# taz.de -- Kommentar TV-Duell Le Pen/Macron: Niveauloses Schauspiel
       
       > Die Debatte sollte ein Höhepunkt werden. Sie landete aber in den
       > Niederungen persönlicher Beschimpfungen und grotesker Anschuldigungen.
       
 (IMG) Bild: Le Pen und Macron vor Beginn des TV-Duells
       
       Die Szene könnte sich im Treppenhaus eines beliebigen Mehrfamilienhauses
       abspielen. Zwei Bewohner, eine etwa fünfzigjährige Blondine und ein
       jüngerer Mann in Anzug und Krawatte geraten sich wegen einer
       Belanglosigkeit in die Haare. Ein Wort gibt das andere, rasch wird es sehr
       laut, offenbar haben die beiden seit Langem etwas gegeneinander. Die
       übrigen Mitbewohner werden zu Zeugen eines Streits, der zu einer wüsten
       Abrechnung eskaliert. Eine Szene, die ein unangenehmes Gefühl hinterlässt.
       
       So wie [1][die TV-Debatte vor der Stichwahl der französischen
       Präsidentenwahl], die am Mittwochabend stattfand. Denn bei der äußerst
       heftigen Auseinandersetzung vor weitgehend perplexen ZuschauerInnen ging es
       nicht um eine Belanglosigkeit, sondern um die Wahl des nächsten Staatschefs
       der französischen Republik. Was ein Höhepunkt der Kampagne werden sollte,
       landete in den Niederungen persönlicher Beschimpfungen und grotesker
       Anschuldigungen.
       
       Verantwortlich dafür ist eindeutig Marine Le Pen. Sie war nicht gekommen,
       um ihr Programm darzustellen und die Vorschläge ihres Gegners zu
       zerpflücken. Sie attackierte Emmanuel Macron von Beginn an persönlich. Und
       zwar aggressiv, mit zum Teil grotesken Unterstellungen und bösartigen
       Behauptungen. Das ist nicht das Niveau, das die Franzosen von einem
       Staatschef erwarten.
       
       Zugleich wurde deutlich, dass Marine Le Pen ungenügend vorbereitet war –
       trotz ihrer Stichwortnotizen, in denen sie ständig blätterte. In Sachfragen
       zeigte sie krasse Kenntnislücken, die sie mit polemischen Ausflüchten
       überspielen wollte. Sie war nicht gekommen, um zu überzeugen, sondern um
       einen ihr klar überlegenen Gegner mit dem einzigen Mittel zu
       diskreditieren, das ihr dazu zur Verfügung stand: maßlose Übertreibung und
       Beleidigung.
       
       Macron konterte zuerst einigermaßen kühl, mit der Zeit aber wiederholte er
       seine Vorwürfe im Stil von: „Sagen Sie doch keine solchen Dummheiten!“ Er
       wirkte so auf Dauer belehrend oder sogar arrogant. Zum Abschied sagte er:
       „Sie können für ihr Spektakel beim Fernsehen bleiben, ich werde Präsident.“
       
       4 May 2017
       
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