# taz.de -- Bosnischer Menschenrechtler gestorben: Alles, nur nicht nationalistisch
> Er war Journalist, jugoslawischer Diplomat und zuletzt Ikone der
> Zivilgesellschaft in Sarajevo. Nun ist Srdjan Dizdarevic gestorben.
(IMG) Bild: Damals und dort wurde Srdjan Didarevic besonders gebraucht: Sarajevo, 1995.
Sarajevo taz | Srdjan Dizdarevic war eine Ikone der Zivilgesellschaft in
Sarajevo. Der 1952 geborene ehemalige Vorsitzende des Helsinki-Komitees für
Menschenrechte in Bosnien und Herzegowina erlag am Dienstag einer langen
Krankheit.
Srdjan Dizdarevic stammt aus einer prominenten Partisanenfamilie – sein
Onkel Raif Dizdarevic war der vorletzte Präsident Jugoslawiens. 1976
schloss er sein Studium an der Universität von Sarajevo ab, wurde
Chefredakteur der damaligen Jugendpresse, dann stellvertrender
Chefredakteur der Tageszeitung Oslobodjenje („Befreiung“).
Er beeinflusste wesentlich die Diskussion über die Demokratisierung des
Systems in den achtziger Jahren, als in Jugoslawien nach dem Tod Titos 1980
um die Zukunft des Landes gerungen wurde. Ende der 80er Jahre wurde er
Diplomat an der jugoslawischen Botschaft in Paris.
Doch nicht der demokratische Flügel im Bund der Kommunisten und die anderen
Reformkräfte sollten das Schicksal des Landes bestimmen, sondern die
Nationalisten und Wendehälse in den Republiken Jugoslawiens.
Zu Beginn des Krieges in Bosnien 1992 kehrte Dizdaravic aus Paris in das
von serbischen Truppen belagerte Sarajevo zurück und erhob seine Stimme
gegen Rassismus und Nationalismus. Als Sprecher der Zivilgesellschaft wurde
er vor allem nach dem Krieg zum begehrten Gesprächspartner für ausländische
Diplomaten und Politiker.
Die Nationalisten aller Seiten jedoch versuchten bis zuletzt mit allen
Mitteln – auch persönlichen Diffamierungen – gegen den unbequemen
Verfechter einer multinationalen, demokratischen Gesellschaft vorzugehen.
Angesichts seines Engagements für Menschenrechte wurde er 1995 zum
Vorsitzenden des bosnischen Helsinki-Komitees für Menschenrechte gewählt
und bald darauf Vizepräsident der weltweiten Organisation.
Als führendes Mitglied der nichtnationalistischen Bürgerpartei „Nasa
Stranka“ – die bei den letzten Wahlen in Sarajevo über 10 Prozent der
Stimmen gewann – trat er für eine Zusammenarbeit der Partei mit den
europäischen Grünen ein. Mit Srdjan Dizdarevic hat Sarajevo einen seiner
herausragenden Intellektuellen verloren.
17 Feb 2016
## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
## TAGS
(DIR) Sarajevo
(DIR) Menschenrechte
(DIR) Bosnien und Herzegowina
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