# taz.de -- Kommentar Deutsche Solarindustrie: Modulbau ist nicht alles
       
       > Die Bedeutung von Solarfabriken ist geringer, als es den Anschein hat.
       > Dennoch sollte Deutschland um die Fertigung kämpfen.
       
 (IMG) Bild: Wirtschaftsfaktor Photovoltaik: Das Know-how steckt in Forschung und Entwicklung
       
       Solarmodule kann längst jeder produzieren, der das Geld zum Aufbau einer
       Fabrik mitbringt. Das ganze Ingenieurswissen steckt in den
       Fertigungsstraßen, sie werden schlüsselfertig geliefert. Die Betreiber
       müssen von Photovoltaik heute nicht mehr viel verstehen.
       
       Deswegen wählen die Firmen ihre Standorte vor allem nach
       Kostengesichtspunkten aus. Ob die betriebswirtschaftlichen Vorteile auf
       niedrigen Arbeits- und Sozialkosten, dürftigen Umweltauflagen oder auch auf
       Subventionen basieren, [1][ist den Investoren egal]. Das kennt man längst
       aus anderen Branchen, siehe Handy. Ob man das nun gut findet oder nicht,
       das ist die Globalisierung.
       
       Ist deswegen der Solarstandort Deutschland mit dem seit Jahren zu
       beobachtenden Rückzug der Solarfabriken bereits gescheitert? Nein, aus
       einem einfachen Grund. Zwar machen in der öffentlichen Wahrnehmung die
       Zell- und Modulfertigungen einen wesentliche Anteil der solaren
       Wertschöpfungskette aus, doch das ist ein Zerrbild.
       
       Zur Photovoltaikbranche gehört nämlich viel mehr, auch mancher Zweig, in
       dem viel Know-how steckt. So fertigen die Asiaten zumeist auf deutschen
       Maschinen. Auch die Leistungselektronik einer Solaranlage – der
       Wechselrichter – stammt häufig aus Deutschland. Und natürlich verdienen
       auch lokale Handwerksbetriebe am Bau jeder Anlage. Die unmittelbare
       industriepolitische Bedeutung der eigentlichen Solarfabriken ist also
       geringer, als es oft den Anschein hat.
       
       Und dennoch sollte Deutschland um seine letzten Zell- und Modulfertigungen
       kämpfen – nur ist der primäre Grund dafür nicht die Wertschöpfung am
       Produktionsstandort. Man muss forschungspolitisch argumentieren:
       Deutschland ist führend in der Photovoltaik-Wissenschaft, wichtige
       Effizienzrekorde wurden hier aufgestellt. Und es ist zu befürchten, dass
       dieser Vorsprung nur durch eine industrielle Basis über die gesamte
       Fertigungskette auf Dauer zu halten ist.
       
       28 Jul 2017
       
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