# taz.de -- Kriegsverbrecher-Prozess in Bangladesch: Todesurteil gegen Islamisten bestätigt
       
       > Das Oberste Gericht hat in Bangladesch das Urteil gegen einen Islamisten
       > wegen Kriegsverbrechen im Krieg 1971 bestätigt. Scheitert ein
       > Gnadengesuch, wird er gehängt.
       
 (IMG) Bild: Kann nur noch auf Gnade hoffen: Kriegsverbrecher und Islamistenführer Nizami
       
       Dhaka afp/taz | Der Oberste Gerichtshof in Bangladesch hat das Todesurteil
       gegen einen führenden Oppositionspolitiker wegen Kriegsverbrechen während
       des Unabhängigkeitskriegs 1971 bestätigt. Die Berufung des Vorsitzenden der
       größten islamistischen Partei Jamaat-e-Islami, Motiur Rahman Nizami, wurde
       am Donnerstag in letzter Instanz abgewiesen. Außer einem möglichen
       Gnadengesuch gebe es nun „kein Hindernis“ mehr für die Hinrichtung des
       73-Jährigen, erklärte Generalstaatsanwalt Mahbubey Alam.
       
       Nizami war wegen Gräueltaten während des Unabhängigkeitskriegs 1971 vor
       Gericht gestellt worden. Im Oktober 2014 wurde er von einem umstrittenen
       Kriegsverbrechertribunal wegen Mordes, Vergewaltigung und Plünderungen zum
       Tode verurteilt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, als
       Anführer einer Miliz Morde an Wissenschaftlern, Schriftstellern und Ärzten
       gesteuert zu haben.
       
       Nizami ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender der islamistischen Partei
       Jamaat-e-Islami. Von 2001 bis 2006 war er Minister unter der damaligen
       Koalitionsregierung mit der konservativen Bangladesh Nationalist Party
       (BNP).
       
       Nach der Ablehnung seiner letzten Berufungsmöglichkeit kann der 73-Jährige
       jetzt noch ein Gnadengesuch beim Präsidenten stellen. Bislang wurde in
       Bangladesch aber noch kein verurteilter Kriegsverbrecher begnadigt. Seine
       Hinrichtung dürfte damit unmittelbar bevorstehen.
       
       ## Opposition kritisiert Prozesse
       
       Die Opposition sieht das Verfahren gegen Nizami und andere ähnliche
       Prozesse als politisch motiviert an. In Bangladesch wurden in den
       vergangenen Jahren zahlreiche Oppositionelle, darunter viele Islamisten,
       wegen Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg gegen Pakistan 1971 zu
       langen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt. Internationale
       Menschenrechtsorganisationen kritisieren zahlreiche Verfahrensmängel und
       die Verhängung der Todesstrafe, auch wenn sie grundsätzlich die Verfolgung
       der Kriegsverbrechen befürworten.
       
       Im Jahr 2010 war in Bangladesch ein Tribunal zur Aufarbeitung von
       Gräueltaten während des Unabhängigkeitskrieges eingesetzt worden. In dem
       Krieg hatte sich das damalige Ost-Pakistan mit Unterstützung Indiens vom
       Westteil des Landes abgespalten. Dabei wurden laut unabhängigen Schätzungen
       300.000 bis 500.000 getötet.
       
       5 May 2016
       
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