# taz.de -- Kolumne Ich meld mich: „Das nenn ich innovativ“
       
       > Die Welt ist rund und die marktläufigen Sehnsuchtsorte der Touristen sind
       > immer dieselben. Reisemagazine kämpfen um höchste Kreativität.
       
 (IMG) Bild: Vielleicht ein Knaller: Hexenflug zum Brocken
       
       Dicke Luft in der Redaktion. Die Auflage von rrr – reisen rauf & runter ist
       schon wieder gesunken. Krisensitzung. „Gebt mir Input“, tobt der
       Chefredakteur. „Ideen will ich, dass es quietscht.“
       
       „Wie wär’s mit einer Liste?“, wagt sich der Volontär zaghaft aus der
       Deckung. „Genial“, jubelt der Chef. „Das nenn ich innovativ. Sagen wir: Die
       sechs Traumziele der Saison. Oder noch besser: Sechs Sehnsuchtsorte 2017.
       Und jetzt gebt mir Content, Leute, hopphopphopp.“
       
       „Salzburg muss drauf“, sagt die Österreicherin, „Salzburg muss immer
       drauf.“ „Und Boppard auf jeden Fall“, ergänzt der Chef. „Da bin ich jedes
       Jahr im Urlaub.“ „Boppard ganz klar, auf jeden Fall“, echot der
       Art-Director. „Was ist mit Shopping?“, mahnt die Lifestyle-Expertin.
       „Unbedingt“, jubelt der Redakteur aus Dortmund. „Das Centro in Oberhausen.
       Dann haben auch die Zuhausebleiber was davon.“ „Vergesst mir das Wasser
       nicht“, quengelt die Kieler Kollegin. „Die ‚Seawind II‘“, springt ihr der
       Kreuzfahrtspezialist sofort bei. „Da will ich nächstes Jahr mal drauf.“
       
       „Monte Christo“, schlägt die Redaktionsassistentin jetzt schüchtern vor.
       „Und warum das?“, will der Chef wissen. „Habe ich gerade ein so schönes
       Buch gelesen.“ „Zu intellektuell“, bürstet er sie ab. „Budapest“, kräht der
       Osteuropaexperte, „hatten wir lange nicht mehr.“ „Nix da“, kontert der
       Art-Director. „Budapest ist durch. Die Konkurrenz. Hatten die von rrr –
       reisen rein & raus gerade.“ „Dann eben Tscheljabinsk.“ „Tscheljabinsk geht
       klar.“
       
       „Bingo“, sagt der Chef. „Haben wir, lass mal sehen, 1, 2, 3, 4, 5 – was
       machen wir zum Spitzenreiter? Jetzt will ich aber einen Knaller, Leute.“
       
       „Schopfenbach im Allgäu“, verkündet die Kielerin nach kurzem Überlegen.
       „Käse, Kuhglocken, Jodelabend – Ethnofood und Weltmusik, die Begegnung von
       gestern und heute. Mein Cousin ist da irgendwann durchgefahren und fand es
       so was von retro.“
       
       „Ganz, ganz großartig, chica“, jubelt der Chef in die ehrfürchtige Stille.
       „Tutti completti. Ihr könnt sicher sein, dieses Heft reißen sie uns aus der
       Hand.“
       
       21 Aug 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Franz Lerchenmüller
       
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