# taz.de -- heute in Bremen: "Ein Buch mit Leerstellen"
       
       > LESUNG Geschichten der Anti-Atombewegung stellt das Herausgeberkollektiv
       > Tresantis vor
       
       taz: Herr Benner, was hat die Anti-Atom-Bewegung ausgemacht? 
       
       Hauke Benner: Die Stärke der Bewegung lag in der Einheit der Vielfalt,
       durchaus auch weil es dabei ein Zusammenspiel von militanten und
       friedlichen Aktionen gab. Es war die größte und am besten organisierte
       Bewegung in Deutschland nach der Studentenbewegung.
       
       Wie sieht die Anti-Atom-Bewegung denn heute aus? 
       
       Die ganze Welt glaubt, Deutschland ist 2011 ausgestiegen, deswegen gibt es
       nur noch punktuelle und lokale Widerstände, beispielsweise bei
       Zwischenlagern, und keine bundesweiten Bewegungen mehr. Das ist schade,
       denn das Thema ist nicht vorbei, so lange andere Länder es noch machen. So
       ist das nur ein halber Ausstieg und kann auch für uns katastrophale Folgen
       haben.
       
       Ist das Buch eine Art Chronik der Bewegung? 
       
       Ja, es geht darin zum einen um die Kämpfe der Anti-Atom-Bewegung, zum
       anderen um die Atompolitik heute und die daraus resultierenden Aussichten
       für die Zukunft. Uns war es sehr wichtig, unterschiedlichste Menschen mit
       ihren Geschichten und Erlebnissen zu Wort kommen zu lassen.
       
       Auch diejenigen, die mittlerweile ziemlich abgedriftet sind, wie Holger
       Strohm? 
       
       Nein, die haben wir nicht berücksichtigt. Die Bewegung bestand aber auch
       nicht nur aus Holger Strohm.
       
       Aber er war eine Leitfigur – und ist auch in der Abdrift kein Einzelfall … 
       
       Stimmt. Die kommen trotzdem nicht vor: Wir verzichten oft auf biografische
       Angaben. Wir haben die AktivistInnen von damals selber schreiben lassen. Da
       kommt dann gelegentlich vor, was sie heute machen. Aber das stand nicht in
       unserem Fokus. Es ist bewusst ein Buch mit vielen Leerstellen.
       
       Wie wollen Sie Menschen erreichen, die nicht selbst Teil der
       Anti-AKW-Bewegung waren? 
       
       Wir werden 45 Minuten aus dem Buch vorlesen, dabei allerdings auch Fotos an
       die Wand beamen, damit das Publikum ein Gefühl für die Atmosphäre bekommt,
       die während der Aktionen herrschte. Besonders am Herzen liegt uns auch die
       anschließende Diskussion.
       
       Interview: Melina Seiler /bes
       
       Lesung: „Die Anti-Atom-Bewegung. Geschichte und Perspektiven“: 19.30 Uhr,
       St. Pauli-Str. 10
       
       28 Jan 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Melina Seiler
 (DIR) Benno Schirrmeister
       
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