# taz.de -- Mieter ohne Wasser in Delmenhorst: Wollepark-Eigentümer verklagt
       
       > Jetzt ist auch in den letzten Blocks das Wasser abgestellt. Die
       > Staatsanwaltschaft soll klären, wo das ausstehende Geld kassiert werden
       > kann.
       
 (IMG) Bild: Würde die Stadt am liebsten abreißen: Gebäude am Wollepark
       
       Bremen taz | Seit Montag ist auch das Wasser in den Wohnblocks Wollepark 11
       und 12 in Delmenhorst abgestellt. Damit gehen die Stadtwerke, unterstützt
       von der Stadt, in die höchste Eskalationsstufe. Denn ohne Wasser und
       Heizgas sind die Wohnungen kaum bewohnbar. Die Diakonie, die versucht, die
       Mieter zu begleiten, rät deshalb, keine Miete mehr zu bezahlen. Einzelne
       Eigentümer erscheinen allerdings „persönlich“ an der Tür, um die Miete zu
       kassieren – da würde das rechtliche Instrument der Mietminderung einen
       effektiven Polizeischutz erfordern.
       
       Am Montag haben einige Mieter dagegen protestiert, dass sie nun kein Wasser
       mehr haben, [1][obwohl sie Miete und Nebenkosten immer bezahlt haben] –
       aber es kamen nur zehn Menschen zu dem Protest. Das liegt nicht an den
       fehlenden Deutschkenntnissen – der Aufruf zum Protest hätte wohl auch auf
       bulgarisch oder polnisch nicht gefruchtet.
       
       Man muss eher davon ausgehen, dass die Bewohner insgesamt die komplizierte
       Lage nicht verstehen und zu niemandem Vertrauen haben, vor allem nicht zu
       Behörden. Die haben sie vor allem als Polizei oder Ordnungskräfte
       kennengelernt. Das Gesundheitsamt würde einige Wohnungen sofort räumen
       lassen, wenn es denn hineingelassen würde. So geht es im Grunde niemandem
       darum, dass die Bewohner dort einigermaßen normal wohnen können.
       
       Die Stadt bietet Notunterkünfte an, in die aber Möbel und größere andere
       persönliche Dinge nicht mitgenommen werden dürfen. In einem Aufruf der
       Diakonie war die Delmenhorster Bevölkerung gebeten worden, freie Wohnungen
       zu melden – nicht mehr als drei Wohnungen wurden angeboten. Die
       Wollepark-Blocks gelten bei der Polizei als krimineller Brennpunkt und
       deswegen ist die Bereitschaft zur Hilfe gering.
       
       Für die Stadt Delmenhorst wäre es natürlich am einfachsten, wenn die
       Bewohner in ihre Heimat zurückgingen oder weiterziehen würden, egal wohin.
       Eine akzeptable Bleibe in Delmenhorst bietet sie jedenfalls nicht an.
       
       Die Stadtwerke haben derweil Strafanzeige gestellt gegen die Hausverwaltung
       und „gegen unbekannt“ wegen Veruntreuung und Betrug, weil die Huchtinger
       Hausverwaltung Mehmet Erdems den Stadtwerken insgesamt 130.000 Euro
       schulde. Die Stadt geht dabei davon aus, dass die Mieter in den meisten
       Fällen die Nebenkosten an die Hausverwaltung gezahlt haben.
       
       Aber so genau wissen das nicht einmal die Stadtwerke. Als andere Eigentümer
       auf einer Versammlung dieser Tage den Versuch machten, eine neue
       Hausverwaltung einzusetzen, hatte Erdem das mit dem Stimmblock seiner 31
       Wohnungen verhindert.
       
       Da jeder Eigentümer persönlich in Höhe seiner Beteiligung haftet, hat es in
       der Vergangenheit schon Verfahren gegen einzelne Eigentümer gegeben –
       allerdings nur für die alten Fälle aus dem Jahr 2015, in denen die
       Stadtwerke ihre Forderungen an die Stadt abgetreten hatten.
       
       Auf Antrag der Stadt beantragte das zuständige Mahngericht in Uelzen
       Mahnbescheide. Ein kleinerer Teil der ausstehenden rund 80.000 Euro konnte
       so eingetrieben werden. Sieben solcher Klagen endeten für die Stadt
       positiv. In zwei Verfahren konnte das Gericht bis heute nicht einmal den
       Aufenthaltsort der Eigentümer feststellen.
       
       Die Stadtwerke ihrerseits haben bisher von gerichtlichen Schritten
       abgesehen, da für sie die Sperre von Wasser und Gas unter normalen
       Umständen schneller zum Ziel führt als ein gerichtliches Verfahren. Im Fall
       Wollepark allerdings, in dem die Mieter sich nicht zu wehren wissen und den
       Eigentümern das Schicksal ihrer Mieter egal ist, hat dieses Verfahren
       bisher nicht gewirkt.
       
       Hinzu kommt natürlich, dass die Stadt die beiden Blocks letztlich nicht in
       geordnete Verhältnisse bringen, sondern abreißen will – und jede
       Wertminderung durch den Streit mit den Eigentümern bringt sie diesem Ziel
       näher.
       
       17 May 2017
       
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 (DIR) Klaus Wolschner
       
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