# taz.de -- Galerieempfehlungen für Berlin: Farbe in Bewegung
       
       > Tipps der Woche: Kinetische Lichtskulpturen von Yoko Seyama und gemalte
       > Lufträume von Suyeon Kim.
       
 (IMG) Bild: „Saiyah #2 – Light and Color composition“, Light kinetic installation, 2014
       
       Sichtbares Licht entspricht nur einem Bruchteil der elektromagnetischen
       Strahlung, die uns umgibt. Doch dieser Teil lässt sich unendlich
       multiplizieren: [1][Yoko Seyama] inszeniert in ihren Installationen Licht
       in Bewegung. Ganz simpel, in Relation zu Schatten und mit sorgfältiger
       Aufmerksamkeit dafür, welcher Einfallswinkel welche Farbvariationen
       erzeugt.
       
       „Saiyah #2“ – zu sehen in der [2][Gallery2] – kommt mit nur einer
       Lichtquelle aus. Sie trifft auf vier Spektralglasscheiben, die sich nach
       einem Algorithmus bewegenden. Aus unzähligen, parallel komponierten Farb-
       und Schattenbahnen entsteht so ein immersiver Farbraum.
       
       Trotz oder gerade wegen der mathematischen Kalkulationen, mit denen Seyama
       arbeitet, entstehen Bewegungsmomente, die vollkommen organisch wirken. Die
       als Mobile gehängten „Melody Dots 14“ geraten in erratische Schwingungen
       wie die eines Spinnennetzes. „In Soil“, riesige grün schimmernde
       Lichtschwaden (als Video zu sehen), sind in der Tat der Zikade gewidmet,
       die auf synästhetische Weise hör- und sichtbar wird. 
       
       ## Enzyklopädie des Luftraums: Die Arbeitsschichten der Malerin Suyeon Kim
       
       Sie träumt vom Fliegen, ist Malerin, und dabei wird sie – das ist in ihrer
       ersten Ausstellung in Deutschland auf eindrückliche Weise erfahrbar –
       gleichsam zur Szenografin. [3][Suyeon Kim] eröffnet mit ihrer
       Einzelausstellung „Early efforts of balooning“ die Reihe „Enzyclopedia“ bei
       [4][Aando Fine Art].
       
       Auf Nachschlagewerken basiert auch Kims Rechercheprozess. Ihrer
       Auseinandersetzung mit frühen Flugversuchen liegt eine Suche nach
       historischen Abbildungen zugrunde (auch die Aando Crew hat Materialien
       gesammelt), die sie zunächst unter Beigabe eigener Elemente in
       dreidimensionale Modelle überträgt, die wiederum frei auf die Leinwand
       zurückübersetzt werden.
       
       Ihre temporären Sets leuchtet sie einem Bühnenbild gleich aus, das samt
       Umgebung und Schattenwürfen Teil der Bildinformation wird. Diese „paper
       sculpture drawings“ treten anstelle einer Vorzeichnung und werden häufig am
       Ende des Arbeitsprozesses von der Künstlerin zerstört. Hier sind die
       nachgebauten Zeppeline, die auf dem Gemälde „Airstrip“ in ein Wettrennen
       treten, aber neben anderen Flugobjekten in den Raum integriert.
       
       Bunte Bälle schweben in Netzen, wie sie zum Halt von Fessellballons
       eingesetzt werden. Schließlich ist ein schwarzer Ballon unter den weißen
       Streifen so wunderbar abstrakt in Öl rekonstruiert, dass nur noch der Titel
       „Baloon 4“ auf etwas Gegenständliches verweist.
       
       Diese Texte erscheinen im taz.plan. Mehr Kultur für Berlin und Brandenburg
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       20 Jul 2016
       
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