# taz.de -- Viel beraten, viel weniger beschlossen
> Regierung Beim Treffen des Koalitionsausschusses einigen sich CDU und SPD
> nur bei etwa der Hälfte der diskutierten Themen. Kritik kommt von
> Linkspartei und Grünen: Die Große Koalition bedeute „Stillstand“
(IMG) Bild: Zum ersten Mal dabei: SPD-Chef Martin Schulz auf dem Weg in den Ausschuss. Neben ihm Außenminister Gabriel
von Pascal Beucker
BERLINtaz| Als sich am frühen Donnerstagmorgen die Koalitionäre freundlich
voneinander verabschiedeten, hatten sie viel beraten und deutlich weniger
beschlossen. Sechseinhalb Stunden dauerte das Treffen der Spitzen von CDU,
CSU und SPD im Bundeskanzleramt. Herausgekommen ist ein dreiseitiges
Beschlusspapier, auf das sich der Koalitionsausschuss einigen konnte – und
in dem etliches fehlt.
So wird es in dieser Legislaturperiode wohl keine gesetzlichen Regelungen
für Managergehälter mehr geben. Die Union ließ die SPD mit ihrem Vorschlag
abblitzen, dass Unternehmen Managergehälter nur noch bis 500.000 Euro im
Jahr steuerlich absetzen können. Die Vereinbarung im Koalitionsvertrag,
nach der über die Vorstandsvergütung künftig die Hauptversammlung auf
Vorschlag des Aufsichtsrats entscheiden soll, reicht hingegen der SPD nicht
mehr. Also bleibt erst einmal alles, wie es ist.
Ebenfalls auf Granit bei CDU und CSU biss SPD-Arbeitsministerin Andrea
Nahles mit ihrem Plan, eine Solidarrente für langjährige Geringverdiener
einzuführen. Obwohl im Koalitionsvertrag festgeschrieben, blitzte Nahles
auch damit ab, das Recht auf befristete Teilzeit und die Rückkehr in die
Vollzeitarbeit festzuschreiben. Und wie erwartet chancenlos blieben die
Sozialdemokraten mit ihrer Forderung nach der Öffnung der Ehe für
gleichgeschlechtliche Paare.
Ergebnislos blieb der Koalitionsausschuss, an dem erstmals auch der neue
SPD-Vorsitzende Martin Schulz teilnahm, allerdings nicht. Von den rund 20
Themen, die auf der Tagesordnung standen, gab es immerhin bei etwa der
Hälfte eine Verständigung. Die Palette reicht vom Verbot von Kinderehen
über die Einführung einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke im
Urheberrecht bis zur Aufstockung eines nationalen Präventionsprogramms
gegen islamistischen Extremismus um weitere 100 Millionen Euro.
Unionsfraktionschef Volker Kauder hob besonders die vereinbarten härteren
Strafen für Einbrecher (siehe unten)hervor. Zufrieden zeigte er sich auch
mit den verabredeten Erleichterungen für die Sozialbehörden,
Sozialleistungsbetrug von Asylbewerbern aufzudecken. Auf der Habenseite
verbuchte Kauder auch, dass es weiterhin „keine generelle
Nachzugsmöglichkeit“ für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz geben wird.
Stattdessen soll es wie bisher Einzelfallprüfungen nach der
Härtefallklausel geben, bei denen die UN-Kinderrechtskonvention besonders
berücksichtigt werden soll.
Näher gerückt ist eine Einigung über die umstrittene
Infrastrukturgesellschaft, die künftig die Autobahnen übernehmen soll.
Anders als bisher vorgesehen, wollen Union und SPD dabei eine großflächige
Privatisierung von Straßen durch Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP)
verhindern. ÖPP sollen nur im Rahmen von „Einzelprojekten“ erlaubt bleiben,
wie die SPD forderte.
„Dieser Koalitionsausschuss hatte eher was von einem Termin beim
Scheidungsanwalt“, sagte die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping. Mit
dieser Union werde die SPD „auch nach der Bundestagswahl kein Programm der
sozialen Gerechtigkeit umsetzen können“. Für die grüne Fraktionschefin
Katrin Göring-Eckardt hat der Ausschuss gezeigt, dass die Große Koalition
„Streit und Stillstand“ bedeute. Sie sei nur noch „eine Scheinregierung“ .
Meinung
31 Mar 2017
## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
## ARTIKEL ZUM THEMA