# taz.de -- Militärbericht zu Gewalt gegen Rohingya: Armee streitet Vorwürfe ab
       
       > Birmas Armee hat die Flucht von 600.000 Rohingya nach Bangladesch
       > untersucht. Es habe keine Gewalt gegen Zivilisten gegeben.
       
 (IMG) Bild: Rohingya waren im im Grenzgebiet zu Bangladesch auf die Möglichkeit zum Grenzübertritt, November 2017
       
       BERLIN taz | Birmas Militär hat Vorwürfe „ethnischer Säuberungen“ und von
       Gewalt gegen Angehörige der muslimischen Volksgruppe der Rohingya
       zurückgewiesen. Die Befragung einer Untersuchungsgruppe des Militärs („True
       News Information Team“) von 2.817 „Bengalen“ innerhalb Birmas samt
       Auswertung von 362 Geständnissen habe ergeben, dass die Armee entsprechend
       der Einsatzregeln und Gesetze gehandelt und keine unnötige Gewalt
       angewendet habe.
       
       Vielmehr hätten sich die Soldaten zurückgehalten, heißt es. So hätten sie
       den Terroristen allenfalls in die Beine geschossen. Die Soldaten „haben nie
       auf unschuldige Bengalen geschossen“, heißt es in dem Bericht, den das
       Tatmadaw genannte Militär am Montag auf seiner Facebook-Seite in Englisch
       veröffentlichte.
       
       Der Bericht spricht durchgängig von Bengalen. Das impliziert, dass Rohingya
       illegale Einwanderer aus Bangladesch sind und nicht Menschen einer
       ethnischen Minderheit, die zum Großteil seit Jahrzehnten in Birma leben.
       Das wurde vom Militär in Myanmar umbenannt. Offiziell gibt es im
       mehrheitlich buddhistischen Birma keine muslimischen Rohingya, sondern nur
       Bengalen.
       
       Am 25. August hatte eine Rohingya-Rebellengruppe 30 Militär- und
       Polizeiposten angegriffen. Seitdem flohen mehr als 600.000 Rohingya vor der
       Vergeltung des Militärs vom westbirmesischen Rakhine-Staat ins benachbarte
       Bangladesch.
       
       ## Keine Flüchtlinge befragt
       
       Dort berichten sie von der exzessiven Gewalt des Militärs, von
       Vergewaltigungen und Brandschatzungen ganzer Dörfer in Kooperation mit
       buddhistischen Mobs. Außer Landes geflohene Rohingya befragte das Militär
       jetzt für seine Untersuchung offenbar nicht.
       
       Satellitenbilder stützen aber die Aussagen der Geflohenen. Die UNO spricht
       von „einem Lehrbeispiel für ethnische Säuberungen“. Menschenrechtsgruppen
       fordern eine unabhängige Untersuchung im vom Militär gesperrten Gebiet.
       
       Genau diese Forderung soll der beschönigende Bericht des Militärs jetzt
       offenbar entkräften. Denn wo keine Gewalt war, muss ja auch nichts
       untersucht werden.
       
       James Gomez, Südostasiendirektor von Amnesty International kommentiert den
       Bericht des Militärs mit den Worten: „Wieder einmal kehrt Myanmars Militär
       ernsthafte Vergehen unter den Teppich.“ Das Militär zeige damit, dass es an
       der Straflosigkeit nichts ändern wolle, weshalb die internationale
       Gemeinschaft aktiv werden müsse.
       
       Die Organisation Human Rights Watch erklärte, der Bericht zeige erneut,
       dass Birmas Militär sich nicht ernsthaft selbst untersuchen könne und
       wolle. „Der UN-Sicherheitsrat soll den Fall an den Internnationeln
       Strafgerichtshof überweisen,“ so die Organisation. Der sei genau für solche
       Fälle geschaffen worden.
       
       ## Lauter Terroristen
       
       Verräterisch im Bericht des Militärs ist die mit bis zu 10.000 angegebene
       hohe Zahl der Terroristen. Demnach wurden offenbar einfach sehr viele
       „Bengalen“ zum Abschuss freigegeben. Denn bis dahin hatte die dubiose
       Rebellengruppe allenfalls wenige hundert Kämpfe. Das Militär wiederholte
       die bereits seit längerem aufgestellt Behauptung, die Bengalen hätten
       einfach ihre eigenen Dörfer angezündet, um dafür dem Militär in die Schuld
       zu geben.
       
       Zu denken gibt auch, dass am Montag der Befehlshaber des Militärs für den
       westlichen Rakhine-Staat, der Heimat der Rohingya, ohne Angabe von Gründen
       abberufen und ersetzt wurde. Möglicherweise soll damit die Verhängung vom
       US-Congress erwogener Sanktionen gegen verantwortliche Militärs verhindert
       werden.
       
       14 Nov 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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