# taz.de -- Film „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“: Sprachmodul? Kannst du downloaden
       
       > Smartphones mit Herz: Die Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers setzt
       > auf kurzweilige Unterhaltung und Action.
       
 (IMG) Bild: Robbi und das Fliewatüüt am Nordpol
       
       Tobbi hat es nicht leicht: In der Schule wird der junge Nerd böse gemobbt,
       zu Hause freuen sich die Eltern über den Erfindungsreichtum ihres Sprosses,
       sorgen sich aber genauso um dessen sozialen Anschluss. Doch statt mit den
       feisten Klassenkameraden abzuhängen, entwirft Tobbi (Arsseni Bultmann)
       lieber Maschinen, die im Haushalt helfen oder anderswo.
       
       Tobbi, einer der drei Titelhelden aus Boy Lornsens Kinderbuchklassiker
       „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“, ist auch in Wolfgang Groos’
       Neuverfilmung ein eifriger Tüftler und besucht die 3. Grundschulklasse.
       Tütermoor heißt der Ort in der Nähe Hamburgs, passend zur norddeutschen
       Herkunft Lornsens, der auf Sylt geboren wurde. Und auch im Film trifft
       Tobbi schon bald auf den Androiden ROB 344–66/IIIa, genannt Robbi, mit dem
       er ausgedehnte Flugreisen im von Tobbi entworfenen Fliewatüüt unternimmt.
       
       Das war es dann im Wesentlichen mit den Übereinstimmungen zwischen Buch und
       Film. Knapp fünfzig Jahre ist Lornsens Vorlage inzwischen alt, erfreut sich
       unter jungen Leserinnen und Lesern gleichwohl noch einiger Beliebtheit, wie
       regelmäßige Neuauflagen des Buchs bekunden. In den siebziger Jahren hatte
       der WDR eine mehrteilige Puppenspiel-Verfilmung gestemmt, mit liebevoll
       gearbeiteten Marionetten, aus denen besonders der kantige Robbi
       hervorstach, dicht gefolgt vom Fliewatüüt.
       
       Selbstverständlich hat man sich im neuen „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“
       erneut viel Mühe gegeben mit den technischen Protagonisten. Das Fliewatüüt
       ist schön retro-rundlich und ansprechend signalrot, Robbi hat Panzerketten
       statt Füßen verpasst bekommen, mit denen er sich ebenfalls sehen lassen
       kann. Und die Abenteuer, die das ungleiche Paar zu bestehen hat?
       
       Sehr wahrscheinlich hatten die Filmemacher Angst, dass sie, wenn sie das
       bedächtige Erzähltempo der WDR-Fassung übernehmen würden, bei heutigen
       Kindern weniger erfolgreich landen würden. Dass sie daraus die radikale
       Konsequenz gezogen haben, der Geschichte ein komplettes Action-Update zu
       verpassen, kann man jedoch leider als nur zum Teil geglückt bezeichnen.
       
       ## Ein Roboter mit Herz
       
       Denn Robbi und Tobbi lösen diesmal nicht, wie im Original,
       Roboter-Hausaufgaben, dafür werden sie ausgiebig gejagt. Denn ein böser
       Smartphone-Hersteller, Sir Joshua, hat spitzgekriegt, dass Robbi ein
       anormaler Roboter ist, weil er ein Herz hat. Das will der Bösewicht dem
       empathiefähigen Blechkasten entreißen und die darin enthaltene Technik in
       seine Geräte einbauen, auf dass – Achtung, Zivilisationskritik! – alle
       Menschen noch abhängiger von den Dingern werden.
       
       Dazu benötigt er Agenten, eine davon gespielt von Alexandra Maria Lara. Die
       tauscht sich als Sharon Schalldämpfer erst einmal mit ihrem ebenfalls
       verpflichteten Konkurrenten Brad Blutbad (Sam Riley) über ihre bevorzugten
       Tötungsmethoden aus. Kurzer Hinweis: Der Film hat keine Altersbeschränkung.
       Beide liefern sich kurz darauf mit einer Rocker-Gang, die beim
       Zusammenschrauben des Fliewatüüts behilflich gewesen ist, eine wüste
       Klopperei. Das müssen Dreijährige dieser Tage wohl einfach haben.
       
       All das hat mit dem Buch herzlich wenig zu tun, ergibt kaum erzählerischen
       Mehrwert – der Großteil der Handlung wird ohnehin über Bord geworfen oder
       umgewidmet – und nervt in seiner Klamauk-Beliebigkeit nach halber Strecke
       schon beträchtlich. Man könnte weitere Einzelheiten bemängeln. So ist die
       plärrige Kleinkinderstimme Robbis gegenüber dem monotonen Geknarze der
       Siebziger-Variante allemal Geschmackssache. Und an die unübertrieben große
       Filmmusik, die Ingfried Hoffmann einst für den WDR schrieb, reicht der
       eigentlich überaus fähige Helmut Zerlett mit seinen Allerwelts-Rocksongs
       und dem restlichen Versatzstück-Einerlei nicht ganz heran.
       
       Immerhin gibt es ein, zwei gelungene zeitgemäße Witze, etwa wenn sich
       Robbi, der zunächst unverständliche „Piep, piep“-Laute von sich gibt, zu
       Verständigungszwecken ein deutsches Wörterbuch von Tobbis Computer
       runterlädt. Das allein kann aber kaum über den Rest hinwegtrösten.
       
       1 Dec 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Caspar Boehme
       
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