# taz.de -- Die Wahrheit: Gott rettet die Königin nicht mehr
       
       > Schottland und Wales haben ihre eigene Hymne, England hat keine. Das soll
       > sich bei Sportveranstaltungen ändern.
       
       England soll eine eigene Nationalhymne bekommen. Aber welche? Das soll die
       Bevölkerung entscheiden. Favorit ist „Jerusalem“, ein von Hubert Parry
       vertontes Gedicht von William Blake. Es bezieht sich auf Jesus, der mal in
       Glastonbury gewesen sein soll. Ein Kritiker merkte an, dass es merkwürdig
       sei, wenn die Nationalhymne eines Landes den Titel einer Stadt in einem
       anderen Land trage.
       
       Der Vorschlag für eine eigene Hymne kam vom Labour-Abgeordneten Toby
       Perkins. Vorsichtshalber fügte er hinzu, dass er weder Republikaner, noch
       Atheist oder englischer Nationalist sei und nichts gegen Gott, die Königin
       oder das Vereinigte Königreich habe. Aber schließlich gebe es
       Sportveranstaltungen, bei denen die Länder des Vereinigten Königreichs
       getrennt antreten, zum Beispiel bei den Commonwealth Games oder beim
       Fußball.
       
       Schottland und Wales haben ihre eigenen Hymnen, die bei solchen
       Veranstaltungen gesungen werden. Die Engländer haben sich bisher mit
       unterschiedlichen Hymnen beholfen, zuletzt mit Edward Elgars „Land of Hope
       and Glory“, was bei dem derzeitigen Zustand des Landes etwas angestaubt
       klingt. Eine Nationalhymne soll die Bevölkerung in Krisenzeiten
       inspirieren, schrieb ein Kommentator, aber „God Save the Queen“ klinge wie
       ein „monotoner Grabgesang“. Das muss nicht sein. Man könnte die Version der
       Sex Pistols nehmen. Da reimt sich „Queen“ auf „fascist regime“, was die
       Chancen des Songs bei der Abstimmung wohl beeinträchtigen würde. Bessere
       Aussichten hätte der Vorschlag des Guardian: „Always Look on the Bright
       Side of Life“ von Monty Python sei perfekt, wenn Englands Kicker wieder im
       Elfmeterschießen verloren haben.
       
       Der Tory-Abgeordnete Jacob Rees-Mogg will keine neue Hymne. „Welch größeres
       Vergnügen kann es für einen wahren Engländer oder eine wahre Engländerin
       geben“, so fragte er, „unserer eigenen Nationalhymne zu lauschen?” 99,9
       Prozent der Engländer könnten ihm wahrscheinlich ein paar Tipps geben. Die
       Queen ist ebenfalls not amused. Ihre Cousine Margaret Rhodes sagte: „Eine
       alberne Idee. Wir waren stets mit ‚God Save the Queen‘ zufrieden, warum
       sollen wir das ändern? Das ist ziemlich ungezogen.“
       
       Die erste Hürde hat Perkins’ Vorschlag aber bereits genommen, im März wird
       er im Unterhaus debattiert. Nur in Nordirland will man auch beim Sport an
       „God Save the Queen“ festhalten. So könnte es bei der
       Fußballeuropameisterschaft im Juni zu einer interessanten Konstellation
       kommen, sollten England und Nordirland aufeinandertreffen. Die einen singen
       ihre neue, die anderen die alte Hymne. Das könnte die englischen Spieler
       dermaßen verwirren, dass sie den Ball ständig dem Gegner geben, weil der ja
       die bisherige Nationalhymne gesungen hat.
       
       Aber die Nordiren verlieren bei Nationalsymbolen auch gern den Überblick:
       2015 gab es große Aufregung, weil eine irische Fahne über einer Grundschule
       in Belfast wehte. Es war die italienische Fahne, die zu Ehren der
       Schwesterschule in Sizilien gehisst worden war.
       
       1 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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