# taz.de -- Gerichtsentscheid in Kiew: Saakaschwili freigelassen
       
       > Der ehemalige georgische Präsident Michail Saakaschwili ist wieder auf
       > freiem Fuß. Nun will die Staatsanwaltschaft in Kiew die Freilassung
       > anfechten.
       
 (IMG) Bild: 11. Dezember: Saakaschwili am nach seiner Freilassung in Kiew
       
       Kiew dpa | Im Verfahren gegen den georgischen Ex-Präsidenten Michail
       Saakaschwili hat ein ukrainisches Gericht auf eine Untersuchungshaft
       verzichtet und ihn wieder freigelassen. Die Begründung der Entscheidung
       werde nachgereicht, meldeten Medien in Kiew am Montagabend. „Das ist eine
       sehr mutige Entscheidung der Richterin. Sie wird jetzt großen Druck
       aushalten müssen“, sagte Saakaschwili. „Jetzt muss ich mit den Menschen
       nicht aus dem Hausarrest, sondern kann mit ihnen direkt sprechen.“
       
       In der Verhandlung sollte über einen Haftbefehl während eines laufenden
       Verfahrens gegen den 49-Jährigen entschieden werden. Vorgeworfen wird
       Saakaschwili, eine kriminelle Organisation zu unterstützen. Er soll
       umgerechnet mehrere Hunderttausend Euro aus dem Umfeld von Ex-Präsident
       Viktor Janukowitsch angenommen haben, um Proteste gegen Staatschef Petro
       Poroschenko zu organisieren. Erst am Sonntag hatten Tausende Demonstranten
       eine Amtsenthebung Poroschenkos gefordert.
       
       Mehrere Parlamentsabgeordnete unter Führung der Ex-Regierungschefin Julia
       Timoschenko wollen für Saakaschwili bürgen. Er war in der Nacht zum Samstag
       in Gewahrsam genommen worden. Wenige Tage vorher war eine erste Festnahme
       am Widerstand von Demonstranten gescheitert, die ihn aus einem
       Gefangenentransporter befreiten.
       
       ## Saakaschwili singt Hymnen
       
       Saakaschwili hatte sich bei der Anhörung zuvor als Kriegsgefangener
       bezeichnet. „Ich halte mich für einen Gefangenen der Oligarchie der Ukraine
       und von Putin“, sagte der frühere Präsident Georgiens. Saakaschwili trat
       nach seiner Festnahme in einen unbefristeten Hungerstreik. Im Gerichtssaal
       sang er die ukrainische und die georgische Nationalhymne.
       
       Die ukrainische Staatsanwaltschaft will die Freilassung Saakaschwilis nun
       anfechten. „Wir können beweisen, dass alle Videos mit der Geldübergabe und
       dem Gespräch von Saakaschwili mit (Sergej) Kurtschenko echt sind“, teilte
       Generalstaatsanwalt Juri Luzenko in der Nacht zum Dienstag örtlichen Medien
       zufolge mit.
       
       Die Behörde sei auch bereit, Experten des FBI oder vom britischen Scotland
       Yard für eine Prüfung der Telefonmitschnitte hinzuzuziehen. Saakaschwili
       habe mit diesem Geld seine Bewegung für einen Regierungssturz organisiert,
       hieß es.
       
       Saakaschwili war von 2004 bis 2013 Staatschef von Georgien. Nach zwei
       Amtszeiten durfte er nicht wieder kandidieren. 2015 wurde er Gouverneur der
       ukrainischen Schwarzmeerregion Odessa. Dazu erhielt er die ukrainische
       Staatsbürgerschaft. Poroschenko entzog ihm diese jedoch nach einem Streit.
       Seitdem ist Saakaschwili staatenlos.
       
       12 Dec 2017
       
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