# taz.de -- Ein Jahr nach Olympia in Rio de Janeiro: Militär besetzt Armenviertel
       
       > Seit den Sommerspielen hat sich die soziale Lage in Rio massiv
       > verschlechtert. Der Staat will nun Stärke zeigen: Die Armee soll die
       > organisierte Kriminalität bekämpfen.
       
 (IMG) Bild: Soldaten patrouillieren nahe der Favela Mare Complex in Rio
       
       Rio de Janeiro dpa | Genau ein Jahr nach den Olympischen Spielen hat das
       brasilianische Militär im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität in Rio de
       Janeiro einen Großeinsatz in Favelas gestartet. Schwer bewaffnete Einheiten
       in Panzerwagen waren zu sehen, [1][dem Portal „O Globo“ zufolge]
       beteiligten sich am Wochenende 3600 Soldaten und 1400 Polizisten an den
       Operationen in sechs Armenvierteln. Zwei Menschen wurden getötet, 18
       festgenommen. Bei dem von Helikoptern begleiteten Einsatz wurden Pistolen,
       eine Granate, Marihuana und Kokain sichergestellt.
       
       Mehrere Favelas wurden vorübergehend besetzt. Verteidigungsminister Raul
       Jungmann sagte, dass die Soldaten mehrere Tage dort bleiben könnten. Bei
       der Operation Onerat ging es um die Vollstreckung von rund 40 Haftbefehlen,
       unter anderem wegen Drogenhandel und Überfällen auf Lastwagen. Brasiliens
       Präsident Michel Temer hatte wegen der Lage Ende Juli die Entsendung von
       rund 8.500 Soldaten nach Rio angeordnet.
       
       Justizminister Torquato Jardim betonte: „Wir müssen den Mythos beenden,
       dass die organisierte Kriminalität zu mächtig ist und kaum zu bekämpfen
       ist.“ Immer wieder sind auch an der Copacabana bewaffnete Soldaten zu
       sehen, Militärhubschrauber überfliegen die Strände. Zu den 8.500 Soldaten
       kommen noch 1.500 Polizisten und Nationalgardisten: Insgesamt stehen damit
       rund 10.000 zusätzliche Sicherheitskräfte für den Bundesstaat Rio de
       Janeiro zur Verfügung. Die Verstärkung wird mindestens bis Ende des Jahres
       eingesetzt.
       
       Am 5. August 2016 waren die Olympischen Spiele eröffnet worden, schon
       damals wurde Rio von einer Finanzkrise erschüttert. Sparzwänge führten in
       der Folgezeit zu Einsparungen bei der Polizei und auch bei Sozialmaßnahmen
       zur Befriedung der Favelas. Banden wie das Comando Vermelho, das „rote
       Kommando“, eroberten vielerorts die Macht zurück, ihre Bastion sind die
       Favelas. Zuletzt teilte die Regierung mit, dass auch Waffen der
       kolumbianischen Farc-Guerilla aufgetaucht seien.
       
       Von Januar bis Juni wurden im Bundesstaat Rio de Janeiro bereits 2.723
       Menschen gewaltsam getötet; das sind 10,2 Prozent mehr als im
       Vorjahreszeitrum. Wegen der zunehmend unsicheren Lage sind auch die
       Tourismuszahlen eingebrochen, die Auslastung der Hotels lag zuletzt nach
       Angaben der Tourismusbehörde bei unter 50 Prozent.
       
       6 Aug 2017
       
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