# taz.de -- Demokratieaktivist in Hongkong: Leichte Strafe, sanftes Lob
       
       > Der Anführer der Proteste in Hongkong musste sich vor Gericht
       > verantworten – und kam mit einem überraschend milden Urteil davon.
       
 (IMG) Bild: Alex Chow (li) und Joshua Wong auf dem Weg zum Gericht
       
       Peking taz | Mental hatte sich Joshua Wong bereits auf einen
       Gefängnisaufenthalt eingestellt. Der 19-Jährige wusste: Lang würde er nicht
       sein. Das hatte ihm sein Anwalt zugesichert. Zusammen mit Nathan Law und
       Alex Chow, den anderen beiden Protestanführern, waren sie im September 2014
       über die Polizeiabsperrung geklettert und hatten den Vorhof des Hongkonger
       Regierungssitzes besetzt. Ihre bewusste Gesetzesüberschreitung bildete den
       Auftakt der prodemokratischen Occupy-Proteste, die zwei Monate lang
       wichtige Teile der Finanzmetropole lahmlegten.
       
       Alle drei waren im Juli dieses Jahres wegen „illegaler Versammlungen“ für
       schuldig befunden worden. Am Montag verkündete das Gericht auch das
       Strafmaß – und zeigte sich milde. 80 Sozialstunden muss Joshua Wong
       leisten, sein Mitstreiter Law 120 Stunden. Chow erhält eine dreiwöchige
       Haftstrafe auf Bewährung. Damit kann Law auch an den Anfang September
       stattfindenden Wahl des Hongkonger Parlaments als Kandidat antreten.
       
       Das Urteil hat Symbolwirkung. Denn der redegewandte Wong war das Gesicht
       der Hongkonger Occupy-Bewegung: ein damals 17-Jähriger, der der mächtigen
       Führung in Peking die Stirn bietet und für die größten Proteste seit der
       Rückgabe der britischen Kronkolonie an die Volksrepublik 1998 sorgt. Wäre
       er zu einer Haft verurteilt worden, wäre das ein Indiz dafür, dass nach
       Hongkongs Führung auch die Justiz in vorauseilendem Gehorsam dem
       autoritären Regime in Peking folgt.
       
       Doch im Gegenteil: Richterin June Cheung hob sogar die ehrenwerten
       Absichten der drei Verurteilten hervor. Ihnen sei sehr an der sozialen und
       politischen Entwicklung Hongkongs gelegen, bemerkte die Richterin.
       
       Menschenrechtsorganisationen kritisieren dennoch das Verfahren gegen Wong
       und seine Mitstreiter. „Friedliche Proteste sind kein Verbrechen“, betonte
       Sophie Richardson von Human Rights Watch. Und auch Joshua Wong äußerte sich
       nach dem Gerichtstermin kritisch: „Ich respektiere Justiz und
       Rechtsstaatlichkeit, auch wenn ich mit dem Urteil nicht einverstanden bin.“
       Trotzdem: Die Erleichterung war ihm am Gesicht abzulesen.
       
       15 Aug 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Lee
       
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