# taz.de -- Belagerung im Kurdengebiet: Dramatische Lage in der Stadt Cizre
       
       > Die Kurdenpartei HDP ruft nach internationaler Hilfe für die
       > eingeschlossene Bevölkerung. Regierungsnahe Medien sprechen von
       > PKK-Kämpfern.
       
 (IMG) Bild: Seit Tagen gibt es in Cizre heftige Kämpfe. Die Stadt ist von der Armee umstellt.
       
       Istanbul taz | Die linke kurdische HDP (Partei der Völker) hat am
       Donnerstag einen internationalen Notruf gestartet. Nach Angaben der Partei
       sind in der vom Militär belagerten kurdischen Stadt Cizre, 28 verwundete
       Menschen in einem Haus eingeschlossen, die dringend ärztliche Hilfe
       benötigen. Vier von ihnen seien bereits gestorben. In Cizre ist schon vor
       Wochen eine Ausgangssperre verhängt worden. Kurdische Militante und die
       Armee kämpfen um die Kontrolle in mehreren Stadtvierteln.
       
       Nach Angaben von HDP-Vertretern vor Ort wird das Haus von
       Spezialpolizeieinheiten belagert und beschossen. Drei Abgeordnete der
       Partei haben bereits am Mittwoch im Innenministerium in Ankara versucht zu
       erreichen, dass die Polizei Ambulanzfahrzeuge vorfahren lässt, damit die
       Verwundeten abtransportiert werden können.
       
       Obwohl der stellvertretende Innenminister Sebahattin Öztürk sich daraufhin
       mit dem Gouverneur vor Ort in Verbindung gesetzt hat, passierte dort
       nichts. Die drei HDP-Abgeordneten, darunter der frühere Bürgermeister von
       Diyarbakir, Osman Baydemir, haben daraufhin am Mittwoch im Innenministerium
       einen Hungerstreik begonnen.
       
       Während die HDP von verletzten Zivilisten spricht, die in das Haus
       geflüchtet sind, sprechen die regierungsnahen Medien davon, dass sich
       PKK-Kämpfer in dem Haus befinden. Auf Veranlassung des Gouverneurs sei
       dennoch ein Krankenwagen in die Nähe des Hauses gebracht worden, doch kein
       Verletzterhabe den in Anspruch nehmen wollen.
       
       ## Eskalation auch in Diyarbakır
       
       Da die gesamte Stadt Cizre vom Militär abgesperrt ist, ist es unmöglich,
       unabhängige Informationen zu bekommen. Die telefonischen Notrufe aus Cizre
       sind aber so dramatisch, dass Amnesty International jetzt [1][zu einer
       urgent action aufgerufen] hat. Ausländische Regierungen sollen sich
       einschalten. Kurdische Vertreter fordern schon länger, dass die EU sich in
       den Konflikt im Südosten der Türkei engagiert. In einem Interview hatte der
       Ko-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas, insbesondere die deutsche
       Regierung aufgefordert, ihr Gewicht für einen Waffenstillstand im Südosten
       der Türkei einzusetzen.
       
       Nicht nur in Cizre, auch in der größten kurdischen Stadt Diyarbakır, ist
       die Situation weiter eskaliert. Nachdem am Mittwoch bei einem Schusswechsel
       in der umkämpften Altstadt vier Soldaten und ein Polizist getötet wurden,
       ist die Ausgangssperre noch am Mittwochabend auf die gesamte Altstadt
       ausgedehnt worden.
       
       In den bisherigen 60 Tagen der Belagerung der Altstadt war nur ein Teil von
       der Ausgangssperre betroffen. Hunderte Bewohner verließen bislang ihre
       Häuser und suchten Zuflucht in anderen Stadtteilen. Durch die Ausweitung
       der Kampfzone sind bis zu 70.000 Menschen betroffen.
       
       28 Jan 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-023-2016/dringend-benoetigte-hilfe
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Gottschlich
       
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