# taz.de -- „Armut hängt mit dem Zugang zu Land zusammen“
> LANDWIRTSCHAFT Seit dem 1. Mai prüft der UN-Menschenrechtsrat die Lage in
> Ecuador
taz: Herr Carpio Cedeño, Sie wurden selbst von Ihrem Land vertrieben. Wie
kam es dazu?
Carlos Carpio Cedeño: Ich gehöre zur Bauerngemeinschaft Asomac. Seit 2004
haben wir auf einem Grundstück gelebt, das uns das
Landwirtschaftsministerium 2009 auch offiziell zugesprochen hat. Asomac hat
dann weiter in das Land investiert und es bestellt. Aber 2012 wurden große
Teile des Landtitels im Rahmen einer Landreform an zwei weitere
Bauerngemeinden vergeben. Dabei erfordert die Reform eigentlich, dass man
mindestens fünf Jahre auf dem Land gelebt und es kultiviert haben muss, um
es zugeteilt zu bekommen. Das ist bei den anderen Gemeinden nicht der Fall.
Frau Puebla, worum geht es bei dieser Landreform?
Mónica Vera Puebla: 82 Prozent der Haushalte, die Landwirtschaft betreiben,
besitzen kein eigenes Land. 2010 hat das ecuadorianische
Landwirtschaftsministerium deshalb den Plan „Tierras“ ins Leben gerufen.
Der bäuerlichen Bevölkerung wurde Land versprochen. Dadurch hätte sich die
Lage eigentlich verbessern müssen. Doch von den 82 Prozent haben nur 3
Prozent Land zugewiesen bekommen. Manchmal haben die Behörden dasselbe Land
an mehrere Gemeinschaften gegeben, was zu Konflikten und sogar zu staatlich
unterstützten Vertreibungen geführt hat.
Wie kommt es dazu, dass mehreren Gemeinden dasselbe Land zugesprochen wird?
Mónica Vera Puebla:Das hat verschiedene Gründe. Einige bäuerliche
Basisgruppen stehen der Regierung näher als andere. Es gibt aber auch
behördliche Probleme. Oft mangelt es an transparenter Information darüber,
welche Ländereien verteilt werden können und welche bereits besetzt sind.
Das darf aber keine Entschuldigung sein. Es ist die Aufgabe des Staates,
sich diese Information zu beschaffen.
Herr Carpio Cedeño, wie haben Sie sich gewehrt?
Wir haben gegen die falsche Landvergabe geklagt und das Verfahren gewonnen,
aber dann hat das Landwirtschaftsministerium Berufung eingelegt. Das Urteil
steht derzeit noch aus. Im September 2015 wurden wir trotzdem von unserem
Land vertrieben, dabei wurden 200 Hektar Reisanbau zerstört. Jetzt hat
Asomac keinen Zugang zu Wasser mehr. In Ecuador ist es nicht möglich, mit
den zuständigen Behörden zu reden. Deshalb bitten wir darum, dass der
Dialog auf internationaler Ebene geführt wird.
Interview Merle Groneweg
23 May 2017
## AUTOREN
(DIR) Merle Groneweg
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