mit dem Ziel, alle syrischen Volks- und Glaubensgruppen über die
       Zukunft des Landes beraten zu lassen.
       
       Mit dem Syrischen Verhandlungskomitee nimmt die größte Dachorganisation der
       Opposition, die zuletzt auch die Syrien-Gespräche in Wien geführt hatte,
       nicht an der russischen Initiative teil. Es seien im Vorfeld zu wenige
       Fortschritte erzielt worden, um die Teilnahme zu rechtfertigen, sagte der
       Delegationsleiter des HNC, Nasr al-Hariri. Dies bedeute jedoch kein
       generelles Ende der Friedens-Gespräche und keinen Rückschlag in den
       Bemühungen um eine Lösung des Syrienkonflikts. Der Friedenprozess befinde
       sich aber in einer kritischen Phase, sagte Al-Hariri.
       
       Im Vorfeld des Kongresses hatten auch andere Oppositionsgruppen, die nicht
       dem Dachbündnis HNC angehören, ihre Teilnahme an der Sotschi-Konferenz
       abgesagt. Die Opposition befürchtet, dass durch die Kongress die Position
       von Syriens Präsident Baschar al-Assad gestärkt wird.
       
       Ein Vertreter des russischen Außenministeriums sagte der Agentur Tass, die
       Entscheidung der Opposition wirke sich nicht auf die Konferenz aus. „Der
       Kongress findet ohne sie statt, leider. Das ist alles.“
       
       ## UN-Sondervermittler hatte mit Teilnahme gehadert
       
       Für die Opposition würden etwa 320 Vertreter in Sotschi erwartet, meldete
       die Agentur Interfax unter Berufung auf syrische Quellen. Die meisten
       zählen zur sogenannten „loyalen Opposition“, die eine Zusammenarbeit mit
       Assad nicht grundsätzlich ausschließt. So entsendet die in Frankreich
       lebende syrische Politikerin Randa Kassis etwa 50 Anhänger.
       
       Nach anfänglichem Zögern nimmt auch UN-Sondervermittler Staffan de Mistura
       an der Konferenz teil. Entscheidend dafür sei die Zusicherung Moskaus, dass
       die Konferenz den UN-geführten Friedensprozess nur ergänzen solle, hieß es.
       In diesem Sinne seien die UN zuversichtlich, dass die Konferenz einen
       wichtigen Beitrag zur Wiederbelebung des innersyrischen Dialogs liefern
       könne.
       
       Zuvor war am Wochenende die neunte Runde der von den UN geleiteten
       Syrien-Gespräche ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. De Mistura
       solle die geplante Verfassungskommission leiten, berichtete die
       Nachrichtenagentur Interfax am Montag unter Berufung auf offizielle
       Unterlagen.
       
       In einem Entwurf der Abschlusserklärung von Sotschi, der in den vergangenen
       Tagen zirkulierte, wird vor allem auf die Souveränität des syrischen
       Staates eingegangen. Die Syrer sollten durch Wahlen selbst und ohne
       Einfluss von Außen über ihr politisches, ökonomisches oder soziales System
       entscheiden. Der Staat verpflichte sich seinerseits zu nationaler Einheit.
       
       ## Schwere Kämpfe überschatten Friedensbemühungen
       
       Aus Protesten gegen die syrische Staatsführung Anfang 2011 ist binnen
       sieben Jahren ein Krieg mit internationaler Beteiligung, unterschiedlichen
       Interessen und Einflusssphären sowie teils schwer bewaffneten Akteuren
       geworden. Das macht es unter anderem so schwierig, den Konflikt beizulegen.
       Mehr als 400 000 Menschen sind nach UN-Angaben als Folge von Waffengewalt
       getötet worden.
       
       Russland ist ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten. Mit der
       militärischen Unterstützung Russlands eroberte die syrische Armee große
       Gebiete des Landes wieder von den Rebellen zurück.
       
       Überschattet wird der Kongress in Russland von schweren Kämpfen in Syrien.
       Nahe der Hauptstadt Damaskus starteten überwiegend islamistische Gruppen in
       der Rebellenhochburg Ost-Ghouta am Sonntag eine Offensive gegen
       Regierungssoldaten. Dabei wurden nach Oppositionsangaben mindestens 13
       Armeeangehörige durch einen Anschlag mit einer Autobombe getötet.
       
       Im Norden des Landes bombardierte die türkische Luftwaffe erneut Stellungen
       der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG. Die Türkei sieht die von den USA
       unterstützte Kurden-Miliz als „Terroristen“ an. Die Kurden hatten im Laufe
       des Syrienkrieges Gebiete fast auf der gesamten Länge der
       syrisch-türkischen Grenze eingenommen.
       
       29 Jan 2018
       
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