# taz.de -- Neue Filtertechnik bei Wasserbetrieben: Rettung aus der Reiseapotheke
       
       > In Tegel erproben die Berliner Wasserbetriebe eine neue
       > Filtrationstechnologie: Aktivkohle aus einem haushohen Silo holt
       > Medikamentenrückstände aus dem Wasser.
       
 (IMG) Bild: Die schiffsförmige Oberflächenwasseraufbereitungsanlage (OWA) Tegel, in der rechten Bildhälfte ist der neue Aktivkohle-Silo zu erkennen. Die OWA entfernt schon seit 30 Jahren Phosphat-Reste aus dem Wasser des Klärwerks Schönerlinde, das über den Nordgraben zum Tegeler See fließt. Dieser ist dadurch nach Angaben der Wasserbetriebe eines der saubersten Gewässer der Region.
       
       Akronyme sollen ja möglichst im Ohr bleiben. „ASKUWBBR“ wäre die korrekte,
       aber wenig eingängige Abkürzung für ein Forschungsprojekt mit dem Namen
       „Anthropogene Spurenstoffe und Krankheitserreger im urbanen Wasserkreislauf
       – Bewertung, Barrieren und Risikokommunikation“. Stattdessen heißt das
       Ganze einfach „ASKURIS“ – was elegant, ja sogar ein bisschen mythisch
       klingt.
       
       Die Realität ist dann doch nüchterner: Auf dem Gelände der
       Oberflächenwasseraufbereitungsanlage (OWA) Tegel, die seit rund 30 Jahren
       den Tegeler See vor der Einleitung von Phosphaten und anderen Nährstoffen
       schützt, steht jetzt weithin sichtbar ein 21 Meter hoher Silo. Er enthält
       knapp 70 Tonnen Aktivkohle, einen Stoff, der nicht nur in der Reiseapotheke
       im Falle einer Durchfallerkrankung von Nutzen ist, sondern auch chemische
       Verbindungen aus scheinbar sauberem Wasser filtern kann, gegen die
       konventionelle Kläranlagen machtlos sind: in erster Linie Medikamente, aber
       beispielsweise auch künstliche Süßstoffe.
       
       Der Silo und die daran angeschlossene Reinigungstechnik sind seit Mittwoch
       offiziell in Betrieb, sie ersetzen eine viel kleinere erste Testanlage auf
       demselben Gelände und sollen jetzt zeigen, ob sich die Technologie auch im
       großen Maßstab bewährt. Das Ganze wird im Rahmen des ASKURIS-Projekts der
       Wasserbetriebe seit 2011 vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert
       und unter anderem von der Technischen Universität (TU) Berlin
       wissenschaftlich betreut.
       
       Ein Teelöffel Aktivkohle pro Kubikmeter wird ab sofort die unerwünschten
       Spuren aus dem Wasser eliminieren, das die Anlage über den Nordgraben aus
       dem Klärwerk Schönerlinde bezieht. Dorthin, an den Nordrand von Berlin,
       werden dann auch die mit den schädlichen Molekülen vollgesogenen
       Kohlepartikel zurückgespült. Sie vereinigen sich mit dem ohnehin
       anfallenden Klärschlamm, der schlussendlich in Ruhleben verbrannt wird.
       Schon in Schönerlinde kommt ASKURIS übrigens zur Anwendung: in Form einer
       „Ozonung“, die die chemischen Verbindungen quasi zertrümmert.
       
       ## Gespräche mit der Pharmaindustrie
       
       Wasserbetriebe-Vorstandchef Jörg Simon wies bei der Inbetriebnahme am
       Mittwoch darauf hin, dass man auch über eine bessere Aufklärung der
       Bevölkerung und Gespräche mit der Pharmaindustrie daran arbeite, dass von
       vornherein weniger der hartnäckigen Medikamentenrückstände ins Abwasser
       gelangen. „Die Wasserwirtschaft wird ihren Teil leisten“, so Simon, „aber
       sie ist kein universeller Reparaturbetrieb.“
       
       Nach Abschluss des Großtests gegen Ende des Jahres sollen das Klärwerk
       Schönerlinde und die OWA Tegel komplett mit der neuen Technologie
       ausgestattet werden. Bei diesem Ausbau der sogenannten „4. Reinigungsstufe“
       geht es um eine Investition von rund 20 Millionen Euro.
       
       17 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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