# taz.de -- Das war die Woche in Berlin II: Der Politiker und seine Bürochefin
       
       > Raed Saleh ist ein guter und leidenschaftlicher Bildungssenator, könnte
       > man schlussfolgern. Nur: Er ist Fraktionschef. Und Scheeres die
       > Bildungssenatorin.
       
 (IMG) Bild: SPD-Fraktionsvorsitzender Raed Saleh (Mitte) zwischen dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und der Bildungssenatorin Sandra Scheeres im Januar 2016
       
       Es ist knapp drei Jahre her, da saßen die beiden Sozis Raed Saleh und
       Sandra Scheeres bei einer Pressekonferenz nebeneinander und verkündeten die
       Einführung eines Sonderetats für sozial belastete Schulen. 100.000 Euro
       bekommen seither Bildungseinrichtungen, die in sozialen Brennpunkten
       liegen. Die Idee kam von Saleh, der sie damit begründete, an
       Brennpunktschulen würden Lehrkräfte „bis zur Grenze ihrer Erschöpfung
       arbeiten“. Das verdiene Respekt, das Programm solle das anerkennen und
       ihnen Mut machen. Frau Scheeres’ Kommentar zu dem Sonderetat klang
       erheblich nüchterner: Die „benannten Schulen“ sollten damit „in die Lage
       versetzt werden, die Schülerinnen und Schüler noch besser als bisher zu
       fördern“. Sachlicher Verwaltungssprech.
       
       Nun hat der SPDler einen weiteren bildungspolitischen Coup gelandet: Am
       Dienstag beschloss der Senat, Berlins Kitas ab 2018 komplett beitragsfrei
       zu stellen und zudem die Personalausstattung zu verbessern. Auch das war
       ein Vorschlag von Raed Saleh – den Scheeres nun umsetzen muss. Sie spricht
       vom „Dreiklang von Kita-Ausbau, Qualitätsverbesserungen und
       Gebührenbefreiung“. Saleh von Willy Brandt, der Arbeiterkinder an die Uni
       bringen wollte.
       
       Ein guter und leidenschaftlich sozialdemokratischer Bildungssenator, könnte
       man schlussfolgern – mit einer pflichtbewussten Verwaltungsleiterin. Nur:
       Saleh ist gar nicht der Senator, sondern Fraktionschef. Und Scheeres die
       Bildungssenatorin.
       
       Bewirbt sich da jemand um einen neuen Posten nach den kommenden
       Landeswahlen? Dass Saleh nicht dauerhaft Abgeordneter bleiben will, hat er
       schon unter Beweis gestellt, als er nach dem vorzeitigen Abgang des
       Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit seinen Hut in die SPD-interne
       Nachfolgeauswahl für den Posten geworfen hat.
       
       Geworden ist es sein Konkurrent Michael Müller. Wenn der SPD-Fraktionschef
       dessen Senat nun mit politischen Vorschlägen Beine macht, poliert er damit
       aber nicht nur sein eigenes Profil. Es nützt der ganzen Berliner SPD.
       
       5 Mar 2016
       
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 (DIR) Alke Wierth
       
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