# taz.de -- Prozess gegen Journalisten in der Türkei: Ohne Öffentlichkeit vor Gericht
> Spionage und Terrorunterstützung: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
> wiegen schwer. Verhandelt wird hinter verschlossenen Türen.
(IMG) Bild: Vor Prozessbeginn finden sich Unterstützer der Angeklagten am Gericht ein
Istanbul dpa | Der Prozess gegen zwei türkische Journalisten ist am Freitag
in Istanbul hinter verschlossenen Türen fortgesetzt worden. Den Redakteuren
der Zeitung Cumhuriyet, Can Dündar und Erdem Gül, droht bei einer
Verurteilung lebenslange Haft.
Dündar ist Chefredakteur des regierungskritischen Blattes, Gül der Leiter
des Hauptstadtbüros. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem
Spionage und Unterstützung einer Terrororganisation vor.
Hintergrund der Anklage ist ein Bericht der Cumhuriyet über angebliche
Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien aus dem vergangenen
Jahr. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte persönlich Anzeige gegen
Dündar und Gül erstattet. Der Präsident ist neben dem türkischen
Geheimdienst MIT Nebenkläger im Prozess.
Vor dem Gericht versammelten sich Anhänger der beiden Redakteure, darunter
Rechtsanwälte und Journalisten. Einige hielten Plakate mit der Aufschrift
„Freie Presse, freie Gesellschaft“ hoch.
Menschenrechtsgruppen kritisierten die Entscheidung, mit dem Verfahren
unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortzufahren. Die Verteidigung hatte
für einen öffentlichen Prozess plädiert.
1 Apr 2016
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