# taz.de -- Kolumne Geht's noch?: Infame Methoden
       
       > Kanadas Premierminister Trudeau gilt als Posterboy und
       > Welthoffnungsträger in einem. Dabei kann er sein wahres Gesicht einfach
       > nur gut verbergen.
       
 (IMG) Bild: Alle lieben Justin – und Justin liebt alle. Fast alle
       
       Bislang fand das Weltsozialforum stets in Schwellen- oder
       Entwicklungsländern statt. Doch 2016 wird die am Sonntag zu Ende gehende
       Veranstaltung von Montréal, der lässigen québecischen … québecoisen … also
       der Metropole von Dings beherbergt, von Kwebeck.
       
       Premierminister des Gastgeberlandes ist ein gewisser Justin Trudeau. Genau.
       Der Trudeau: [1][Posterboy], [2][Frauenschwarm], coole Socke und
       Welthoffnungsträger in einem. [3][Auf der Gay-Pride in Toronto] begrüßte er
       vor laufenden Kameras jeden Teilnehmer einzeln mit langen Zungenküssen. Er
       treibt Yoga und kann ohne Stützräder Fahrrad fahren, wobei er in einem fort
       Biogras kifft. In seinem Kabinett herrscht Geschlechterparität – seine
       Begründung: „[4][Because it's 2015].“
       
       „So einen Präsidenten wollen wir auch haben“, [5][jubelte die Brigitte ]
       und im Subtext: „Und nicht so eine Mischung aus Bernd das Brot, Martin
       Luther und Egon Krenz.“ Um so mehr, da Trudeau nicht nur ein Softie sein
       soll, nein, er boxt, hat den Bizeps tätowiert und soll früher mal als
       Türsteher gearbeitet haben.
       
       Als Türsteher? Ein megametrosexueller Mann, der auf der Skala von ganz
       weich bis ganz hart angeblich jede Facette bedient, das eiertragende
       Wollmilchschwein? No way. Das existiert nur als unerfüllbares
       Anforderungsprofil in den Kontaktanzeigen suchender Damen. Als Türsteher
       einer Stoffhäschenklinik vielleicht. Oder die weiche Seite seines Images
       ist erfunden.
       
       ## Afrikaner und Asiaten müssen draußen bleiben
       
       Denn eine überaus restriktive Handhabung bei der Visavergabe
       [6][verhinderte die Einreise hunderter, teils hochprominenter Teilnehmer],
       insbesondere aus Asien und Afrika. Schließlich weiß man ja, dass der
       Afrikaner uns die Häppchen wegfrisst. So spottete schließlich Fatouma
       Chérif von der westafrikanischen Frauenrechts-Gruppe WOPOD: „[7][Ich sehe
       hier nicht viele Afrikaner].“
       
       Und viele kanadische Ureinwohner ebenfalls nicht. Bei seiner Amtsübernahme
       hatte Trudeau noch langfristig eine Verbesserung ihrer Lebensumstände
       versprochen. Wohl gar zu langfristig, um die [8][kürzliche Selbstmordwelle
       im subarktischen Attawapiskat] zu verhindern, auf der zahlreiche
       jugendliche Aborigines aus der Hölle aus Dunkelheit, Armut und
       Chancenlosigkeit hinüber in die ewigen Jagdgründe surften, während im
       fernen Ottawa Häuptling Feuchte-Höschen-wie-Sterne-am-Himmel
       Wattebäuschchen aus seinem Glaspalast blies. Und schon hat das
       Weltsozialforum wieder ein passendes Thema mehr.
       
       „Das bestätigt die Erfahrung, dass auch sogenannte liberale Politiker keine
       Garantie für Weltoffenheit und Freizügigkeit sind“, [9][nennt Hugo Braun
       von Attac das Kind beim Namen]. Jetzt erst zeigt Trudeau uns sein wahres
       Gesicht. Das ist weit infamer als Putin und Erdoğan, zwei ehrliche
       Arschlöcher mit offenem Visier. Wer mit nacktem Oberkörper im Jagdbomber
       junge Pinguine auf ihrem Flug ins Sommerquartier begleitet, von dem weiß
       der Bürger, der Journalist, der Oppositionspolitiker auf Anhieb: Obacht –
       mit diesem Burschen ist nicht zu spaßen.
       
       Viel unberechenbarer erscheint da dieses Hintenrum. Und Hand aufs Herz:
       Liberale Politiker, Diktatoren, Markgrafen sind letztlich alle doch nur
       verschiedene Saiten ein und derselben Arschgeige, Nuancen in der
       Anlaufstärke, mit welcher der Tritt in den Arsch der Unterprivilegierten
       ausgeführt wird.
       
       Yoga ist durchaus eine feine Sache, kann aber Politik nie eins zu eins
       ersetzen. Daran sollten wir in Zukunft denken. Because it's fünf nach
       zwölf.
       
       14 Aug 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Superhelden-bei-Marvel-Comics/!5318029/
 (DIR) [2] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/margarete-stokowski-ueber-justin-trudeau-oh-wie-schoen-ist-kanada-a-1084772.html
 (DIR) [3] http://edition.cnn.com/videos/world/2016/07/04/justin-trudeau-toronto-pride-orig-emarticke.cnn
 (DIR) [4] /Neuer-Premierminister-Kanadas-vereidigt/!5248787/
 (DIR) [5] http://www.brigitte.de/aktuell/gesellschaft/justin-trudeau--so-einen-praesidenten-wollen-wir-auch-haben--10016172.html
 (DIR) [6] http://www.morgenpost.de/politik/article208040115/Kanada-verweigert-Einreisen-zum-Weltsozialforum.html
 (DIR) [7] http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/757778/weltsozialforum-auf-der-suche-nach-neuem-schwung
 (DIR) [8] http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-04/kanada-suizide-indigenes-volk-attawapiskat-ontario/komplettansicht
 (DIR) [9] http://www.attac.de/startseite/detailansicht/news/weltsozialforum-kommt-erstmals-nach-nordamerika-1/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uli Hannemann
       
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