# taz.de -- Neuer Präsident in Ghana: Zupackende Jugend
       
       > Am neuen Präsidenten Akufo-Addo wächst Kritik. Er hatte an die Jugend
       > appelliert, jetzt nehmen seine Anhänger das Recht selbst in die Hand.
       
 (IMG) Bild: Ein Unterstützer Akufo-Addos in Ghana
       
       Accra taz | Der demokratische Machtwechsel in Ghana im vergangenen Dezember
       stärkte den Ruf des Landes als Stabilitätsvorbild für Westafrika, aber die
       Ausbreitung selbsternannter gewalttätiger Milizen mit Verbindungen zu den
       Machthabern verdüstert das Image der neuen Regierung von Präsident Nana
       Addo Dankwa Akufo-Addo.
       
       Oppositionelle und Kritiker der Regierung sagen, dass die Jugendgruppen mit
       Namen wie „Delta Force“ und „Invincible Force“ außerhalb des Rechts
       operieren. Ihre Aktivitäten, heißt es, würden zwar von der Regierung
       geduldet, aber zugleich die Ziele der Regierungspartei NPP (New Patriotic
       Party) konterkarieren, mehr Investitionskapital nach Ghana zu holen, um die
       hohe Arbeitslosigkeit zu verringern.
       
       „Unter der Regierung Akufo-Addo erlebt Ghana staatlich geförderte Gewalt
       und Terrorismus“, sagte James Klutse Avedzi, Vizefraktionsführer der
       abgewählten langjährigen Regierungspartei NDC (National Democratic
       Congress). „Wir Bürger schauen hilflos zu, während unsere Landsleute unter
       brutalen Angriffen, Belästigung und Einschüchterung leiden.“
       
       Auch unabhängige Gruppen sind besorgt. Die gewaltsame Übernahme
       öffentlicher Einrichtungen wie Mautstellen, Schulernährungszentren und
       Toiletten sowie die Beschlagnahme der Autos von Angehörigen der
       Vorgängerregierungen durch die NPP-nahen Jugendgruppen störten den „bis
       jetzt reibungslosen Machtwechsel“, sagt der anerkannte Thinktank Centre for
       Democratic Development (CDD). Die Gruppe zählt Überfälle auf die
       Passbehörde, die Hafenbehörde in Tema, ein Gericht in Kumasi und den
       Sicherheitskoordinator des traditionellen Ashanti-Königreichs, George
       Agyei.
       
       Letzterer wurde im März von über 200 militanten Jugendlichen mit Gewalt aus
       seinem Büro vertrieben und erlitt Verletzungen: er sei „nicht Teil des
       Kampfes“, sagten die Angreifer. Vor Kurzem belagerten mutmaßliche
       Angehörige der „Invincible Force“ die Büros der staatlichen
       Krankenversicherung der Eastern Region und sagten, deren Leitung bestehe
       aus „Fremden“ und man werde nicht mit ihnen zusammenarbeiten.
       
       ## Seit Januar im Amt
       
       Präsident Akufo-Addo hat nun eine Warnung ausgesprochen: „Die Gesetzeshüter
       und der Rechtsstaat sorgen für die Einhaltung der Gesetze in unserem Land“,
       erklärte der Staatschef. „Unter meiner Führung gibt es keine Straflosigkeit
       und keine Missachtung des Rechts.“
       
       Akufo-Addo begann seine Amtszeit am 7. Januar mit hohen Erwartungen und
       muss schnell liefern, nachdem die Vorgängerregierung mit ihrem Versprechen
       eines Ölbooms enttäuschte. Er hat ein ambitioniertes Programm gestartet, um
       750.000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft zu schaffen. Start-up-Bauern
       bekommen im Rahmen des Programms „Planting for Food and Jobs“ Saatgut und
       Düngemittel auf Kredit und müssen nur die Hälfte im Voraus zahlen.
       
       Das Vorbild ist Ghanas erfolgreiches Programm zu mehr Selbstversorgung,
       „Operation Feed Yourself“, aus den 1970er Jahren. Aber die Verteilung des
       Saatguts ist ins Stocken geraden und die Programmleitung kritisiert, dass
       es zu wenig ausgebildetes Begleitpersonal für die Jungbauern gibt.
       
       Der Eindruck, die neue Regierung komme insgesamt nicht gut vom Fleck, sei
       falsch, meint Vizepräsident Mahamudu Bawumia. Die Regierung habe in ihren
       ersten 100 Tagen „über 103 Errungenschaften“ zu verzeichnen, behauptete er:
       darunter die Annullierung von zwanzig Stromverträgen der
       Vorgängerregierung, die Wiederherstellung von Ausbildungsförderung für
       Lehrer und Krankenpfleger und die Stabilisierung der Landeswährung.
       
       17 May 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Masahudu Kunateh
       
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