# taz.de -- Oberwasser für Wladimir Putin: Die neue Weltordnung
       
       > Erst Trump in den USA und nun reihenweise Staaten in Europa: Aus allen
       > Ecken fliegen Putin Sympathien zu. Daran sind auch die Eliten schuld.
       
 (IMG) Bild: Bietet etwas anderes als die europäische Perspektive: Wladimir Putin
       
       Die völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im März
       2014, ein hybrider Krieg im Osten der Ukraine mit bislang knapp 10.000
       Toten. War da mal was? Dessen ungeachtet könnte es für Russlands
       Präsidenten Wladimir Putin derzeit gar nicht besser laufen.
       
       Im kommenden Januar wird mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump ein Mann
       ins Weiße Haus einziehen, dem eine gewisse Geistesverwandtschaft mit dem
       Kremlchef – zumindest bis zum Beweis des Gegenteils – nicht abzusprechen
       ist. Und in Europa fallen dem „lupenreinen Demokraten“ Putin reihenweise
       Staaten wie reife Birnen in den Schoß, ohne dass es dieses Mal der dafür
       sonst in Russland gebräuchlichen Methoden bedürfte: Wirtschaftsembargos,
       Gaskriege und, so die ehemaligen Bruderstaaten weiter auf westlichen
       Abwegen wandeln, eben auch einmal ein bisschen Nachhilfe auf militärische
       Art.
       
       In der [1][Republik Moldau] wird künftig der Sozialist Igor Dodon an der
       Spitze des Staates stehen. Er sucht sein Heil und das seines Landes in
       einer Wiederannäherung an Russland. Das könnte in letzter Konsequenz
       bedeuten, dass das 2014 mit der Europäischen Union abgeschlossene
       Assoziierungsabkommen wieder aufgekündigt wird.
       
       Seine unterlegene proeuropäische Konkurrentin Maia Sandu – und auch das ist
       symptomatisch – musste sich im Wahlkampf plumpester Angriffe der
       moldauischen orthodoxen Kirche erwehren. Deren Oberhaupt Bischof Marchel
       diagnostizierte ein von normalen Prinzipien abweichendes Verhältnis zur
       christlichen Moral, da Sandu nicht verheiratet ist und keine Kinder hat.
       
       ## Ein Sozialist für die 16. Sowjetrepublik
       
       Auch in dem Balkanstaat [2][Bulgarien], zu kommunistischen Zeiten als 16.
       Sowjetrepublik bezeichnet, wurde am vergangenen Wochenende auf dem Ticket
       der Sozialisten ein neuer Präsident gewählt. Er setzt ebenfalls auf bessere
       Beziehungen zu Russland. Der ehemalige Luftwaffenkommandeur Rumen Radew
       will sich für eine Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland stark machen,
       was Putin besonders freuen dürfte.
       
       Einmal abgesehen davon, dass die russische Propagandamaschine wie
       geschmiert läuft, und das auch im Westen, müssen diese Wahlergebnisse zu
       denken geben. Was ist passiert? Ist eine Mehrheit der WählerInnen in der
       Republik Moldau und Bulgarien zu überzeugten Putin-Anhängern mutiert?
       
       Mitnichten. Vielmehr ist das Votum Ausdruck einer maßlosen Enttäuschung
       vieler Menschen, für die sich die vermeintlich so verheißungsvolle
       europäische Perspektive in nichts aufgelöst hat. Verantwortung dafür tragen
       in erster Linie die sogenannten politischen Eliten in diesen Ländern. Sie
       finden nichts dabei, sich schamlos zu bereichern. Und sie sind nicht
       willens oder in der Lage, trotz gegenteiliger Beteuerungen, der
       grassierenden Korruption Herr zu werden.
       
       Eine Mitschuld an den jüngsten Entwicklungen trifft aber auch die
       Europäische Union selbst. Im Falle der Republik Moldau wie auch gegenüber
       den anderen östlichen Nachbarstaaten fehlt bislang ein stringentes Konzept.
       Das Beispiel Bulgariens zeigt, dass die Mitgliedschaft in europäischen
       Strukturen allein noch kein probates Mittel ist, um eine demokratische
       Entwicklung und Reformen sicherzustellen.
       
       Was also tun, wie schon Wladimir Lenin fragte? Vielleicht endlich einmal
       die eigenen Postulate und Werte ernst nehmen und offensiv (und das nicht
       nur mit Worten) für sie eintreten. Alles andere würde bedeuten, Politikern
       wie Wladimir Putin einfach das Feld zu überlassen. Putin, das bedeutet
       zuallererst eine Kampfansage an die offene Gesellschaft. Wollen wir deren
       Zerstörung wirklich zulassen?
       
       15 Nov 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Archiv-Suche/!5357046&s=Moldau/
 (DIR) [2] /Archiv-Suche/!5357041&s=Bulgarien/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Oertel
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Russland
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Wladimir Putin
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Bulgarien
 (DIR) Republik Moldau
 (DIR) Podcast-Guide
 (DIR) Podcast „Bundestalk“
 (DIR) Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Wladimir Putin
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Russland
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Republik Moldau
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Podcast zur neuen Weltordnung: Einstürzende Altbauten
       
       Der Podcast „Der neue Westen“ nimmt sich die Zeit, Nachrichten
       hintergründiger zu beleuchten. In der ersten Folge geht es um die
       Abkopplung der USA.
       
 (DIR) Podcast „Bundestalk“: Ist das die Wende im Ukraine-Krieg?
       
       Die ukrainische Armee gewinnt Gelände zurück. Die taz-Korrespondent:innen
       aus Kiew und Moskau berichten, was das bedeutet.
       
 (DIR) EU-Ukraine-Gipfel in Brüssel: Kiew verliert die Geduld
       
       Beim Gipfel wird ein Termin für die lange angekündigte
       Visum-Liberalisierung für Ukrainer wieder nicht genannt. Nicht nur
       Deutschland bremst.
       
 (DIR) Donald Trumps Wahlsieg: Aufstand der Bedauernswerten
       
       Elitäres Empowerment für die unteren Schichten: Wie Clintons Niederlage die
       links-grünen Milieus in Deutschland und Europa betrifft.
       
 (DIR) Künftiger US-Präsident: Obama entschärft Kritik an Trump
       
       Bis vor kurzem hatte Barack Obama vor seinem Nachfolger gewarnt. Jetzt
       schlägt er leisere Töne an. Putin und Trump wollen sich treffen.
       
 (DIR) Donald Trump und Russland: Ehrung für einen großen Freund
       
       Rjasan will eine Straße nach dem neuen US-Präsidenten benennen. Dort stehen
       vier gammelige Häuser. Und der Namensgeber müsste eigentlich tot sein.
       
 (DIR) Ukraine nach Trumps Wahlsieg: Schock und Freude
       
       Ukrainische Politiker reagieren unterschiedlich auf das Wahlergebnis in den
       USA. Viele setzen auf die Solidarität der Republikaner.
       
 (DIR) Erinnerungskultur in Russland: Wladimir hat nicht den Größten
       
       In dieser Woche wurde nach langem Streit in Moskau ein Denkmal für den
       Fürsten Wladimir eingeweiht. Es fällt kleiner aus als geplant.
       
 (DIR) Russland und die US-Präsidentenwahl: Märchenstunde in Moskau
       
       In russischen Medien ist Trump oft der bessere Kandidat, das US-System
       korrupt – und Moskau der Ort, in dem Wichtiges entschieden wird.
       
 (DIR) Kommentar Wahl in der Republik Moldau: Von Europa enttäuscht
       
       Wichtigste Frage bei der Wahl: Wohin soll sich die Republik Moldau
       außenpolitisch orientieren? Finster: Die Antwort weist klar in Richtung
       Moskau.