# taz.de -- Nachruf auf Martin McGuinness: Ein Mann mit vielen Gaben
       
       > Martin McGuinness, Exstabschef der IRA, Architekt des Friedensabkommens
       > und Vize-Premier Nordirlands, ist im Alter von 66 Jahren gestorben.
       
 (IMG) Bild: Die legendären IRA- und Sinn-Fein-Führer Gerry Adams und Martin McGuinness bei der Beerdigung ihres IRA-Genossen Patrick Kelly im Jahre 1987
       
       Dublin taz | Martin McGuinness stand fast zehn Jahre lang an der Spitze der
       nordirischen Regierung, die ohne sein Zutun nie zustande gekommen wäre. Der
       irische Premierminister Enda Kenny sagte am Dienstag: „Man wird sich an
       Martin für seine bemerkenswerte politische Reise erinnern. Er kam nicht nur
       zu der Überzeugung, dass der Frieden Vorrang habe, er arbeitete auch
       unermüdlich für dieses Ziel.“
       
       Bemerkenswert war die Reise tatsächlich. James Martin Pacelli McGuinness,
       wie er mit vollem Namen heißt, wurde 1950 in der zweitgrößten nordirischen
       Stadt Derry geboren. Er war zeit seines Lebens sehr religiös, er trug stets
       die katholische Skapuliermedaille und gehörte den „Pioneers“ an, einer
       katholischen Abstinenzlerbewegung.
       
       Im Alter von 20 Jahren trat McGuinness in die IRA ein und stieg schon bald
       zum stellvertretenden Kommandanten auf. Er gehörte der Delegation an, die
       1972 in London einen Waffenstillstand mit der britischen Regierung
       aushandelte.
       
       Der Waffenstillstand war nicht von langer Dauer. Ein Jahr später wurde
       McGuinness in der Republik Irland mit 113 Kilogramm Sprengstoff und 5.000
       Schuss Munition im Auto verhaftet. Er musste sechs Monate absitzen. 1977
       wurde McGuinness IRA-Kommandant in Nordirland, während Gerry Adams, heute
       Präsident von Sinn Féin, Stabschef wurde. Als der ein Jahr später
       interniert wurde, übernahm McGuinness den Posten.
       
       1979 sprengte die IRA am Strand von Sligo in der Republik Irland Lord Louis
       Mountbatten, Mitglied der englischen Königsfamilie, in die Luft. Wenige
       Stunden später starben 18 britische Fallschirmjäger bei einem
       IRA-Bombenanschlag in Warrenpoint. McGuinness' Ruf als Militärstratege war
       gefestigt.
       
       ## Man nannte sie die „Kicherbrüder“
       
       Das war die Voraussetzung für den Friedensprozess. Adams und McGuinness
       agierten als Doppelspitze. Während Adams der Basis seine Zugeständnisse an
       die britische Regierung verkaufen musste, übernahm McGuinness die Aufgabe,
       die militanten Zweifler zu beruhigen. „Der Krieg gegen die britische
       Herrschaft muss fortgesetzt werden, bis die Freiheit erreicht ist“, betonte
       er immer wieder.
       
       Doch da verhandelte Sinn Féin längst. Heimlich blieben die Gespräche mit
       der irischen Regierung allerdings nicht lange. Als McGuinness sich ins
       Dubliner Außenministerium schleichen wollte, fuhr gerade ein offener
       Touristenbus vorbei. Der Fahrer rief über Lautsprecher: „Und hier sehen sie
       Martin McGuinness, den Chefverhandler von Sinn Féin, der gerade das
       Außenministerium betritt.“
       
       Nach mehreren Rückschlägen einigte man sich 2007 auf eine
       Mehrparteienregierung für Nordirland. Der Presbyterianerpfarrer Ian Paisley
       wurde Premierminister, McGuinness sein Stellvertreter. Nichts symbolisierte
       die veränderte Atmosphäre in Nordirland mehr als die Fotos von Paisley und
       McGuinness, wie sie bei der Einweihung der Filiale eines schwedischen
       Möbelhauses in Belfast scherzend auf einem Sofa saßen. Man nannte sie die
       „Kicherbrüder“.
       
       2011 wollte McGuinness Präsident der Republik Irland werden. Unter anderem
       unterstützten ihn dabei die Schauspielerin Anjelica Houston sowie Colm
       Meaney, der Chief O'Brien in der Serie „Raumschiff Enterprise“. Er unterlag
       jedoch dem Dichter und Labour-Politiker Michael D. Higgins, der am Dienstag
       sagte: „Als Präsident Irlands spreche ich meine Anerkennung für seinen
       immensen Beitrag zum Frieden und zur Aussöhnung in Nordirland aus – ein
       Beitrag, der zu Recht von allen Seiten anerkannt wird.“
       
       ## Nicht nur freundliche Worte
       
       Die britische Premierministerin Theresa May sagte, McGuinness habe eine
       wichtige Rolle dabei gespielt, seine Organisation „von der Gewalt
       wegzuführen“. Tony Blair, der britischer Premierminister war, als das
       Belfaster Friedensabkommen am Karfreitag 1998 unterzeichnet wurde, meinte:
       „Als er sich für den Frieden entschieden hatte, setzte er sich dafür mit
       ganzem Herzen ein.“
       
       Nicht alle hatten freundliche Worte für den Verstorbenen. Er hoffe,
       McGuinness werde „in einer besonders heißen und ungemütlichen Ecke der
       Hölle geparkt“, sagte Norman Tebbit, der Rechtsaußen der Tory-Regierung
       unter Margaret Thatcher. Sein Zorn ist verständlich: Seine Frau wurde bei
       einem IRA-Bombenanschlag auf ein Hotel in Brighton schwer verletzt.
       
       McGuinness´ letzter politischer Akt war sein Rücktritt im Januar, der auch
       die Regierung zu Fall brachte. Dennoch fand Premierministerin Arlene Foster
       versöhnliche Worte. Sie sagte am Dienstag: „Obwohl uns viel trennte, wird
       sein bedeutender Beitrag zu dem Friedensprozess in die Geschichte
       eingehen.“
       
       21 Mar 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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