# taz.de -- Stresstest für Europäische Banken: Rettungsschirm für Testverlierer
       
       > Italiens Krisengeldhaus Nummer eins, MPS, hat bei der EBA-Überprüfung am
       > schlechtesten abgeschnitten. Egal – es soll eh bald gerettet werden.
       
 (IMG) Bild: Schick, aber pleite: Das Hauptquartier der Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) in Siena
       
       Rom taz | Krachend durchgefallen und doch nur noch wenige Schritte von der
       Rettung entfernt ist Italiens Krisenbank Nummer eins, das Traditionshaus
       Monte dei Paschi di Siena (MPS). Am Freitag gab die Europäische
       Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse ihrer Test von 51 europäischen
       Geldhäusern bekannt – und MPS kann den zweifelhaften Erfolg für sich
       verbuchen, sich mit weitem Abstand den letzten Platz gesichert zu haben.
       
       Der EBA-Check auf die Solidität der Banken arbeitete mit der Hypothese,
       dass Europa in den Jahren 2016/2017 abrutschen würde, begleitet von einem
       Einbruch des Immobilienmarkts. Untersucht wurde, wie sich in diesem Falle
       das Verhältnis zwischen dem Eigenkapital der Banken und den von ihnen
       eingegangenen Risiken entwickeln würde. Die Deutsche Bank zum Beispiel
       würde der EBA zufolge von einer Deckungsquote von 13 Prozent auf eine Quote
       von 7,8 Prozent abrutschen.
       
       MPS dagegen hätte als einzige europäische Bank ihr gesamtes Kapital
       verbrannt und käme auf eine negative Quote von minus 2,4 Prozent. Mit
       anderen Worten: Die 1472 gegründete älteste Bank Europas wäre schlicht
       pleite.
       
       Damit schreibt die EBA nur fest, was hinlänglich bekannt ist: Seit Monaten
       schon wird MPS als Abwicklungskandidat gehandelt. Die Bank hat notleidende,
       sprich uneinbringliche Kredite von 27 Milliarden Euro, die trotz kräftiger
       Abschreibungen mit immer noch 10 Milliarden Euro als Aktiva in der Bilanz
       geführt werden. Hinzu kommen weitere 20 Milliarden wackliger Kredite.
       
       ## Zweifel an Aussagekraft
       
       Aber: Ebenfalls am Freitag billigte die Europäische Zentralbank (EZB) den
       von MPS in Abstimmung mit der italienischen Regierung ausgearbeiteten
       Rettungsplan, der es der Bank erlauben soll, einerseits das Gros der faulen
       Kredite loszuwerden und andererseits mit einer kräftigen Kapitalerhöhung
       wieder auf die Beine zu kommen.
       
       Die faulen Kredite in Höhe von 27 Milliarden Euro sollen zu einem Kaufpreis
       von 9,2 Milliarden Euro von den italienischen Banken finanzierten
       italienischen Rettungsfonds Atlante 2 übernommen werden. Hinter diesem
       Preis – der immerhin noch ein Drittel des Werts der Kredite ausmacht –
       steckt die optimistische Annahme, dass die Verwertung der Sicherheiten, zum
       Beispiel von mit Hypotheken belasteten Immobilien, diese Summe wieder
       einspielen wird.
       
       Optimistisch ist auch die Annahme, dass bei der anstehenden Kapitalerhöhung
       5 Milliarden Euro eingenommen werden können. Ein Bankenkonsortium unter
       Führung JP Morgan und Mediobanca soll als Garant wirken: Die Aktien, die
       nicht am Markt platziert würden, sollen von dem Konsortium übernommen
       werden – Kontrollübernahme inbegriffen.
       
       Überraschend positiv fiel der Stresstest für die vier anderen italienischen
       Großbanken aus. Sie liegen leicht unter dem europäischen Mittel, würden
       aber eine schwere Wirtschaftskrise einigermaßen unbeschadet überstehen.
       Große Zweifel an der Aussagekraft des Stresstests äußert der deutsche
       Ökonom Rudolf Hickel. Er weist darauf hin, dass zentrale Krisenfaktoren gar
       nicht vorkommen, zum Beispiel die Tatsache, dass die Banken in einem
       Null-Zins-Markt operieren müssen. Auch darüber, dass die EBA den Berg
       fauler Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro sowie die für einen
       „Flächenbrand“ sorgenden Verflechtungen gar nicht angesprochen hat, sorgt
       für Verwunderung.
       
       31 Jul 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
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