# taz.de -- Rassistischer Vorfall in den USA: „Überfahrt sie einfach“
       
       > Aktivisten blockieren am Gedenktag für Martin L. King eine Brücke. Ein
       > Polizist empfiehlt, für die „Idioten“ nicht anzuhalten. Nun wird
       > ermittelt.
       
 (IMG) Bild: Im Dezember 2015 blockierten Aktivisten eine Hauptstraße zum Flughafen Minneapolis St. Paul
       
       Berlin taz | Die Lake Street Bridge überspannt den Mississippi und
       verbindet im US-Bundesstaat Minnesota die Städte Minneapolis und St. Paul
       miteinander. Eine vierspurige Straße, die AktivistInnen der „Black Lives
       Matter“-Bewegung am Montag blockierten.
       
       Von beiden Städten aus marschierten sie am Martin-Luther-King-Gedenktag auf
       die Brücke, um gegen Rassismus zu protestieren und an die Toten zu
       erinnern, die Opfer von rassistischer Gewalt wurden. So wie der
       Bürgerrechtler King, an dessen Leben und seinen Einsatz für
       Gleichberechtigung seit den späten Achtzigerjahren an jedem dritten Montag
       im Januar gedacht wird.
       
       Doch einem Polizisten in St. Paul passte dieser Protest offenbar nicht. In
       einem Facebook-Post, der mittlerweile entfernt wurde, soll er unter dem
       Namen JM Roth am Wochenende vor der Demonstration dazu aufgerufen haben,
       die Protestler „einfach zu überfahren“. „Werden Sie nicht langsamer für
       diese Idioten, die versuchen, die Straße zu blockieren“, heißt es weiter.
       
       Danach, so die Empfehlung des Polizisten, einfach die Notrufnummer wählen
       und die Polizei informieren – eine Ermittlung sei sehr unwahrscheinlich, da
       die Demonstranten die Straße blockieren.
       
       Entdeckt hat den Facebook-Eintrag Andrew Henderson. Selber ein Aktivist,
       der in der Region dafür bekannt ist, Polizisten während der Arbeit zu
       filmen, um sie haftbar zu machen. Henderson recherchierte den Namen des
       Polizisten und rief noch in der Nacht zu Sonntag bei der Polizei in St.
       Paul an, um sich zu beschweren. [1][Auch dieses Gespräch nahm er auf].
       
       Jetzt – nach dem Feiertag am Montag – haben der Post und Hendersons
       Beschwerde Folgen. Der Beamte wurde beurlaubt und die Polizei hat eine
       Ermittlung zu dem Vorfall eingeleitet. Und auch Chris Coleman,
       Bürgermeister der Stadt, äußert sich in einem [2][schriftlichen Statement].
       „Ich bin über den Eintrag schockiert und empört. .... Sollten sich die
       Vorwürfe als wahr herausstellen, werden wir die härtesten Maßnahmen
       ergreifen, die das Gesetz erlaubt.“ Die Gewerkschaft der Polizei, die
       Beamte in Fällen wie diesen vertritt, bestätigte eine laufende Ermittlung,
       äußerte sich aber nicht weiter zu dem Vorwurf.
       
       Der [3][Protest am Montag] fand ohne Zwischenfälle statt. (hav)
       
       19 Jan 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=aX2x19Mnz68
 (DIR) [2] https://www.stpaul.gov/news/mayor-coleman%E2%80%99s-statement-regarding-allegations-saint-paul-police-officer-made-online-threat
 (DIR) [3] http://www.kare11.com/story/news/2016/01/18/blm-protesters-meet-bridge-mlk-day-demonstration/78958942/
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) USA
 (DIR) Polizei
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) USA
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kolumne Der rote Faden: Fuck off, Ted Cruz
       
       Willkommenskultur ist nicht mehr komfortabel, Martin Luther King so aktuell
       wie nie, New York disst Ted Cruz – und Dirk Nowitzki Donald Trump.
       
 (DIR) Polizeigewalt in den USA: Nur eine Verkettung von Irrtümern
       
       Der Polizist, der Tamir Rice 2014 erschoss, muss nicht vor Gericht. Die Tat
       sei menschliches Versagen gewesen. Der 12-Jährige hatte mit einer
       Druckluftpistole hantiert.
       
 (DIR) Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA: Polizei. Schüsse. Tote.
       
       In Chicago sind erneut zwei Schwarze von Polizisten getötet worden.
       Dahinter steckt Rassismus. Der ist aber nicht das einzige Problem.
       
 (DIR) Polizeigewalt in den USA: Filmen gegen den Rassismus
       
       „Copwatch“, eine 25 Jahre alte Bewegung, erhält neue Relevanz. Bürger
       filmen Polizisten. Schafft das noch mehr Misstrauen?