# taz.de -- Segel-Woche auf Kieler Förde: Regatta mit Festivalatmosphäre
       
       > Die Kieler Woche hat zwar ihren Weltcupstatus verloren, dennoch gibt es
       > neben Currywurst und Windjammern viele spannende Wettbewerbe auf dem
       > Wasser.
       
 (IMG) Bild: Tradition, Showbühne und Sport: Die Kieler Woche
       
       KIEL taz | Seglerisch kommt 2016 einem Superwahljahr gleich. Nicht nur,
       weil schon in wenigen Wochen in Rio die Olympische Spiele beginnen. 2016
       hat noch mehr Superevents zu bieten, die nur alle vier Jahre abgehalten
       werden: Das Vendée Globe, die Extrem-Nonstop-Weltregatta der großen
       Einhandstars. Oder die legendären Atlantikregatten The Transat und
       Quebéc-St. Malo.
       
       Und nun die Kieler Woche, in einer Stätte, die selbst einmal Olympisches
       Dorf gewesen ist, über der ein Olympiafeuer thront und die auch noch
       „Olympiazentrum“ heißt. Und die traditionell tausende junger Athleten mit
       internationalen Olympiajollen und kleinen Booten beherbergt.
       
       Traditionell ist die Kieler Woche wohl die welteinzige Regatta mit einer
       gewissen Festivalatmosphäre. Der groovige Zeltplatz des Olympiazentrums von
       Kiel-Schilksee ist so weit vom restlichen Kieler-Woche-Trubel entfernt,
       dass niemand merkt, dass unten in der Stadt auch Musik spielt.
       
       Dort hat Sigmar Gabriel zwar mit seinem „Leinen los“ die Kieler Woche am
       Samstagmorgen eröffnet und die ersten Regattayachten auf die Reise
       geschickt. Doch so richtig interessiert sich hier niemand für den Festakt,
       jedes Jahr kommt irgendein Politpromi zur Eröffnung nach Kiel.
       
       Hier oben in Schilksee haben sie andere Sorgen. Sie müssen ihr Programm
       durchbekommen. Und aufs Neue beweisen, dass sie als größte Regattawoche der
       Welt eines erdumspannenden Weltcupstatus würdig sind. Die Kieler Woche
       hatte ihren Weltcup-Status 2013 aufgrund von Terminüberschneidungen
       verloren.
       
       Die Woche ist zweigeteilt und der „wichtige“, zweite Olympiateil lag
       terminlich zu dicht an einer anderen Weltcupveranstaltung, sodass immer
       mehr der Champions der Olympiakaravane wegblieben.
       
       Was aber wäre glaubwürdiger, als mit einem Feuerwerk an Zusatzevents auf
       den besonderen Status der Woche zu pochen: Die erste Europameisterschaft
       der J-70-Sportboote. Mit den neuen sportlichen Vierpersonen-Sportgeräten
       wird auch die Segel-Bundesliga bestritten. Die Klasse boomt, Teilnehmer:
       Über 100 Schiffe. Oder die Junioren-WM der Olympischen 470er Klasse, eine
       honorige Weltklasseveranstaltung mit viel Vorschusslorbeer. Oder die
       Internationalen Deutschen Meisterschaften der großen deutschen
       Offshoreyachten. Ein Event, für das eigens eine Traditions-Mittelstrecke zu
       einer Langstrecke großgezogen wurde, weil es die Meisterschaftsstatuten
       verlangen. Oder die offene Deutsche Meisterschaft der Olympischen
       Katamarane der „mixed“ Disziplin, der Nacra-17-Klasse.
       
       Und was ist mit dem Rest, den Currywurstessern? Mit den hunderten
       Traditionsseglern und Windjammern? Mit den Dutzenden von Showbühnen? Mit
       der Stadt, in der eine Woche Ausnahmezustand herrscht? Das Fest in Kiel ist
       so groß, dass es nicht einmal ansatzweise mit „Hafenfesten“ in unseren
       Kleinstädten vergleichbar ist. Nicht nur ein Fest für shiplover, scheint
       die Woche oft wie ein Gauklertreff am Wasser. Weil Kiel aber an der Grenze
       zur Provinz liegt, nennen Spötter es auch „Landeshauptdorf“.
       
       Aber für ein Dorf kann sich die Qualität der Kieler Regatten sehen lassen.
       Und unten in Kiel wissen viele Radaubrüder nicht einmal mehr, dass sie sich
       auf etwas befinden, das eigentlich ein maritimes Fest ist – und dann noch
       eins aus Zeiten, die einst vom Kaiser gesegnet waren. 1882 gilt als das
       Geburtsjahr der Kieler Woche.
       
       Bis etwa in die Achtziger war die Woche nicht geteilt, alle mussten immer
       da sein. Und heute, über ein Jahrhundert nach der Ur-Regatta und zwei
       Olympische Spiele später, streiten sie sich, ob die Kieler Woche seglerisch
       zu Unrecht gerade einen Weltcupstatus verloren hat. Man darf beruhigt sein:
       Weltcupstati kommen und gehen (und natürlich kommt er wieder), aber die
       Kieler Woche bleibt. Sie bleibt eine Art Initiationsritus für Segler. Und
       Siege auf der Kieler Förde schimmern ein ganzes Leben lang golden.
       
       19 Jun 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Matthias Beilken
       
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       Der findet aber fast nie wegen der Kieler Woche zur Marine.