# taz.de -- Kommentar zum Kampf ums Münzviertel: Armutszeugnis für die Stadt
       
       > Die Hamburger Finanzbehörde agiert gegenüber dem „Koze“ aggressiv - und
       > gegen geltendes Recht. Es wäre dumm, das nicht zu verhindern.
       
 (IMG) Bild: Einsatz am „Kollektiven Zentrum“ im September 2014: womöglich nicht rechtens.
       
       HAMBURG taz | Das Verhalten der Finanzbehörde gegenüber den Mietern vom
       Kollektiven Zentrum (Koze) ist aggressiv. Während alle anderen AkteurInnen
       das Gespräch suchen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, schafft die
       Behörde einfach Tatsachen – im Zweifel auch mit brachialer Gewalt und gegen
       geltendes Recht.
       
       Die Begründung für die Kündigung ist zynisch: 400 Wohnungen sollen auf dem
       Gelände entstehen. Das stimmt zwar – man muss aber bedenken, dass die Stadt
       dafür ein öffentliches Grundstück an einen privaten Investor verkauft, der
       dort winzige Wohnungen bauen und extrem teuer vermieten will. Der Baubeginn
       ist für Frühjahr 2017 terminiert. Dass die Behörde dem Mieter ein Jahr
       früher kündigt, begründet sie so: Man müsse damit rechnen, dass das Koze in
       den Rechtsstreit geht, diese Zeit müsse man einkalkulieren. Mit anderen
       Worten: Weil die AktivistInnen sich einen Anwalt nahmen, wird ihnen jetzt
       gekündigt.
       
       Und was machen die Bezirksabgeordneten? Fast nichts. Sie versuchen, zu
       beschwichtigen, aber klar positionieren will sich niemand.
       
       „David gegen die Finanzbehörde“, nennt die Stadtteilinitiative ihren Kampf.
       Sie hat recht – das Missverhältnis schreit zum Himmel. Die einen bieten
       kostenlose Beratung und Hilfe für Geflüchtete, veranstalten Sportkurse,
       betreiben eine Fahrradwerkstatt, organisieren Konzerte, Kleidertausch und
       Computerhilfe. Sie organisieren sich selbst, sie schaffen einen Freiraum.
       Stadtgestaltung von unten? Die passt da wohl einigen nicht. Sie hauen
       stumpf drauf, weil sie meinen, es zu können.
       
       Wenn die GegnerInnen des Kozes damit durchkommen, ist das ein Armutszeugnis
       für die Stadt. Sie lässt sich von der Finanzbehörde ausverkaufen. Es ist
       feige und dumm, das nicht zu verhindern.
       
       28 Mar 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Schipkowski
       
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