# taz.de -- Neue Eisenbahn mit Wasserstofftank: Hinten raus kommt Dampf
       
       > Ab 2017 sollen in Deutschland die weltweit ersten Züge mit
       > Brennstoffzellen fahren. Ökologisch sauber – und gut für Strecken ohne
       > Oberleitung.
       
 (IMG) Bild: Tschüss Diesel: Bei diesem Zug kommt hinten nur Wasserdampf raus
       
       Berlin taz | Bahnfahren wird bald noch grüner. Ende kommenden Jahres sollen
       die weltweit ersten Brennstoffzellen-Züge im deutschen Nahverkehr rollen.
       Die neue Technik sei „emissionsfrei, energieeffizient und kostengünstig“
       und damit eine „echte Alternative zum Diesel“, sagte Verkehrsminister
       Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag bei der Präsentation des Ökozugs auf
       der Eisenbahntechnikmesse Innotrans in Berlin.
       
       Ein neues Zeitalter für Zugstrecken ohne Oberleitungen beginne, sagte
       Dobrindt. Immer noch sind rund 40 Prozent des Schienennetzes in Deutschland
       nicht mit elektrischen Oberleitungen ausgestattet. Auf diesen Strecken kann
       der neue Zug mit seiner Brennstoffzelle sauber und leise betrieben werden –
       und auf lange Sicht die Diesellokomotive ablösen.
       
       Der Triebwagen mit dem Namen „Coradia iLint“ sieht aus wie ein moderner
       Regionalzug der Deutschen Bahn. Auf dem Dach fahren aber ein
       Wasserstofftank und eine Brennstoffzelle mit. In der Brennstoffzelle wird
       der Wasserstoff durch eine chemische Reaktion mit Sauerstoff in elektrische
       Energie umgewandelt. Übrig bleibt dann nur noch Wasserdampf und
       Kondenswasser statt Dieselruß.
       
       Das französische Bahntechnik-Unternehmen Alstom hat den Zug mithilfe
       Fördergeldern aus dem Verkehrsministerium entwickelt. Gebaut wird er in
       Salzgitter. Im kommenden Jahr soll es Probefahrten zweier Prototypen
       zwischen Buxtehude und Cuxhaven geben. Bis 2020 sollen dort 14 Züge im
       Regionalverkehr im Einsatz sein. Neben Niedersachsen wollen auch
       Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen den Wasserstoffzug
       einsetzen.
       
       ## In China fährt die Wasserstoff-Straßenbahn
       
       Nicht nur in der Autobranche wird über Alternativen zu fossilen
       Brennstoffen nachgedacht, auch für die Schiene wird schon länger an neuen
       Antriebstechniken geforscht. In China fährt eine erste
       Wasserstoff-Straßenbahn. Alstom stellt nun den ersten Wasserstoffzug in
       Serie her.
       
       Laut Verkehrsministerium soll der neue Wasserstoffzug etwa 5 Millionen Euro
       kosten, ein Zug mit Dieselantrieb kostet in der Anschaffung dagegen rund 4
       Millionen Euro. Die Bahn erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140
       Stundenkilometern. Mit einer Tankfüllung Wasserstoff fahre der Zug gut 600
       Kilometer weit, rechnet das Ministerium vor.
       
       Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte beim BUND für Umwelt und Naturschutz,
       sieht den Wasserstoffzug zunächst im „erweiterten Testbetrieb“. Die Technik
       stecke noch in den Kinderschuhen. Ob der Zug wirklich emissionsfrei fahre,
       hänge entscheidend davon ab, ob der Wasserstoff selbst emissionsfrei
       hergestellt und transportiert werden könne.
       
       Bisher soll der Wasserstoff als Nebenprodukt aus der chemischen Industrie
       gewonnen werden. Das Land Niedersachsen plant, mit überschüssigem Windstrom
       Wasserstoff zu erzeugen. Derzeit seien die „Quellen begrenzt“, sagt
       Hilgenberg. Das stelle nach wie vor auch das größte Hindernis für den
       breiten Einsatz von Wasserstofffahrzeugen auf der Straße dar. Dort kommt
       die Technik bereits bei Bussen und Autos zum Einsatz.
       
       Auch dem Güterverkehr oder dem ICE wird der Wasserstoff-Zug erst mal keine
       Konkurrenz machen können. „Wir reden hier ja von Triebwagen, nicht von
       Lokomotiven“, bremst Hilgenberg. Der Antrieb ist noch nicht stark genug.
       Trotzdem begrüßt der BUND-Experte die Entwicklung: „Das ist eine gute
       Lösung auf allen Strecken, auf denen sich eine Ausstattung mit
       Oberleitungen nicht lohnt.“
       
       20 Sep 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Markus Sehl
       
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