# taz.de -- Die Wahrheit: Die braune Insel
       
       > „Star Wars“ beschädigt eine mittelalterliche Klosteranlage, die zum
       > Weltkulturerbe gehört. Und die Politik macht mit.
       
 (IMG) Bild: Elizabeth Wall gedenkt der zehn verbrannten Travellers in Carrickmines im Süden Dublins.
       
       Die Fans von „Star Wars“, zu Deutsch „Krieg der Sterne“, mögen bitte davon
       Abstand nehmen, diese Kolumne zu lesen. Ich sage es vorweg: Ich habe mir
       vor langer Zeit eine der Folgen angesehen, fand sie unendlich langweilig
       und hakte die Sache für mich ab. Statt dieses Märchens vom andauernden
       Kampf zwischen Gut und Böse in einer „weit entfernten Galaxie“, verbrämt
       als Science Fiction, lese ich lieber ein Buch der Brüder Grimm.
       
       Dass ich mich dennoch zu dem Sternenquatsch äußere, hat einen Grund: Im
       Gegensatz zu „Star Wars“ liegt mir Skellig Michael am Herzen. Auf dem
       Felsen, der rund zwölf Kilometer vor der Küste Südwestirlands im Atlantik
       liegt, steht eine mittelalterliche Klosteranlage, die zum Weltkulturerbe
       gehört. Man erreicht sie über eine Steintreppe mit fast 600 Stufen. Was
       müssen die Mönche damals geschuftet haben, um die Anlage zu errichten. Und
       dann mussten sie sich 823 auch noch einem Ansturm der Wikinger erwehren.
       
       Heute wohnt niemand mehr auf der Insel, sie ist aber Brutstätte für
       Papageientaucher und Trottellummen. Das Parlament in Dublin hingegen ist
       eine Brutstätte für andere Trottel. Einer von ihnen, der Abgeordnete Jimmy
       Deenihan, hat die Disney-Filmproduktionsfirma eingeladen, die „Star
       Wars“-Filme VII und VIII auf Skellig Michael zu drehen. Der eine kommt
       Dezember in die Kinos, der andere nächstes Jahr.
       
       Ein anderer Trottel, Kulturministerin Heather Humphreys, hatte für die
       Dreharbeiten ein Marineschiff angefordert. Es sollte Neugierige während der
       Dreharbeiten von der Insel fernhalten. Humphreys hat keine Ahnung von
       Kultur, und Irisch kann sie auch nicht, obwohl sie für die Gaeltachts, die
       irischsprachigen Gebiete, zuständig ist.
       
       Humphreys gab bekannt, Disney erwarte, dass alles geheim bleibe, bis die
       Filmfirma“bereit sei, die Verlautbarung abzugeben, die sie in Verbindung
       mit ihren Projekten abgeben will“. Der verschwurbelte Satz bedeutet, dass
       die Bevölkerung nur dann erfährt, was mit ihrem Weltkulturerbe geschieht,
       wenn Disney das will.
       
       Disney wollte wohl nicht, dass jemand von den Schäden erfährt, den das
       Filmteam angerichtet hat. Der Eingang zum Kloster ist beschädigt worden,
       und acht Stufen müssen ebenfalls repariert werden – auf Kosten der irischen
       Steuerzahler. Man hat Disney nicht mal eine Gebühr für die Benutzung der
       Insel oder den Einsatz des Marineschiffs abgeknöpft. Die Arschkriecherei
       der Politiker vor einem der größten Medienkonzerne der Welt geht so weit,
       dass die Grüne Insel demnächst in Braune Insel umbenannt wird.
       
       Der Film werde Skellig Michael in der ganzen Welt bekannt machen,
       rhabarberte Deenihan. „Milliarden Menschen werden die Filme sehen, und
       Tausende Touristen werden zum Felsen kommen.“ Bisher hatte Skellig Michael
       nur deshalb intakt überlebt, weil nicht so viele Touristen auf die
       abgelegene Insel gekommen sind. Möge Disney den Trottel in eine möglichst
       weit entfernte Galaxie schießen.
       
       19 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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