# taz.de -- Lucky Looser Robert Habeck: Sieger in der Nachspielzeit
> Robert Habeck hat zwar die Urwahl zum Grünen-Spitzenkandidaten auf
> Bundesebene verloren, dafür aber Chancen, Bundesvorsitzender zu werden.
(IMG) Bild: Könnte nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein ganz ohne Mandat und Posten dastehen: Robert Habeck (Grüne)
Kiel taz | Es war das Beste, was passieren konnte. Den Grünen im Bund und
denen in Schleswig-Holstein, Robert Habeck ebenfalls und auch Konstantin
von Notz. Habecks hauchdünne Niederlage vorige Woche bei der Urwahl des
Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl wird mit etwas Verzögerung zu
einem Sieg werden. An dem Grünen aus Kiel geht künftig bundesweit kein Weg
mehr vorbei.
Denn sein Angebot an die Partei sei gewesen, „das, was die Grünen in
Schleswig-Holstein bereits aufgebaut haben, auch in Berlin aufzubauen –
nämlich innerparteilich solidarisch zu sein und auf Flügel- und
Grüppchenbildung zu verzichten“, sagt Habeck. Eine Aussage, die nicht alle
in der grünen Partei mit Vergnügen hören. Aber eine, die den
schleswig-holsteinischen Landesminister in eine bundesweite Spitzenposition
geradezu hineinzwingt.
Denn nach der Bundestagswahl am 24. September wird, wenn der nun gekürte
Spitzenkandidat Cem Özdemir in die Bundestagsfraktion oder gar das
Bundeskabinett wechselt, dessen Posten in der Parteiführung frei. Und nicht
von ungefähr hatte er nach seinem hauchdünnen Sieg Habecks Ergebnis bereits
zum Zeichen erklärt, „dass Robert Habeck in der Partei benötigt wird und
eine wichtige Rolle spielen wird“.
Zwar nennt Habeck das jetzt noch „Gelaber“, klar aber ist: Wenn ihm sein
Anliegen ernst ist, die Partei zu erneuern, wird er, der aus dem Stand fast
über das grüne Establishment triumphiert hätte, und den dritten Kandidaten,
Fraktionschef Anton Hofreiter, locker deklassiert hat, sich einer
Führungsposition nicht verweigern können. Wer, wenn nicht der promovierte
Philosoph, der in Kiel seit Jahren beweist, dass man über das pragmatische
Tagesschäft den Blick über grüne Tellerränder nicht verlieren muss, sollte
für eine strategische Neuausrichtung der Grünen in neue Wählerschichten und
Milieus infrage kommen.
Ähnlich sieht das auch Monika Heinold, grüne Spitzenkandidatin für die
Landtagswahl am 7. Mai, wenngleich sie es vorsichtiger formuliert. Sie
freue sich, dass Habeck als Minister und Wahlkämpfer jetzt seine Kraft „zu
120 Prozent Schleswig-Holstein widmen“ wolle. „Er hat mir zugesagt, Teil
des Wahlkampf-Teams zu sein“, sagt Heinold. Und auch sie erwartet, „dass
wir Grünen aus Schleswig-Holstein jetzt stärkeres Gewicht in der
Bundespartei haben werden“.
Der kleine grüne Verein aus dem Norden wird bislang von den
mitgliederstarken Landesverbänden, vor allem Baden-Württemberg, Hessen und
Nordrhein-Westfalen, nicht so richtig ernst genommen. „Jetzt“, sagt
Heinold, „werden wir mehr gehört werden.“ Durch Habeck.
Zu den Gewinnern zählt aber auch Konstantin von Notz, grüner
Bundestagsabgeordneter aus Schleswig-Holstein, Fraktions-Vize im Bundestag
und profilierter Innen- und Justizpolitiker. Er wäre Habeck, mit dem ihn
eine persönliche Freundschaft verbindet, politisch fast zum Opfer gefallen.
Seinen sicheren zweiten Platz auf der Landesliste zur Bundestagswahl hätte
er an einen Spitzenkandidaten Habeck verloren, der nächste Männerplatz vier
– die ungeraden Plätze sind Frauen vorbehalten – indes hätte kaum Aussicht
auf einen Einzug in den Bundestag. Jetzt aber wird Notz bei der
Listenaufstellung im Februar erneut für den zweiten Platz kandidieren und
ihn wohl bekommen.
Für die kommende Landtagswahl in Schleswig-Holstein haben sich die Grünen
ein zweistelliges Ergebnis vorgenommen. Die Koalition mit SPD und SSW
wollten sie fortführen, versichern Habeck, Heinold und die grüne
Landesvorsitzende Ruth Kastner einstimmig. Jedoch gebe es keine
„Ausschließeritis“ – ob mit der Linken, der FDP oder der CDU. Nur mit der
rechtspopulistischen AfD komme keine Zusammenarbeit infrage.
Sollten die Grünen nach der Landtagswahl jedoch nicht mehr regieren, stünde
Habeck ohne Mandat mit leeren Händen da. Darüber aber habe er sich „keine
ernsthaften Gedanken gemacht, ich habe auch keine Angst davor“.
Demokratische Ämter würden immer auf Zeit vergeben: „Ich bin da easy“,
versichert Habeck.
Und wartet im Herbst auf den Ruf aus Berlin.
22 Jan 2017
## AUTOREN
(DIR) Sven-Michael Veit
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