# taz.de -- Kolumne Nach Geburt: Ab sofort mit Abklatschen
       
       > Nun sind die „Partnerschaftsbonusmonate“ im Anmarsch. Oder nennen wir es
       > doch lieber die Teilzeitfalle, wenn beide Eltern arbeiten gehen?
       
 (IMG) Bild: Wer darf jetzt mit dem Kind?
       
       Meine Zeit als Ersatzkolumnistin ist vorbei. Vier Monate haben mein Freund
       und ich die Rollen getauscht. Ich ging arbeiten und er betreute Töchter und
       Haushalt.
       
       Rein organisatorisch hat das wunderbar geklappt. Den Kindern ging es gut,
       dem Vater auch, die Wohnung war sauber, der Kühlschrank voll. Die Einzige,
       der diese Umgewöhnung schwer fiel, war ich. In der Elternzeit war ich fit
       wie ein Turnschuh. Doch kaum sitze ich wieder 40 Stunden die Woche am
       Schreibtisch, ziept es in der Schulter, die Hüfte schmerzt. und ich weiß
       wieder, wie sich Kopfschmerzen anfühlen. Ich vermisse meine Kinder und die
       frische Luft auf dem Spielplatz.
       
       Ab nächster Woche habe ich wieder mehr Zeit, mit den Kindern rauszugehen,
       denn ab da nutzen wir die Partnerschaftsbonusmonate des neuen
       ElterngeldsPlus und arbeiten beide drei Tage die Woche.
       
       Dann sind alle Freuden und Belastungen wirklich 50:50 aufgeteilt. So
       richtig klar ist uns noch nicht, was sich der Gesetzgeber bei dieser
       Regelung gedacht hat, denn beide Partner müssen mindestens 25 Stunden
       arbeiten, um sich für diese Monate zu qualifizieren.
       
       Wir haben das Glück, dass in der Medienbranche auch sonntags gearbeitet
       werden kann, sonst könnten wir gar nicht beide drei Tage arbeiten. Einer
       muss ja schließlich noch beim Kind sein. Aber wir wollen uns nicht
       beschweren, denn so bekommen wir die Zeit überbrückt, bis unsere Tochter
       nach den Sommerferien in die Kita kommt.
       
       ## Samstag Familientag
       
       Das, was da die nächsten vier Monate vor uns liegt, ist eine Wundertüte. Im
       Idealfall bekommen wir jeder das Beste aus beiden Welten: genug Zeit mit
       den Kindern, aber auch genug Zeit ohne sie. Wir sind ausgeglichen,
       gleichberechtigt und auf einer Wellenlänge. Oder aber wir sind wahnsinnig
       gestresst, weil bei beiden die Teilzeitfalle zuschnappt. Morgens wird dann
       abgeklatscht und wir räumen leise fluchend den Dreck weg, den der andere
       hinterlassen hat.
       
       Hinzu kommt, dass es nur noch den Samstag als Familientag gibt. Der ist
       aber gleichzeitig auch der einzig mögliche Tag für individuelle Freizeit
       wie Sauna oder Stadionbesuche. Ich sehe uns schon Streichhölzer ziehen.
       
       Wo wir dann noch Zeit für uns als Paar hernehmen sollen, wie es die
       Frauenmagazine fordern, ist mir schleierhaft. Aber das wird schon.
       
       ## Crashkurs im Krisenmanagement
       
       Aufmerksame Leser dieser Kolumne wissen, dass die Geburt unserer ersten
       Tochter dramatisch verlief und wir lange nicht wussten, welche
       Langzeitfolgen sich daraus ergeben würden. Die ersten Wochen waren
       intensiv, aber auch stärkend. Eine Art Crashkurs im Krisenmanagement. Wenn
       es um unsere Familie geht, weiß ich, dass wir alles schaffen können und
       dass sich alles irgendwie findet.
       
       Aber wahrscheinlich hat diese Gelassenheit viel weniger mit unseren
       jüngeren Erfahrungen zu tun als mit der Tatsache, dass wir beide Kinder
       einer Großfamilie sind. Und da lernt man als Erstes, sich nicht so wichtig
       zu nehmen und die Dinge gemeinsam anzupacken. „Kein Leerlauf!“ hieß das bei
       uns.
       
       Rollentausch: Normalerweise schreibt an dieser Stelle Jürn Kruse. Der ist
       aber gerade in Elternzeit, also muss heute – zum letzten Mal – seine
       Freundin ran.
       
       16 Mar 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Imke Ankersen
       
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       Man sollte das Ding also auch mal loben.