# taz.de -- Nachruf Jazzmusiker Hugh Masekela: Pionier des südafrikanischen Jazz
       
       > Hugh Masekela war Trompeter, Pianist, Sänger und konnte noch viel mehr.
       > Er hat mit Jimi Hendrix, Janis Joplin und Fela Kulti musiziert.
       
 (IMG) Bild: Masekela komponierte den „Soweto Blues“ über den Township-Aufstand von 1976, gesungen von Miriam Makeba und „Bring Him Back Home“, eine Hymne für Nelson Mandela
       
       Ein Jazzmusiker, der frank und frei behauptet, von Louis Armstrong, Dizzy
       Gillespie und Miles Davis nichts gelernt zu haben, verfügt über zwei in
       seiner Profession durchaus brauchbare Eigenschaften: Selbstbewusstsein und
       Witz. Hugh Masekela, der gestern in Johannesburg, Südafrika, nach langer
       Krankheit gestorben ist, hat beides gehabt und brauchen können.
       
       Geboren 1939 in einem Township der Bergbaustadt Witbank und, in seinen
       Worten, „früh musikalisch verhext“, wirkte Masekela als Trompeter,
       Flügelhornist, Kornettist, Pianist, Sänger und Komponist. Der Vater des
       südafrikanischen Jazz arbeitete mit Fela Kuti, Jimi Hendrix, Janis Joplin
       und Paul Simon.
       
       Mit gerade mal 15 Jahren hat er eine Musik gespielt, der die Apartheid, die
       Ausbeutung und Repression in seinem Heimatland – dem er 1960, nach dem
       Massaker von Sharpesville für lange Zeit den Rücken kehren sollte –
       eingeschrieben ist. Freilich wollte diese Musik, wollte ihr Urheber die
       Unterdrückung nicht als gottgegeben hinnehmen.
       
       ## Hymne für Mandela
       
       Zu Masekelas bekanntesten Stücken gehören die Anti-Apartheid-Songs „Soweto
       Blues“ über den Township-Aufstand von 1976, gesungen von Miriam Makeba, mit
       der er zwei Jahre verheiratet war, und „Bring Him Back Home“, eine Hymne
       für den Masekela-Fan Nelson Mandela, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
       1987 seit über 25 Jahren auf der Gefängnisinsel Robben Island interniert
       war.
       
       Dabei täte man Masekela Unrecht, wenn man ihm das Etikett Protestkünstler
       anheftet. Seine Diskografie umfasst 50 Alben und noch einmal so viele
       Singles und EPs. 1959 spielte er als Mitbegründer der Jazz Epistles mit
       „Verse 1“ das erste Modern-Jazz-Album Südafrikas ein. Im Summer of Love
       1967 wurde Masekela einem größeren Rockpublikum bekannt, als er auf dem
       Monterey-Pop-Festival mit den Byrds auftrat. Das Trompetensolo auf ihrem
       „So You Want to Be a Rock ’n’ Roll Star“ ist von Bra Hugh, Bruder Hugh, wie
       Masekela auch genannt wurde.
       
       Seine Brüderlichkeit war nicht frei von Skepsis, wie spätere Interviews
       belegen, so eines mit dem Magazin Capital Bop, aus dem das
       Eingangsstatement des Nachrufs stammt. Am Ende wünschte Masekela, ein Hund
       zu sein. Danach hat er gelacht.
       
       24 Jan 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Robert Mießner
       
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