# taz.de -- Verbote auf Campingplätzen: Kinder müssen draußen bleiben
       
       > Ein Zeltplatz in Brandenburg erlaubt keine Camper unter 14 Jahren.
       > Fachleute sehen darin eine Diskriminierung, Pädagogen dagegen könnten
       > sich über die Ruhe freuen.
       
 (IMG) Bild: Trautes Heim, Glück allein – und zwar ganz ohne Kinder
       
       Fürstenberg dpa | Kein Ort für Kinder: Ein Campingplatz in Brandenburg
       nimmt keine Gäste unter 14 Jahren auf und stößt damit bei der
       Antidiskriminierungsstelle auf Kritik. „Wir wollen Ruhe verkaufen. Unser
       Platz lebt vom Vogelgezwitscher“, sagte die Betreiberin des Platzes am
       Großen Wentowsee Christiane Erdmann am Dienstag und bestätigte
       Medienberichte. „Bei uns wird man am Morgen von Vögeln geweckt und nicht
       von Kindern.“
       
       Die Zielgruppe? „Wir haben viele Gäste, die im Alltag mit Kindern arbeiten
       – als Lehrer oder im sozialen Bereich. Und die sagen: In unserer Freizeit
       wollen wir einfach abschalten.“ Im Netz wird der Ausflugsort als
       „Campingplatz für Erwachsene“ beworben.
       
       Erdmann – selbst Mutter von zwei kleinen Kindern – verwies darauf, dass
       solche Erholungsorte nur für Erwachsene etwa in Großbritannien ganz normal
       und dort völlig unumstritten seien. Zudem gebe es in der Nähe ihres Platzes
       eine Ausweichmöglichkeit: „Wir arbeiten mit dem Campingplatz am Ellbogensee
       zusammen, der sich auf Kinder und Familien spezialisiert hat. Wir schicken
       uns dann die Gäste zu.“
       
       Erst vor kurzem hatte ein Hotel im brandenburgischen Bad Saarow viel Kritik
       einstecken müssen, weil es nur noch Gäste ab 16 Jahren beherbergt. Im
       vergangenen Jahr hatte zuvor ein Wirt in Düsseldorf in Sozialen Netzwerken
       für Aufregung gesorgt, der einen Teil seines Biergartens mit dem Schild
       „Keine Kinder – Keine Hunde“ absperrte.
       
       ## Nicht persönlich nehmen
       
       Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sieht das Geschäftsmodell, Kinder
       außen vor zu lassen, kritisch. Eine Regelung, bei der Hotels oder
       Campingplätze nur Erwachsene zulassen, könne gegen geltendes Recht
       verstoßen. „Die Frage ist, ob es einen sachlichen Grund für solch eine
       unterschiedliche Behandlung gibt“, heißt es in einem Statement. „Vor drei
       Jahren hat einmal ein Gericht geurteilt, das „gänzliche andere Ruhe- und
       Erholungsbedürfnis“ von Erwachsenen im Vergleich zu Kindern sei ein solcher
       sachlicher Grund.“
       
       Bei der Antidiskriminierungsstelle sieht man eine solche Logik mit Skepsis.
       „Denn wenn Kinder pauschal ausgeschlossen werden, benachteiligt das ja auch
       die Eltern, die ein Hotel oder einen Campingplatz als Familie dann nicht
       besuchen können. Dann werden auch die Erwachsenen benachteiligt, und zwar
       wegen des Alters ihrer Kinder.“
       
       Erdmann betonte, ihre Altersbegrenzung solle nicht persönlich genommen
       werden. „Das ist eines von vielen Konzepten. Ich bin Nichtraucher und gehe
       dann auch gezielt nicht in die Raucherkneipe. Ich verstehe auch nicht, dass
       man sich so darüber aufregen kann.“
       
       11 May 2016
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Camping
 (DIR) Kinder
 (DIR) Eltern
 (DIR) Auto
 (DIR) Camping
 (DIR) Jugendarbeit
 (DIR) Zelten
 (DIR) Italien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kolumne Generation Camper: Pioniere der Langsamkeit
       
       Die Raststätte „eine schillernde kleine Stadt“ für die Schriftsteller Julio
       Cortazar und Carol Dunlop. Für andere ein finsterer Ort.
       
 (DIR) Kolumne Ich meld mich: Na, alter Platzhirsch
       
       Hinters Zelt pinkeln ist nicht mehr zeitgemäß: Tipps und Tricks für einen
       harmonischen Camper-Urlaub im Hochsauerland oder auf der Alb.
       
 (DIR) Streit über Dauercamper am Unisee: Occupy Blockland
       
       Die Dauercamper um Konrad Kunick sollen mal wieder den Platz räumen. Der
       Grund: 30.000 Euro Pachtschulden. Doch auch die Jugendverbände wehren sich.
       
 (DIR) Luxus-Camping: Bequemlichkeit ist Trumpf
       
       Nicht nur der Campingplatz im Chianti will eine neue Zielgruppe
       erschließen: Campingfreunde mit Hang zum Luxus finden immer mehr Orte.
       
 (DIR) Capraia: Beglückendes Dolcefarniente
       
       Die fast autofreie, kleine Insel an der toskanischen Küste Italiens ist nur
       für Individualisten, Wanderer oder Vogelliebhaber geeignet.