# taz.de -- Die Wahrheit: Köstlich drapierte Zweisamkeit
       
       > Was liegt näher, als einen Imagefilm zu drehen über die eigene Beziehung?
       > Und schon läuft es wieder auf allen Ebenen flott …
       
 (IMG) Bild: Leonard Riegel, geboren 1983 in Göttingen, ist Cartoonist und Comiczeichner und seit 2014 Redakteur beim Satiremagazin „Titanic“. Weitere Arbeiten gibt es im Netz unter leonardriegel.de
       
       Der Verdruss über die zunehmende Häufigkeit sinnloser Streitereien zwischen
       meiner Freundin und mir ließ mich in ein Café einkehren. Ich grübelte über
       einem Cappuccino, was in unserer Beziehung falsch lief, als mein Blick auf
       einen von der Decke hängenden Monitor fiel. Dort lief ein Film über eben
       jenes Café, in dem ich saß. Feixende Köche waren zu sehen, Milchschaum, der
       majestätisch schwappte, köstlich drapierte Speisen, fröhliche Gäste, die
       mit der Bedienung schäkerten.
       
       „Seltsam!“, dachte ich, „Werbung für ein Café, in dem ich schon sitze.“
       Jedoch: Der Cappuccino schien besser zu schmecken, erschien er in der
       Dauerschleife. Warum sollte dieser psychologische Trick nicht auch im
       Privaten funktionieren? Daniela war skeptisch, als ich vorschlug, einen
       Imagefilm über unsere Beziehung zu drehen.
       
       Doch schließlich überzeugte ich sie: An nur einem Wochenende nahmen wir
       unser Beziehungsleben per Digitalkamera auf, danach machten wir uns an
       Schnitt und Postproduction. Das Ergebnis, für dessen Präsentation ich einen
       Flachbildschirm unter der Wohnzimmerdecke installierte, konnte sich sehen
       lassen.
       
       Tag und Nacht läuft der knapp siebenminütige Film seitdem in
       Endlosschleife. Man sieht Daniela und mich beim gemeinsamen
       Plätzchenbacken, beim Filmabend auf der Couch mit Rotwein und Pizza, beim
       Spaziergang an der Flusspromenade. Man sieht auch, wie ich Daniela mit
       einem Frühstück im Bett „überrasche“ und wie das Frühstück in einer
       heiteren Kissenschlacht endet. Wie geplant verteilt sich der Inhalt der
       Federkissen während der Schlacht im Raum, alles ganz nah und in Zeitlupe
       gedreht. Unserer Kreativität hatten wir ja keine Grenzen gesetzt.
       
       Und siehe da: Es funktioniert! Seit der Film läuft, streiten wir kaum noch.
       Wie auch, wenn einem unentwegt vom Monitor aus zugelächelt und neckisch die
       Nase gekräuselt wird? Bei Gästen verfehlt der Film seine Wirkung ebenso
       nicht. Erst sind sie kurz befremdet, doch letztlich steigen unsere
       Sympathiewerte. Das belegen die Fragebögen, die wir zur Evaluierung des
       Films verteilen.
       
       Wie unsere Freunde immer wieder staunen, wenn die erwähnte
       Kissenschlachtszene nach 22 Uhr dann auf dem Monitor in die unzensierte,
       nicht jugendfreie Version übergeht! Im Bett läuft’s übrigens besser denn
       je, aber das nur am Rande.
       
       Mein Freund Robin hat unsere Idee glatt übernommen. Warum auch nicht?
       Seitdem ist er viel zufriedener mit seinem Singledasein. Lethargie und
       Depressionen sind wie weggeblasen, wenn er auf dem Bildschirm sieht, wie er
       spazieren geht, fröhlich Tütensuppen einrührt und sich mit einem
       (Kater-)Frühstück im Bett überrascht.
       
       Neulich fragte mich Daniela, ob wir uns nicht etwas vormachten. Ob unsere
       Beziehung ohne den Film überhaupt noch irgendeinen Sinn habe. Als ich
       offenbar ziemlich dämlich dreinschaute, brach sie in schallendes Gelächter
       aus und warf mir das Sofakissen ins Gesicht. Die aufgestellte Kamera hatte
       ich gar nicht bemerkt.
       
       7 Feb 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leo Riegel
       
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