# taz.de -- Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenberg: Er kam, sah und – ja, was denn?
       
       > Als „engagierter Bürger“ tritt Karl-Theodor zu Guttenberg am Gillamoos
       > auf. Arbeitet er an einem politischen Comeback?
       
 (IMG) Bild: Was heckt der aus? Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem Gillamoos-Festplatz in Abensberg
       
       Abensberg taz | Wenn in Bayern der Defiliermarsch ertönt, hat das eine
       klare Bedeutung: Der Ministerpräsident kommt. Eigentlich. Doch es gibt auch
       immer wieder rangniedrigere CSU-Politiker, die sich auf diese Weise
       ankündigen lassen. Finanzminister Markus Söder zum Beispiel. Doch als die
       Kapelle Heinz Müller am Montag beim Politischen Gillamoos in Abensberg die
       Melodie anstimmt, ist es noch nicht einmal ein aktiver Politiker, den es zu
       begrüßen gilt, sondern – Karl-Theodor zu Guttenberg.
       
       Doch der – so scheint es dieser Tage – ist ohnehin mehr als ein aktiver
       CSU-Politiker. Strahlend zieht „KT“, wie sie ihn hier alle nennen, ins
       Zelt. Das weiße Hemd trägt er offen, gerade so, dass es noch als leger
       durchgehen kann. Und während der Aristokrat aus Franken auf der Bühne mit
       Generalsekretär Andreas Scheuer anstößt, spielt die Kapelle für den
       bekennenden AC/DC-Fan „TNT“. „Schön, zu Hause zu sein“, sagt Guttenberg.
       
       Draußen werden Gewürze, Strohhüte, Steckerlfische und sogar Nähmaschinen
       feilgeboten. Eine Stunde vor Ankunft des Gastes sind die ersten Maß Bier
       bereits geleert. Die meisten der 3.200 Sitzplätze sind besetzt. Ein älterer
       Herr hat zu seiner Begrüßung ein Schild gebastelt, mit dem er nun im Zelt
       durch die Reihen geht. „Welcome in Bavaria“ steht auf der einen Seite. „KT
       für Berlin und Bayern“ auf der anderen. Auf den Biertischen liegen
       CSU-Mitgliedsanträge bereit – gedruckt auf Bierdeckel.
       
       Man muss sich den Gillamoos vorstellen wie eine Kreuzung aus Oktoberfest
       und Politischem Aschermittwoch. Allerdings mit einer noch viel älteren
       Tradition: Schon 1313 wurde er zum ersten Mal erwähnt. Mehr als 250.000
       Besucher kommen jedes Jahr ins niederbayerische Abensberg. 20-mal mehr, als
       hier Menschen leben.
       
       ## Es habe so viele Anfragen gegeben
       
       Bleibt die Frage: Was macht eigentlich Karl-Theodor zu Guttenberg hier? Die
       CSU ist – neben der kleinen ÖDP – die einzige Partei, die zum Gillamoos
       keinen Parteichef schickt. Für die SPD tritt Martin Schulz in den Ring, für
       die Grünen Cem Özdemir, für die FDP Christian Lindner. Für die CSU aber
       kommt nicht einmal Spitzenkandidat Joachim Herrmann. Sondern nur ein
       „engagierter Bürger“, wie Guttenberg sich nennt.
       
       Und doch ist er ist die Attraktion des Gillamoos. Es habe so viele Anfragen
       gegeben, dass man mehrere Zelte hätte füllen können, hört man aus der CSU.
       Noch nie hat ein Mann so viel Zeit damit verbracht, durch die Lande zu
       ziehen, um den Leuten im Wahlkampf zu versichern, er strebe kein Amt an.
       Das letzte, das endgültige Dementi fehlt dann aber jedes Mal. Das bekommt
       man von ihm nicht zu hören. „Mich sehen sie in zwei Wochen wieder in den
       USA“, sagte er etwa am Sonntagabend in der „Anne Will“-Sendung zum
       Kanzlerduell. Mehr nicht. Da waren die Ankündigungen Horst Seehofers, 2018
       nicht mehr als Ministerpräsident anzutreten, schon deutlicher. Und nicht
       einmal die hatten Bestand.
       
       ## „Ich glaube nicht, dass ich den Empfang verdient habe“
       
       Darf man es also denjenigen übelnehmen, die Guttenberg seine
       Ambitionslosigkeit nicht abnehmen wollen? Die in seinem Wahlkampfbeitrag
       eine Promotiontour in eigener Sache sehen. Dazu kommt, dass gerade jener
       Horst Seehofer keinen Hehl daraus macht, wie sehr er es begrüßen würde,
       wenn sich „KT“ wieder stärker für die CSU verpflichten ließe. Und sei es
       nur – das sagt er natürlich nicht –, um dem Machtstreben von Finanzminister
       Markus Söder Einhalt zu gebieten.
       
       Andererseits: Ist es tatsächlich so unvorstellbar, dass es für jemanden,
       der sich ein neues Leben und eine neue Firma in den USA aufgebaut hat,
       Erstrebenswerteres gibt als das Dasein als CSU-Berufspolitiker? Und selbst
       wenn nicht? Welches Amt käme für einen Guttenberg überhaupt in Frage?
       Joachim Herrmann soll Innenminister werden, das prestigeträchtige
       Außenministerium würde vermutlich ein weiterer Koalitionspartner, ohne den
       es nicht gehen dürfte, für sich beanspruchen. Was bliebe für einen
       Guttenberg übrig? Ein Ministerium für die digitale Zukunft?
       
       Guttenberg freut sich über den überschwänglichen Empfang, den ihm die
       überwiegend älteren Zuhörer am Gillamoos bereiten. „Ich glaube nicht, dass
       ich ihn verdient habe, aber schön ist es trotzdem.“ Es folgt eine große
       Show. In erster Linie geht es darin um – Guttenberg. Diesen verlorenen
       Sohn, der so reichlich Buße getan hat. Die Rede ist reichlich gespickt mit
       Selbstironie. Immer wieder kommen Anspielungen auf Doktortitel und
       Raubkopien. Auch von den „selbst verschuldeten dunklen Stunden“ spricht
       Guttenberg.
       
       ## Guttenberg nimmt die Hörer mit auf eine Reise
       
       Es war im vergangenen Jahr, da sagte Guttenberg zur Süddeutschen Zeitung:
       „Die berechtigten Gründe für meinen Rücktritt sowie mein lausiger Umgang
       damit würden eine Rückkehr nicht rechtfertigen.“ Die berechtigten Gründe,
       das waren eine Doktorarbeit, die zu ganz großen Teilen aus fremden Quellen
       zusammenkopiert worden war. Der damalige Verteidigungsminister sprach
       zunächst von abstrusen Vorwürfen und räumte erst spät Fehler ein. Das war
       der lausige Umgang. Schließlich wurde ihm der Doktortitel aberkannt. Im
       März 2011 legte er seine politischen Ämter nieder und verschwand alsbald in
       die USA.
       
       Vor diesem jähen Fall war es für Guttenberg stets nur bergauf gegangen.
       Geboren in ein Großgrundbesitzergeschlecht aus Oberfranken, wurde der bis
       dahin unauffällige junge Abgeordnete von Horst Seehofer zum Generalsekretär
       befördert. Schon ein Jahr später übernahm er das
       Bundeswirtschaftsministerium, nach der Bundestagswahl 2009, bei der
       Guttenberg mit 68,1 Prozent der Erststimmen bundesweit das beste Ergebnis
       einfuhr, wurde der ehemalige Gebirgsjäger Verteidigungsminister. Er war
       noch keine 40 Jahre alt, da wurde er schon als künftiger CSU-Parteichef und
       möglicher Kanzlerkandidat gehandelt.
       
       Jetzt steht er nach acht Jahren zum zweiten Mal als Redner in diesem
       Bierzelt und spricht außer über sich selbst über außenpolitische
       Krisenherde. Von Innenpolitik verstehe er nichts mehr, bekennt Guttenberg.
       Und so nimmt Guttenberg seine Zuhörer mit auf eine „kleine Reise um diese
       Welt“. Zum „blonden Schachtelteufel“ Donald Trump, zu Wladimir Putin, der
       ausschließlich seine eigenen Interessen vertrete, und zu Kim Jong Un, dem
       „moppeligen Herrn aus Pjöngjang“. Guttenbergs Hände befinden sich ständig
       in der Luft, immer wieder schiebt er die Brille hoch, dreht sich nach
       links, nach rechts, erobert so Stück für Stück das Zelt.
       
       ## Die Angriffe sind überschaubar
       
       Es sind zumeist Allgemeinplätze, die Guttenberg vorträgt. Aber er versteht
       es, sie in einer Art vorzutragen, dass am Ende bei vielen der Eindruck
       zurückbleibt: Denen hat er’s aber gezeigt. Guttenberg spricht geschliffen.
       Mehr als anderthalb Stunden. Ohne Manuskript. Gewiss, das Meiste ist nicht
       neu, das hat er vor wenigen Tagen auch schon in Kulmbach erzählt. Dennoch:
       Nicht viele in der CSU haben seine rhetorischen Fähigkeiten. Besonders
       augenfällig wird das, als später auch noch Generalsekretär Scheuer das Wort
       ergreift.
       
       Die Angriffe auf die politischen Mitbewerber der Union sind überschaubar.
       Zu gering schließlich die Unterschiede auf dem Themenfeld der Außenpolitik.
       Mit der SPD gibt es kaum Reibungsflächen. Der „Novize aus Brüssel“ – das
       ist in etwa das Kaliber, mit dem Guttenberg den SPD-Kanzlerkandidaten
       schmäht. Nichts, was wehtut. Stattdessen lästert Guttenberg dann eben über
       „Gazprom-Gerd“. Vermutlich ist es doch eine Wahlkampfrede. Nicht gegen die
       SPD oder die Opposition. Auch nicht für die Kanzlerin. Sondern für
       Guttenberg.
       
       4 Sep 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
 (DIR) CSU
 (DIR) Karl Theodor zu Guttenberg
 (DIR) Karl Theodor zu Guttenberg
 (DIR) Horst Seehofer
       
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