# taz.de -- Kolumne Geht's noch?: Armer Cliff Huxtable!
       
       > Bill Cosby bedient sich seiner Rolle als beliebter Familienvater aus der
       > „Bill Cosby Show“, um einer Haftstrafe zu entgehen.
       
 (IMG) Bild: Ein Scherzchen mit dem TV-Vater, dem Vergewaltigung vorgeworfen wird: Cosby und Knight Pulliam
       
       Bill Cosby geht nicht ins Gefängnis. Der 79-jährigen Schauspieler, dem von
       beinahe 60 Frauen sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, hat nochmal Glück
       gehabt: Die Jury konnte kein einstimmiges Urteil fällen. Wenn das mal nicht
       mit seiner berühmtesten Rolle zusammenhängt: Dr. Cliff Huxtable.
       
       Die „Bill Cosby Show“ , die zwischen 1984 und 1992 lief, genießt eine
       besondere Stellung im kulturellen Gedächtnis der USA. Zeitweise hatte die
       Sitcom, die sich als eine der ersten um eine gutbürgerliche,
       afroamerikanische Familie drehte, ohne in Stereotypen abzudriften, sogar
       Einschaltquoten von 50%. Grund dafür war vor allem die Figur des
       unterhaltsamen Cliff Huxtable, der immer einen Weg fand, seine Kinder mit
       väterlicher Situationskomik aufzuziehen.
       
       Diese Rolle nutzte Bill Cosby nun, um sich aus der Affäre zu ziehen. Zum
       Prozessbeginn Anfang Juni begleitete ihn keine andere als Keshia Knight
       Pulliam, die acht Jahre lang Cliff's jüngste Tochter Rudy spielte.
       
       Eine PR-Strategie mit klarer Absicht 
       
       „Hier wird die Wahrheit herauskommen“, [1][sagte sie nach dem
       Verhandlungstag]. „Letztendlich ist es einfach, jemanden zu unterstützen,
       wenn die Dinge gut stehen“, fuhr sie fort, aber echte Familie, Freundschaft
       und Integrität zeige sich daran, wie man sich verhalte, wenn die Situation
       mal nicht so rosig sei.
       
       Was diese PR-Strategie bewirken sollte, ist klar – die Vermischung der
       Person Cosby mit seinem liebenswerten Alter Ego Huxtable.
       
       Bill Cosby wird vorgeworfen, eine junge, hübsche Frau mit Tabletten
       willenlos gemacht und sich an ihr vergangen zu haben. Dass er zum ersten
       Verhandlungstag mit einer ebenfalls jungen, hübschen Frau am Arm
       auftauchte, wirkt beinahe schon hämisch. Dass es aber gerade Rudy war, die
       sich für ihren Rollenvater aussprach und mit ihm für seinen Twitter-Account
       posierte, macht die Sache noch viel schlimmer.
       
       In der „Bill Cosby Show“ war Rudy nicht nur die niedliche, naive
       Fünfjährige aus Staffel eins. Das Publikum sah sie über Jahre hinweg zu
       einer Feministin heranwachsen, die Geschlechterrollen kritisch hinterfragte
       und sich mit ihrem Kumpel Kenny über seine chauvinistischen Ansichten
       stritt.
       
       Mit dem medial in Szene gesetzten Auftritt der Schauspielerin machte Knight
       Pulliam ihrer damaligen Rolle keine Ehre. Pünktlich zum Prozessauftakt
       erinnerte ihr Erscheinen an die herzensgute Vaterfigur, die Cosby jahrelang
       verkörpert hatte. Cliff Huxtable hätte niemals jemanden vergewaltigt – wie
       wäre also Bill Cosby dazu imstande?
       
       Cosby zieht sein Alter Ego mit nach unten 
       
       Der Schauspieler ist sich der Bedeutung seiner Figur natürlich bewusst und
       spielt die Verwirrung für sich aus. Selbst hat er sich zwar nie öffentlich
       geäußert, auch nicht vor Gericht, aber die Wahl seiner Begleitung und
       [2][dass er den Reportern vor dem Justizgebäude mehrmals seinen Catchphrase
       „Hey, hey, hey!“] aus der Zeichentrickserie „Fat Albert and the Cosby Kids“
       zurief, sprechen Bände.
       
       Neben Knight Pulliam hatte sich Phylicia Rashad, die Cliff's Ehefrau Claire
       in der Show spielte, bereits 2015 an die Seite ihres Schauspielkollegen
       gestellt. [3][“Vergesst diese Frauen“, soll sie dem Filmkritiker Roger
       Friedman gesagt] und erörtert haben, dass es sich bei den Vorwürfen um eine
       Inszenierung handle, um das Vermächtnis Cosbys in den Schmutz zu ziehen.
       Sie sei falsch zitiert worden, erklärte sie später. Äußern will sie sich zu
       dem Fall nicht mehr.
       
       Armer Cliff Huxtable! Cosby hätte den liebenswerten Arzt nicht in seine
       Machenschaften hineinziehen sollen – denn „America's Dad“ stand nicht wegen
       Missbrauchsvorwürfen vor Gericht, sondern der Schauspieler Bill Cosby.
       
       23 Jun 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.washingtonpost.com/news/morning-mix/wp/2017/06/06/the-divide-over-keshia-knight-pulliam-a-k-a-rudy-huxtable-attending-bill-cosbys-rape-trial/?utm_term=.4b05d71282c4
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=uBsPLEz01Qg
 (DIR) [3] https://www.theguardian.com/world/2015/jan/07/phylicia-rashad-bill-cosby-defends-assault-allegations
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maxie Römhild
       
       ## TAGS
       
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